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Der vergessene Patriarch

Freitag, 11. November 2011

Vor 75 Jahren, am 25. Oktober 1936, starb Alois Riedler in Sömmering bei Wien

Familiengruft Langer-Riedler
Der geniale Ingenieur Alois Riedler fand seine letzte Ruhe in der Familiengruft Langer-Riedler auf dem Zentralfriedhof in Wien
Lupe

In Berlin, seiner einstigen Wirkungsstätte, gab es wenige Nekrologe. Vergessen war, dass der Geheime Regierungsrat Alois Riedler einst als Patriarch des deutschen Maschinenbaus an der TH Berlin wirkte.

Er hatte das Ingenieurstudium reformiert und neue Akzente gesetzt. In Zukunft sollten allein berufspraktische Fähigkeiten geschult und enge Bindungen zur Industrie angestrebt werden. Die Mathematikausbildung sollte über das Maß einer Hilfsdisziplin nicht hinausgehen. Riedler war wichtiger Vorkämpfer für das Promotionsrecht an den technischen Hochschulen. Als Rektor erlebte er 1899 dessen feierliche Verleihung durch Kaiser Wilhelm II. In Berlin schätzte man den Österreicher als Kämpfernatur. Am 15. Mai 1850 in Graz geboren, studierte Riedler dort Maschinenbau. Sein Technikerleben führte ihn an die TH Brünn, später nach Wien, wo er sich Ansehen als Maschinenkonstrukteur erwarb. 1880 ging er als Extraordinarius für Maschinenlehre an die TH München und war 1884-1888 Professor an der TH Aachen. 1888 schließlich erfolgte die Berufung an die TH Berlin, die ein Viertel aller deutschen Techniker ausbildete. Das war ein Karrieresprung. Mit diesem Ruf waren ministerielle Erwartungen an Riedler verbunden. Er sollte mit Vehemenz die Maschinenbauausbildung "praxiswirksamer" gestalten und von "theoretischem Ballast" befreien. Als "Relikt der Vergangenheit" machte er seinen Kollegen Franz Reuleaux, aus den Nestor der "Kinematik", einer Maschinenbautheorie, aus. Riedler lehnte die Mathematisierung des Fachs als "akademische Spielerei" ab. Die Studierenden sollten in Maschinenbau-Laboratorien praktische Kompetenz einüben. Dabei berief er sich auf die Ingenieurausbildung in den USA, die er aus eigener Anschauung kannte. Deshalb eröffnete Riedler einen "siebenjährigen Krieg" gegen Reuleaux, der mit dem Sieg des Österreichers endete. Resigniert und verbittert verließ Reuleaux 1896 die TH. Neben Leistungen hatte Riedler allerdings auch Fehlentwicklungen zu verantworten. Mit seiner Hilfe entwickelte sich die TH zum "technischen Leibregiment der Hohenzollern". Der Dienst des "Ingenieurs fürs Vaterland", für dessen Wettbewerbsfähigkeit und Weltherrschaftsambitionen, erlaube sogar eine Beschränkung der Lehrfreiheit, so Riedler. Zu seinen Lieblingsprojekten gehörte der Bau des Maschinenbau-Laboratoriums. Auf dem südlichen Campus wurde 1896 ein entsprechendes Gebäude errichtet, das noch heute steht. Es ist ein karger, mäßig ornamentierter Backsteinbau. Und das Wenige wurde erst nachträglich angebracht, weil alle Mittel in den Kauf des Maschinenparks flossen. Für Bauschmuck war kein Geld da. Trotzdem ist vis-à-vis eine aparte Form von "Kunst am Bau" erhalten. Es ist ein - heute von Vegetation verdecktes - Arkadenfragment, das von besonderem Wert ist. Es stammt von der alten Borsig-Fabrik in der Chausseestraße. Als diese abgerissen wurde, fand es eine neue Heimat in Charlottenburg. So gesehen ist dieser "Stein des Anstoßes" die letzte Erinnerung an einen Österreicher in Berlin.

Die Serie "Orte der Erinnerung" im Internet:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Lesen Sie auch den Artikel "Streitbar, unternehmerisch, patent. Der Nachlass der Ingenieurprofessoren Franz Reuleaux und Alois Riedler wird an der TU Berlin erforscht"

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2011

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