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TU Berlin

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Vermischtes

Schöpfer einer neuen Großindustrie

Montag, 19. April 2010

Carl Bosch (1874–1940) – Mitentwickler des Haber-Bosch-Verfahrens

Carl Bosch, Radierung von Fritz Reusing, 1924
Lupe

Vor 70 Jahren, am 26. April 1940, starb ein Mann, ohne dessen Wirken die Weltgeschichte anders verlaufen wäre. Er war weder Politiker noch Militär. Er war Ingenieur, Chemiker und Manager. 1931 bekam Carl Bosch mit Friedrich Bergius den Chemie-Nobelpreis für seine Verdienste um die Entwicklung chemischer Hochdruckmethoden.

Seine historische Leistung vor 100 Jahren bestand darin, dass Bosch, nachdem Fritz Haber die Ammoniaksynthese durchführen konnte, ein großtechnisches Verfahren zur Herstellung von Ammoniak entwickelte. Damit war das Deutsche Kaiserreich in der Lage, aus eigenen Rohstoffen sowohl Düngemittel als auch Sprengstoff herzustellen. Carl Bosch war ein Neffe des Stuttgarter Unternehmers Robert Bosch und Absolvent der TH Berlin. Bosch wurde am 27. August 1874 in Köln geboren, legte dort 1893 die Reifeprüfung ab und begann im Frühjahr 1894 ein Ingenieurstudium in Maschinenbau und Hüttenwesen an der TH Berlin. 1896 wechselte er für ein Chemiestudium nach Leipzig, das er 1898 mit Promotion bei seinem Lehrer und Doktorvater, Prof. Johannes Wislicenus, abschloss. Nach einem Jahr Assistentenzeit begann er im Zentrum der deutschen Chemieindustrie bei BASF in Ludwigshafen eine bemerkenswerte Karriere.

In den Jahren 1909 bis 1912 gelang es dem jungen Chemiker, das Haber-Bosch-Verfahren für die großtechnische industrielle Anwendung praxistauglich zu machen. Hier waren Boschs Fähigkeiten als Chemiker, Ingenieur und Kaufmann von großer Bedeutung. 1910 fand er einen preisgünstigen Katalysator. Da die Ammoniaksynthese ein Hochdruckverfahren war, stellte sie hohe Anforderungen an die Werkstoffe. Das betraf besonders die Stahlrohre, in denen der Hochdruckprozess ablief. Durch den Einsatz von Doppelröhren mit einem drucktragenden Mantel aus Stahl bewährte sich Bosch als kenntnisreicher Ingenieur. 1913 wurde die erste Ammoniakfabrik in Oppau bei Ludwigshafen und 1916/17 wurden die Leunawerke bei Merseburg errichtet.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der – trotz der neuen Möglichkeiten der Sprengstofferzeugung – für das Reich verloren ging, setzte sich Bosch als Vorstandsvorsitzender der BASF für eine soziale Demokratie der Weimarer Republik ein. Er förderte den Bau des Einsteinturms als moderne Sternwarte in Potsdam. 1925 war Bosch maßgebend an der Gründung der IG Farben AG., dem Zusammenschluss von acht Chemiefirmen, beteiligt. In der Weltwirtschaftskrise unterstützte Bosch zunächst das Krisenprogramm von Heinrich Brüning und kritisierte die ökonomischen Autarkie-Vorstellungen der Nazis. Als Hitler 1933 Kanzler wurde, verhielt sich Bosch widersprüchlich: Einerseits begrüßte er Hitlers Wirtschafts- und Arbeitsbeschaffungspolitik, anderseits lehnte er dessen Antisemitismus radikal ab. Bosch glaubte an die "Macht der Argumente" und hoffte Hitler beeinflussen zu können. Das erwies sich als Illusion. Gegen Ende seines Lebens erkannte Bosch, dass es ein großer Fehler war, Hitler nicht verhindert zu haben, und setzte sich für jüdische Kollegen wie Fritz Haber und Lise Meitner ein, der er zur Flucht aus Hitlerdeutschland verhalf. Carl Bosch starb am 26. 4. 1940 in Heidelberg und fand auf dem dortigen Bergfriedhof seine letzte Ruhe.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 4/2010

Buchtipp: Ulrike Kohl, Die Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Stuttgart 2002

Die Serie "Orte der Erinnerung" im Netz:

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