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TU Berlin

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Zeit zu Reden

Freitag, 22. April 2016

Über Lehre & Lernen

Lupe

Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß, Vizepräsident für Studium und Lehre:

„Ziethen“ steht für den Kulturwandel in der Lehre

Groß-Ziethen ist ein Ort im nördlichen Berliner Umland. Seit 2012 findet einmal im Jahr auf Schloß Ziethen eine Klausurtagung zum Thema Lehre und Lernen statt. Lehrende und Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Verwaltung kommen hier zusammen, um darüber zu reflektieren, wie der Lehr- und Lernalltag an der TU Berlin nachhaltig verbessert werden kann. Das ist durchaus eine Herausforderung an einer Massenuniversität.

„The shift from teaching to learning“ steht als Motto über diesen Klausurtagungen. Leitidee ist es, eine neue Lehr- und Lernkultur an unserer Universität zu etablieren, den Stellenwert der Lehre an der TU Berlin zu stärken und das Lernen in den Mittelpunkt universitärer Lehre zu rücken. Dieser programmatische Perspektivwechsel in der Lehre wurde auf der ersten Klausurtagung in 2012 mit dem „Ziethener Manifest“ eingeleitet und in den nachfolgenden Jahren weiter fortgeführt.

Die Ziethener Klausurtagungen sind inzwischen zu einer Institution geworden und die daraus abgeleiteten Initiativen haben im Bereich Studium und Lehre an unserer Universität bereits vieles bewegt. Eine neue Lehr- und Lernkultur ist für uns nicht mehr nur eine Vision, sondern wir sind ihrer Verwirklichung schon ein gutes Stück näher gekommen.

Die Ziethener Klausurtagungen werden innerhalb des „Qualitätspakts Lehre“ gefördert. Sie sind Bestandteil des Teilprojekts „tu inspire“ – ein Reputationsprogramm, das der guten Lehre zu einem neuen Stellenwert verhelfen soll. Ich möchte alle, die mit Lehre und Lernen an der TU Berlin zu tun haben, aufrufen, sich weiterhin mit ihren Ideen und Anregungen einzubringen, um das Motto „The shift from teaching to learning“ mit Leben zu füllen und den damit einhergehenden Kulturwandel zu gestalten.

 

Prof. Dr. Dietrich Manzey, Fachgebiet Arbeits-, Ingenieur- und Organisationspsychologie, Fakultät V Verkehrs- und Maschinensysteme:

Positive Einstellung zu den Studierenden

Gute Lehre braucht einerseits fachliche Fundierung, aber sie braucht auch eine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber den Studierenden! In Lehrveranstaltungen baue ich immer wieder Beziehungen zu den Studierenden auf, teile ihnen mit, dass ich sie wertschätze – auch für meine eigene Arbeit. Ich möchte damit ein Klima schaffen, in dem man gerne und produktiv lernt.

Als Hochschullehrer sollte uns immer Folgendes bewusst sein: Wenn wir kommunizieren, vermitteln wir nicht nur Sachinformationen, sondern auch ganz viele sogenannte Beziehungsinformationen. Das heißt, in der Art und Weise, wie meine Folien, meine Präsentation gestaltet sind, wie ich mit Fragen umgehe, wie ich mich selber in meinen Lehrveranstaltungen präsentiere, schaffe ich Beziehungen zu den Studierenden. Ich biete ihnen Beziehungen an, wie sie mich sehen und wie sie auf mich zugehen können. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt von Lehre. Die Studierenden merken sehr wohl, ob ich mir Mühe gebe mit dem, was ich vorbereitet habe. Sie registrieren und werten sehr subtil Signale aus, die ihnen sagen, von wem sie ernst genommen und als eine wichtige Größe in der Universität verstanden werden. Dieses Verständnis drückt sich allgemein in der Vorbereitung von Lehrveranstaltungen aus.

 

Prof. Jörg Stollmann, Fachgebiet Städtebau und Urbanisierung, Fakultät VI Planen Bauen Umwelt:

Neuer Impuls für Raum und Lernen

In Ziethen trifft man Kolleginnen und Kollegen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen, die man im regulären Unialltag sonst gar nicht kennenlernen würde. Dieser Austausch ist sehr anregend. Das Besondere an Ziethen ist, dass man sich mit Leuten aus allen möglichen Disziplinen und Statusgruppen gemeinsam Gedanken macht, wie man die Lehre verbessern und weiterentwickeln kann. Dies ist wirklich einzigartig. Ziethen lässt sich für mich mit den folgenden drei Worten zusammenfassen: Begegnung, gegenseitiges Verständnis und Wille zur Veränderung. Am letzten Ziethen-Klausurworkshop hat mich besonders begeistert, wie viele Kolleginnen und Kollegen auf die Frage eingegangen sind, wie die räumlichen Bedingungen an der TU Berlin aussehen und was man an ihnen verbessern könnte. Es ging um die Architektur der Räume und um deren Nutzung. Ich dachte bisher, das wäre vielen gar nicht so wichtig. Konkret ist daraus jetzt eine Initiative „TU als Lern- und Lebensort“ entstanden, die mit der bereits bestehenden Arbeitsgruppe „Lernräume“ von Ziethen 1.0 zusammenarbeiten möchte. Ziethen 4.0 hat dem Thema „Raum und Lernen“ glücklicherweise wieder einen neuen Impuls gegeben.

