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TU Berlin

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Virtuosin der Gartenarchitektur

Montag, 25. Januar 2010

Orte der Erinnerung: Herta Hammerbacher lebte die Emanzipation

Herta Hammerbacher fand im Familiengrab in Nürnberg die letzte Ruhe
Lupe

1950 wurde Herta Hammerbacher zur ersten Professorin an der Architekturfakultät der TU Berlin ernannt. In einer jüngst erschienenen Dissertation, die sich mit Leben und Werk der Gartenarchitektin beschäftigt, wird sie als "Virtuosin der Neuen Landschaftlichkeit" gewürdigt. Die TU Berlin verdankt ihr unter anderem die Wiederherstellung des Universitätsgartens. Damit hatte sich die "Generalin" in den Fünfzigerjahren gegen ihre männlichen Kollegen durchgesetzt, die das Areal "autofreundlich" für Parkplätze nutzen wollten.

Geboren am 5. 12. 1900 in München, entstammte sie väterlicherseits einer Nürnberger Fabrikantenfamilie, mütterlicherseits dem bayerischen Militäradel. Unternehmungsgeist und Durchsetzungskraft sollten ihr Leben prägen. Die frühe Kindheit war unstet. Sie wuchs in Nürnberg, dem Sitz der Maschinenfabrik Spaeth, in Aachen, Hannover und Jena auf. Seit 1911 lebte die Familie in Berlin. Hier besuchte sie das Cecilien-Lyzeum bis zur mittleren Reife. Musisch interessiert, zeichnerisch begabt und fasziniert von Marie Curie, war sie alles andere als eine "höhere Tochter". Sie strebte eine professionelle Berufsausbildung an, damals keine Selbstverständlichkeit für Frauen. Nach einer Gärtnerlehre in Schwaben und Potsdam stand ihr Ziel, Gartenkünstlerin zu werden, fest. Zwischen 1919 und 1924 sammelte sie praktische Erfahrung in gärtnerischen Betrieben am Bodensee. Im Herbst 1924 begann sie das Studium an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin Dahlem und beendete es 1926 mit Staatsexamen als Gartenbautechnikerin. Sie blieb vielseitig interessiert, bildete sich autodidaktisch im neuen Berufsfeld weiter. Aber sie war zugleich gesellschaftspolitisch aktiv. So begeisterte sie sich für die Frauenrechtlerin Lily Braun.

Die Zwanzigerjahre waren eine innovationssüchtige Zeit, was sich auch in der Gartenkunst widerspiegelte. Zunächst war die Absolventin im Entwurfsbüro der Firma Späth Berlin tätig. Dessen Leiter, Otto Valentien, hatte mit dem Aufsatz "Expressionismus und Gartenkunst" 1924 Aufsehen erregt. Historisierung und Akademisierung beflügelten den Gartenbau. Von 1928 bis 1948 gehörte sie zum Bornimer Kreis um Karl Foerster, dessen Konzeption vom "Neuen Garten" epochemachend wurde. In jenem Kreis trafen sich die Architekten Hans Poelzig, Hans Scharoun und Musiker wie Wilhelm Kempff und Wilhelm Furtwängler. Die Bornimer Zeit prägte sie entscheidend, doch sie wirkte zugleich aktiv auf den Kreis zurück. Von 1929 bis 1935 war sie mit Hermann Mattern, der gleichfalls diesem Kreis angehörte, verheiratet. 1930 wurde Tochter Merete geboren. Nach 1933 erwies sich der Bornimer Kreis um Karl Foerster, Hermann Mattern und Herta Hammerbacher als eine Arbeits- und Verbrüderungsgemeinschaft. Er war ein Ort der "inneren Emigration". 1946 schlug Hans Scharoun, Ordinarius an der TU Berlin, Herta Hammerbacher als Lehrbeauftragte für Landschafts- und Gartengestaltung vor. Über zwanzig Jahre wirkte sie von da an als engagierte und couragierte Hochschullehrerin an der TU Berlin. Mit einigen Ideen war sie ihrer Zeit voraus. So trat sie gegen großstädtische Betonwüsten und für einen „landschaftsverbundenen Städtebau“ ein. Nach ihrer Emeritierung 1969 zog sie an den Starnberger See. Doch untätig konnte sie nicht sein. 1972 gehörte sie zu den Mitbegründern der "Gesellschaft für experimentelle und angewandte Ökologie" (GEO). Sie starb am 25. 5. 1985 in Niederpöcking. Ihre letzte Ruhe fand sie im Familiengrab Spaeth-Hammerbacher auf dem alten Friedhof St. Peter in Nürnberg.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 1/2010

Die Serie "Orte der Erinnerung" im Netz:

Buchtipp:

Umfangreich und materialreich zu Herta Hammerbacher und die Geschichte der Gartenbaukunst in Berlin-Brandenburg ist die Dissertation von Jeong-Hi Go:

Herta Hammerbacher (1900-1985). Virtuosin der Neuen Landschaftlichkeit – der Garten als Paradigma. Berlin 2006, ISBN 3-7983-2013-6.

Sie ist auch in der Zentralbibliothek der TU Berlin im Volkswagenhaus sowie in der Bereichsbibliothek Architektur und Kunstwissenschaften, Gebäude A, Straße des 17. Juni 152 erhältlich.

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