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TU Berlin

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Vermischtes

Jahr der Wissenschaften 2010

Schöpfer einer Jahrhunderterfindung

Montag, 22. Februar 2010

Vor 100 Jahren wurde Konrad Zuse, der Konstrukteur des ersten Computers geboren

Die Karikatur "Im Mathematikunterricht" fertigte Konrad Zuse bereits als Schüler an. Aus: Der Computer - Mein Lebenswerk, Springer Verlag, 1985
Lupe

Konrad Zuse ist ein Berliner. Am 22. Juni 1910 wurde er in der Hauptstadt geboren und vor 75 Jahren beendete er das Studium an der TH Berlin als Dipl.-Ing. Schon als Schüler fiel Konrad Zuse durch viele Talente auf: Der Lateinlehrer entdeckte im Sprachlehrbuch Lokomotiven-Zeichnungen und machte den Zeichenlehrer auf diese Fähigkeit aufmerksam.

Konrad Zuse vor seinem Z4, um 1949
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Der junge Zuse konnte nicht nur Modelle wiedergeben, er hatte auch eine Begabung für die Karikatur. Als Student unterhielt er später Freunde durch humorvolles Schnellzeichnen. Beinahe wäre er sogar Werbezeichner geworden. Neben dieser künstlerischen Ader interessierte sich Zuse aber leidenschaftlich für Technik. Im Fahrradreparieren war er erfinderisch und geschickt, und mittels eines Stabil-Metallbaukastens bastelte er verwegene Maschinen-Konstruktionen. 1927 legte er am Realgymnasium die Abiturprüfung ab, um 1928 an der TH Berlin Maschinenbau zu studieren. Er wollte Erfinder werden und suchte nur noch das Objekt seiner Inspiration.

Zunächst aber wechselte er das Studienfach und wählte die Architektur. Schließlich entschied er sich fürs Bau ingenieurwesen; hier schien es die gesuchte Kombination von Ingenieur und Künstler zu geben. Und hier fand er – nachdem er sich schon mit einigen Erfindungsprojekten wie mit einem automatischen Fotolabor, einem elliptischen Kino und einem geldwechselnden Warenautomaten befasst hatte – endlich das Objekt, mit dem er sein Erfindertalent beweisen wollte: eine programmgesteuerte Rechenmaschine. Doch die Zeitumstände für eine solche Erfindung waren alles andere als gut. 1933 kamen die Nazis an die Macht, und die Verhältnisse an der TH änderten sich grundlegend.

Der freie Geist konnte nur noch subversiv wirken, die Forschung wurde aufs Militärische und auf schnelle Realisierung ausgerichtet. Außerdem galt die Rechenmaschine als eine ausgefeilte Technik, an der nichts mehr zu verbessern sei. Ein Informationsaustausch mit Technikern in den USA, etwa mit Howard Aiken, der ebenfalls an der Computertechnik arbeitete, war unmöglich. Dennoch wagte Konrad Zuse das Unmögliche. Nach Studienabschluss 1935 arbeitete Zuse als Statiker bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin. Doch schon 1936 entschloss er sich, seinen Computer in der elterlichen Wohnung zu bauen. Seine Eltern, seine Schwester Lieselotte und viele Studienfreunde unterstützten ihn finanziell und durch Mitarbeit. Dem neugierigen Arbeitsamt erklärte er listig, er beteilige sich am Wettbewerb des Reichsluftfahrtministeriums und entwickele einen Tankmesser. Allein auf Freunde und Familie gestellt, begann Zuse im familiären Wohnzimmer mit der Konstruktion des "Z1". Das war ein noch gänzlich mechanisch arbeitender Computer. Aber im Unterschied zu Aiken in Harvard orientierte sich Zuse am binären Zahlensystem. Diese Idee war neu und erleichterte den Einsatz von elektrischen und elektronischen Schaltmitteln. Seit 1937 hatte Zuse in Helmut Schreyer einen kongenialen Helfer. Er regte zum Beispiel an, Relais durch Röhren zu ersetzen, und das erwies sich als eine sehr fruchtbare "Schnapsidee".

Außerdem hatte Schreyer Kontakte zu den TH-Professoren Wilhelm Stäblein und Herbert Wagner, die das Computerprojekt unterstützten, indem sie unter anderem dafür sorgten, dass Zuse während des Krieges "uk" gestellt wurde und in der Rüstungsforschung arbeiten konnte. Das war die Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Computermodells "Z1", das bereits 1938 vollendet wurde, zu „Z2“, das auf Relaisbasis zufriedenstellend arbeitete, zu "Z3", das seit Juli 1941 als erster voll betriebsfähiger programmgesteuerter Computer der Welt galt. Nur das Modell "Z4" überstand den Krieg und wurde danach in der ETH Zürich aufgestellt. Mit der Verleihung des Titels "Dr.-Ing. E. h." 1957 erkannte die TU Berlin die Verdienste Konrad Zuses um die Computerentwicklung spät an.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 2/2010

Die spannende Geschichte der Computerentwicklung hat Konrad Zuse selbst aufgeschrieben. Sein Buch „Der Computer – Mein Lebenswerk“ erschien 1985 als ergänzte und erweiterte Ausgabe einer gleichnamigen Publikation von 1970 bei Springer und ist sehr lesenswert.
ISBN-13: 978-3540562924

Die Erfindung des Computers in Berlin – 100 Jahre Konrad Zuse Symposium am 20. April 2010

Symposium am 20. April 2010

Zum 100. Geburtstag Konrad Zuses gestalten das Deutsche Technikmuseum, die Technische Universität Berlin, die Beuth Hochschule für Technik Berlin, die Zuse-Gesellschaft und die Gesellschaft für Informatik zusammen mit Museen aus ganz Deutschland ein Konrad-Zuse-Jahr. Zur Eröffnung des Zuse-Jahres am 20.4.2010 stellen Freunde, Familienangehörige und ehemalige Mitarbeiter den Menschen Konrad Zuse vor. Namhafte Informatiker erläutern, wie aus einer Idee ein marktreifes Produkt wird. Vorgestellt wird auch die neue Zuse-Sondermünze (zehn Euro) und die Zuse-Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag des Erfinders. Briefmarke und Münze werden am 10. Juni 2010 ausgegeben.

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