 

Prof. Dr. Maik Lachmann, Fachgebiet Controlling und Rechnungslegung, Fakultät VII Wirtschaft und Management, Preis für vorbildliche Lehre 2015:

Guter Beginn und Dramaturgie

Für mich sind die ersten dreißig Minuten einer Vorlesung besonders wichtig, denn hier hat man als Lehrender die Möglichkeit, bei den Studierenden Motivation und Begeisterung zu wecken. Das kann zum Beispiel mit dem Aufzeigen konkreter Lernziele gelingen, die den Studierenden klarmachen, was sie am Ende des Semesters können und was man mit diesem Wissen anfangen kann. Auch Alltagsbeispiele sind ein gutes Mittel, den Lernstoff handhabbar und interessant zu machen. So lasse ich in meiner Veranstaltung „Bilanzierung und Kostenrechnung“ die Studierenden zum Beispiel gerne die wirtschaftliche Lage von Bundesligavereinen analysieren.

Die Dramaturgie einer Lehrveranstaltung ist ebenfalls sehr wichtig, insbesondere in großen Vorlesungen. Damit meine ich die Aufteilung einer Vorlesung in unterschiedliche Blöcke und Formate: ein interessanter Start, dann eine ausgewogene Mischung aus Wissensvermittlung und interaktiven sowie praxisorientierten Elementen, wie Multiple-Choice-Fragen oder Fallstudien. Gerade in sehr großen Veranstaltungen ist es auch sinnvoll, ab und zu den Wissensstand der Studierenden einzufangen, um einschätzen zu können, ob sie über- oder unterfordert sind. Hierzu haben wir uns am Fachgebiet ein Abstimmungstool angeschafft.

 

Prof. Dr.-Ing. Paul-Uwe Thamsen, Fachgebiet Fluidsystemdynamik, Fakultät V Verkehrs- und Maschinensysteme, Preis für vorbildliche Lehre 2014:

Wichtig für beide Seiten: Humor in der Lehre

Humor ist nicht nur für die Lehre, sondern für das ganze Leben wichtig. Man sollte morgens mit einem Lächeln in die Vorlesung gehen, und wenn man das Lächeln irgendwann verliert, sollte man etwas dagegen tun. Spaß an der Lehre und am Lernen ist für beide Seiten enorm wichtig. Mittlerweile haben wir durch den Lehrepreis auch das Feedback von den Studierenden, dass es bei uns in der Lehre Spaß macht, und darauf legen wir auch sehr viel Wert. Viel entsteht aus der Situation! Man darf nicht immer alles so ernst nehmen!

Ein Beispiel ist die ständige Diskussion „Darf ich ein Handy benutzen oder darf ich kein Handy benutzen?“. Ich sage immer ganz klar: „Bei der Handybenutzung bitte einen guten Klingelton einstellen und dann bitte auch abnehmen und laut sprechen, damit wir alle was davon haben.“ Wenn nicht alles ganz ernst gemeint wird, ist es für das Miteinander ein deutlicher Fortschritt, weil man kein Spannungsverhältnis hat, sondern die Dinge humorvoll nimmt.

 

Anja Dötsch-Nguyen, Bachelor-Studentin der Informatik mit Familie, hochschulpolitisch engagiert:

Die Uni als Lebensort entwickeln

Aus Ziethen habe ich mitgenommen, dass es wichtig ist, im Dialog zu bleiben. Sowohl bei Studierenden als auch bei Lehrenden sind Feindbilder sehr verbreitet. Man sollte aber den Kontakt zueinander suchen, um auszuloten, wo es Gemeinsamkeiten gibt und wo man an einem Strang ziehen kann, um im Interesse aller weiterzukommen. Dieser gemeinsame Strang ist meiner Meinung nach die Lehre. In Ziethen ist mir bewusst geworden, dass Lehrende nicht zum Selbstzweck lehren, sondern viele haben ein Interesse daran, dass Studierende etwas mitnehmen. Genau an diesem Punkt kann man ansetzen, denn Studierende lernen ja auch selten zum Selbstzweck.

Ich hoffe auch, dass die Arbeit der AG „Die TU Berlin als Lern- und Lebensort“ Früchte tragen wird. Ein Lebensort ist für mich ein Ort, wo ich gutes Essen bekomme, wo ich mich vielleicht mal kurz für ein Nickerchen hinlegen kann, wo ich mit anderen zusammenkomme, wo ich mich aber auch mal zurückziehen kann, zum Beispiel, um zu lernen. Bisher ist die TU Berlin noch kein Lebensort. Es gibt noch zu viele Hindernisse, wenn man versucht, Arbeitsräume zu finden, gerade mit Gruppen. Vor allem braucht es eine Übersicht über freie Räume und eine geregelte Zugänglichkeit zu diesen Räumen.

 

Christian Korff, Master-Student Human Factors, hochschulpolitisch engagiert:

Studienstart entlasten – entspannter ins Studium

Ich denke, die Studieneingangsphase sollte entlastet werden, dafür könnte man die Grundlagenmodule gerade in den Ingenieurwissenschaften unbenotet lassen. Das würde eine Menge Prüfungsdruck von den Studierenden nehmen und dazu führen, dass man wesentlich entspannter ins Studium starten kann. Gerade in den ersten Semestern, wenn man von der Schule kommt, ist die Uni doch etwas ganz Neues, plötzlich muss man selbstständig arbeiten, und wenn man dann unter so einem enormen Prüfungsdruck steht, wird es nicht einfacher. Bei mir war der Studienstart ganz schlimm. Ich hätte fast abgebrochen im ersten Semester. Wenn man das unbenotet lässt und man mit einem „Bestanden“ aus der Prüfung rausgeht, motiviert das enorm, sich durchzubeißen und weiterzumachen. Außerdem ist es dann auch möglich, mal über den Tellerrand zu schauen und neben dem eigenen Studienfach auch andere Seiten der Universität zu entdecken. Der ganze Campus ist voll mit Orten, an denen man sich einbringen und engagieren kann, das gehört genauso zur Universität wie die Vorbereitung auf Prüfungen.

"TU intern" April 2016

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