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TU Berlin

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Forschung

Nachgefragt bei Prof. Dr. Knut Blind: Internationale Normen erleichtern Zugang zu transatlantischen Märkten

Freitag, 27. Juni 2014

Das „Deutsche Normungspanel“ hat Unternehmen gefragt, welche Rolle Normen für den Unternehmenserfolg und den Export in die USA spielen

Lupe
Knut Blind, TU-Ökonomie-Professor und Experte für Standardisierung und Normung
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Herr Professor Blind, schon zum zweiten Mal hat das „Deutsche Normungspanel“ unter Leitung Ihres Fachgebiets „Innovationsökonomie“ deutsche Unternehmen nach ihrem Umgang mit Normen befragt. Was ist das Ziel dieser Befragungen?

Die Befragung war sehr erfolgreich. Wir erhielten 2600 Antworten von Normungsexperten aus 1300 Unternehmen. Uns interessiert dabei der Zusammenhang zwischen dem Normungsengagement von Unternehmen, der Anwendung von Normen und Standards und dem Unternehmenserfolg. In diesem Fall stand die Befragung in Zusammenhang mit dem geplanten Transatlantischen Freihandelsabkommen. Das Ziel ist, neue Erkenntnisse für die Normungspraxis, -politik und -forschung zu gewinnen. Dabei wird versucht, Trends und Veränderungen in der Anwendung und Erarbeitung von Standards und Normen zu beobachten, um den Normungsprozess noch effizienter zu gestalten beziehungsweise die Anwendung von Normen und Standards in den Unternehmen noch effizienter zu machen. Das Panel wird in Abstimmung mit dem Deutschen Förderverein zur Stärkung der Forschung zur Normung und Standardisierung e. V. (FNS) durchgeführt und vom Deutschen Institut für Normung e. V. DIN gefördert. In deren Räumen in Berlin-Mitte haben wir auch kürzlich die Ergebnisse vorgestellt.

Was hat diese Befragungswelle an wesentlichen Erkenntnissen gebracht?

Sehr interessant für die weitere Arbeit der deutschen und europäischen Normung ist die Aussage einer Mehrheit der Befragten, dass sie neben den formellen Normen, also den bekannten DIN- und ISO-Normen, sowie den technischen Regeln, die beispielsweise der VDI liefert, den eigenen Werknormen einen hohe Bedeutung beimessen. Der Einfluss von Konsortial- und De-facto-Standards hingegen ist mit Ausnahme der Informations- und Kommunikationstechnik …

… die Sie uns Laien bitte noch mal erklären…

Konsortial- und De-facto-Standards werden durch mehrere Unternehmen nach selbst gegebenen Regeln erstellt, während DIN-Normen in offenen Konsensprozessen erarbeitet werden. Somit werden bei der Erstellung dieser Art von Standards im Gegensatz zu formellen Normen zumeist nicht alle Stakeholder mit einbezogen. Die formellen Normen spielen jedenfalls anscheinend eine große Rolle für Unternehmen, zum Beispiel im Hinblick auf die Rechtssicherheit. Diese ist von elementarer Bedeutung, wenn Firmen Zugang zu neuen Märkten suchen oder Verträge verhandeln. Für die Produktivitäts- und auch Qualitätssteigerung im Unternehmen halten die Befragten ihre internen Werknormen für wichtiger. Formelle Normen sind demnach vor allem für das erfolgreiche Agieren auf dem Markt ausschlaggebend.

Gilt das auch für den transatlantischen Markt?

Nein, hier muss man sehr gut differenzieren und hier liegt auch eine große Aufgabe für die Politik. Die US-spezifischen Normen, Regulierungen und vor allem die Zertifizierungspraxis werden von den deutschen Exporteuren als Hindernisse im Exportgeschäft betrachtet. Das kam für uns allerdings nicht unerwartet. Die Unternehmen wünschen sich schon lange, dass die Amerikaner die bestehenden internationalen Normen wie ISO oder IEC übernehmen. Denn die US-spezifischen Regelungen behindern damit auch massiv den Fortschritt der Verhandlungen über ein Transatlantisches Freihandelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union. Auch in verschiedenen Studien zu den wirtschaftlichen Effekten eines solchen Abkommens gibt es keine Vorschläge wie die geltenden Normen harmonisiert werden sollen. Unter den gegebenen Bedingungen bleibt damit leider eine solche Harmonisierung höchst unrealistisch. Trotz allem – im Fragebogen haben wir auch nach Chancen und Risiken eines solchen transatlantischen Abkommens gefragt – sah eine Mehrzahl mehr Chancen als Risiken für ihre Unternehmen. Zu den Letzteren zählen Befürchtungen der Unternehmen, Wettbewerbsnachteile zu erleiden, wenn sich die europäischen Märkte für US-Unternehmen öffnen. Aus meiner Sicht sollte daher bei den Verhandlungen über die Gestaltung des Freihandelsabkommens die Harmonisierung von Normen, Regulierungen und Zertifizierungsvorschriften im Vordergrund stehen.

Wird es weitere Befragungswellen geben, um Politik und Wirtschaft mit entsprechenden Daten zu versorgen?

Ja. Wir sind sehr stolz, dass wir mit dem Normungspanel nunmehr einen Status erreicht haben, der zu einer Verstetigung der jährlichen Befragungen geführt hat. So haben wir auf Basis der vorliegenden Antworten inzwischen einen repräsentativen Datensatz gewonnen. Damit sind wir auch ein gutes Stück in unserem Bemühen vorangekommen, Unternehmen für die Thematik zu sensibilisieren und zur Mitarbeit an der Normung zu motivieren. Die nächste Befragungsrunde des Normungspanels steht im Herbst 2014 an. Dafür können sich noch weitere, bisher nicht beteiligte interessierte Vertreter von Unternehmen und anderen Organisationen über unsere Website oder über die des DIN e. V. registrieren lassen. Dort sind auch bereits die Ergebnisse der beiden abgeschlossenen Befragungswellen zu finden. Vorab vielleicht: Das Thema der nächsten Befragungswelle – sie startet immer am Weltnormungstag, dem 14. Oktober – wird die Rolle der Normung für den Handel mit China sein.

Vielen Dank!

Die Fragen stellte Patricia Pätzold


Zur Person

Prof. Dr. Knut Blind ist Leiter des Fachgebiets Innovationsökonomie an der Fakultät VII Wirtschaft und Management der TU Berlin sowie Professor für Standardisierung in der Abteilung Technologie und Management der „Rotterdam School of Management“ an der Erasmus Universität Rotterdam. Außerdem leitet er die Forschungsgruppe Public Innovation am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS). Infos über das Deutsche Normungspanel:

http://projects.inno.tu-berlin.de/DNP

www.din.de

www.fnsev.de

tui "TU intern" Juni 2014

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