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TU Berlin

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Montag, 12. Oktober 2009

Erinnerung an einen Bauingenieur und Ehrensenator der TU Berlin

Das Berliner Ehrengrab Franz Dischingers auf dem Dahlemer Waldfriedhof
Lupe

Das 20. Jahrhundert hat wie kein anderes die menschliche Lebens- wie Arbeitswelt und das Bauen revolutioniert. Die Stahlbetonbauweise setzte sich durch. Über sie hielt 1905 erstmals Max Foerster an der TH Dresden eine Vorlesung. Ihm folgte Hermann Boost von der TH Berlin. Ein Vierteljahrhundert später, 1932, folgte Boost ein Bauingenieur, der mit dieser Bauweise "groß" geworden war und der sie wie kein Zweiter in Praxis und Theorie fachmännisch zu meistern verstand: Franz Dischinger. Seit 1954 vergab die TU Berlin einen Dischinger-Preis für hervorragende Absolventen im Fach Stahlbetonbau.

Wer war Franz Dischinger? Am 8.10.1887 in Heidelberg geboren, wuchs er in Karlsruhe auf, wo er das Gymnasium besuchte. Von 1907-1911 studierte er an der dortigen TH Bauingenieurwesen und schloss mit Auszeichnung ab. Nach dem Militärdienst arbeitete er 1913 als Ingenieur bei der Firma Dyckerhoff & Widmann AG in Wiesbaden. Das Unternehmen hatte die neue Betonbauweise qualitäts- und praxistauglich gemacht und Dischinger konnte hier fast zwanzig Jahre - nur durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen - seine schöpferische Begabung ausleben. Er wirkte zunächst als Fachmann für Druckluftgründungen bei Brückenbauten. Seine Spezialgebiete wurden Schalenbau und Brückenkonstruktionen aus Stahlbeton. Ersten Ruhm erntete er zusammen mit Walther Bauersfeld bei der Konstruktion einer Schalbau-Kuppel für das Jenaer Planetarium. Ferner entwarf und fertigte er leichte Vieleckkuppeln aus Stahlbeton für Markthallen. Seit den Zwanzigerjahren galt Dischinger - national und international - als ein führender Brückenbauexperte für alle Tragetypen (Bogen-, Balken- und Hängebrücken). 1932 erfolgte seine Berufung an die TH Berlin. Er trat sein Lehramt im August 1933 an - in vielfach schwieriger Zeit. Die Nazis nutzten die Technikfaszination für ihre Zwecke. Auch Dischinger diente ihnen und baute in den Dreißigerjahren die ersten deutschen Spannbetonbrücken. Wissenschaftlich befasste er sich mit dem elasto-plastischen Verhalten von Beton. Später wurde er von Albert Speer für die Konstruktion und Berechnung der riesigen Kuppel der geplanten Großen Halle in Berlin herangezogen. Freunde sagten über Dischinger, er habe oft mit einer Besessenheit gearbeitet, die ihn alles andere um sich vergessen ließ. Das galt auch für die Zeit des Dritten Reiches. Hier war er an großen NS-Infrastrukturprojekten beteiligt. Er kooperierte mit der "Organisation Todt" und betreute kriegswichtige Projekte, an denen Zwangsarbeiter mitwirken mussten. Das alles ist ein noch wenig erforschtes Terrain. An der TU Cottbus wird im Rahmen eines DFG-Forschungsprojekts, geleitet von Professor Werner Lorenz, erstmals eine wissenschaftliche Gesamtbiografie von Dischinger erstellt.

1946 nahm Dischinger seine Lehrtätigkeit als Stahlbetonexperte an der TU wieder auf. Er blieb als Fachmann international bekannt und wurde nach seiner Emeritierung 1952 Ehrensenator der TU Berlin. Sein Leben war zunehmend von Krankheit gezeichnet. Pläne, ein Lehrbuch über Bautechnik zu schreiben, blieben Fragment. Er starb am 9. Januar 1953 in Berlin. Sein Grab, ein Berliner Ehrengrab, befindet sich auf dem Dahlemer Waldfriedhof.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 10/2009

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