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TU Berlin

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Experimentalphysik im "Circus Boersch"

Freitag, 17. Juni 2011

Der Laserforscher Hans Boersch hatte immer einen Koffer in Berlin

Hans Boersch in seinem Haus, 1968
Hans Boersch in seinem Haus, 1968
Lupe

Vor 25 Jahren, am 9. Juni 1986, starb Prof. Dr. Hans Boersch. Bis zu seiner Emeritierung 1974 leitete er als Direktor zwanzig Jahre lang das I. Physikalische Institut der TU Berlin. Ende 1961 entstand hier der erste deutsche Festkörper- und Gaslaser.

Unter Boerschs Leitung - assistiert von Horst Weber und Gerd Herziger - entwickelte sich das Institut in den Sechzigerjahren zum führenden Zentrum der experimentellen Laserforschung in der Bundesrepublik. Mit der Lasertechnik begann eine neue Ära für die Optik. So fand Boersch seine Hypothese bestätigt, dass Elektronen- und Lichtoptik denselben grundlegenden Prinzipien folgen. Die neuen Erfolge mit der Hochleistungslasertechnik reihten sich ein in die große Tradition der Elektronenmikroskopie der Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre an der TH Berlin, zu deren Pionieren neben Max Knoll und Ernst Ruska auch Hans Boersch gehörte. In Berlin am 1. Juni 1909 geboren, studierte er hier an der Technischen Hochschule bis zum Vorexamen. 1933 wechselte er zur Universität Wien. 1935 schloss er sein Studium mit der Promotion bei Hermann Mark zum Thema "Bestimmung der Struktur einiger einfacher Moleküle mit Elektroneninterferenz" ab. Er kehrte nach Berlin zurück und begann seine Tätigkeit im Physikalischen Laboratorium des AEG-Forschungs-Instituts in Reinickendorf. Unter der Leitung Carl Ramsauers war er maßgeblich an der Entwicklung des elektrostatischen Elektronenmikroskops beteiligt. Mit dem von ihm 1939 entwickelten Elektronen-Schattenmikroskop entdeckte er die Fresnel’sche Beugung von Elektronen und lieferte so den experimentellen Nachweis für den Wellencharakter der Elektronen. Zusammen mit Ernst Ruska, Bodo von Börris und anderen erhielt Boersch 1941 für die wissenschaftlich-technischen Leistungen bei der Entwicklung des Elektronenmikroskops die Silberne Leibniz-Medaille der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1941 war er wieder an der Universität Wien, habilitierte sich im folgenden Jahr und erforschte die Grundlagen der Ionenmikroskopie. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Boersch am Wiederaufbau der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig und wirkte als Honorarprofessor an der dortigen Hochschule. Hier entdeckte er den sogenannten "Boersch-Effekt", eine anomale Energieverbreitung in intensiven Elektronenstrahlen, hervorgerufen durch die Coulomb-Abstoßung der Elektronen. Im Frühjahr 1954 wurde Boersch als ordentlicher Professor für Experimentalphysik und als Direktor des I. Physikalischen Instituts an die Technische Universität seiner Geburtsstadt Berlin berufen. Hier entfaltete sich nunmehr sein Talent als Hochschullehrer. Seine große Experimentalphysik-Vorlesung war legendär und wurde von den Studenten wegen der spannungsvollen Rede auch "Circus Boersch" genannt. Mit seinen Lehrfilmen bereicherte er die Didaktik der Physik. Großen Wert legte er bei seinen Diplomanden darauf, dass sie sich nicht am Schreibtisch in den Vorüberlegungen vergruben, sondern sich mutig aufs Experimentieren "warfen". Seine Mitarbeiter forderte er mit dem Satz "Was nicht geschrieben steht, ist nicht wahr!" zum Publizieren auf. Als Institutsdirektor favorisierte er die Grundlagenforschung. Seine Forschungsresultate fanden vor allem in den USA praktische Anwendung. Nach seiner Emeritierung wurde der Vielgeehrte auch Ehrenmitglied der TU Berlin. Nach kurzer Krankheit starb Hans Boersch am 9. Juni 1986 im bayerischen Eggenfelden. Wo er seine letzte Ruhe fand, ist dem Autor nicht bekannt.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 6/2011

Die Serie "Orte der Erinnerung" im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Leserbrief (TU intern 10/2011):

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