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TU Berlin

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Innenansichten

Schritte zur Energiewende

Freitag, 22. April 2016

Nachgefragt bei Prof. Dr. Ernst Huenges - eine 500 Meter tiefe Bohrung auf dem TU-Campus soll klären, ob der Berliner Untergrund geeignet ist, Wärme und Kälte für die Hauptstadt zu speichern

Prof. Dr. Ernst Huenges im Gespräch mit Claudia-Tamara Rach
Lupe

Seit dem 29. Februar wird auf dem TU-Gelände gebohrt. Mit welchem Ziel?

Ernst Huenges: Das Deutsche GeoForschungsZentrum führt eine wissenschaftliche Erkundungsbohrung zur geologischen Beschaffenheit des Berliner Untergrundes durch. Wir untersuchen Optionen zur Nutzung des Untergrundes für eine effiziente Wärmebereitstellung.

An welche Optionen denken Sie dabei?

Der Untergrund enthält poröse, Wasser führende Gesteinsschichten, sogenannte Aquifere, die für eine jahreszeitliche Speicherung von Wärme oder Kälte geeignet sind. Im Sommer kann Wärme gespeichert werden, um sie dann im Winter zur Wärmeversorgung zu nutzen. Saisonale Wärmespeicher sind unverzichtbar in Energiesystemen mit hohen Anteilen fluktuierender Energieträger.

Was könnte das für Berlin bedeuten?

Berlin hat sich hohe Klimaschutzziele gesteckt, die Wärmeversorgung beruht aktuell aber fast ausschließlich auf fossilen Energieträgern. Wenn wir an zukünftige Energieversorgungskonzepte für Stadtquartiere denken, sind Aquiferspeicher auch für Berlin unverzichtbar. In den Niederlanden ist man mit mehr als 2000 oberflächennahen Speicherprojekten wesentlich weiter.

Wie ist der aktuelle Stand bei der Bohrung?

Wir sind momentan bei rund 438 Metern, die geplante Endteufe liegt bei etwa 500 Metern nach Durchteufen der „Stuttgart-Formation“. Ziel ist, Salzwasser führende Schichten unterhalb des Rupeltons zu erschließen. Der Rupelton trennt diese von den Trinkwasser führenden Schichten in Oberflächennähe ab. Eine gute Nachricht ist, dass diese Schicht am Standort gut ausgeprägt ist. Die Bohrung wurde dort verrohrt und zementiert, damit ist eine Gefährdung des Berliner Trinkwassers ausgeschlossen. Hinter der Verrohrung haben wir ein Beobachtungssystem installiert. Da wir vermutlich keine Juraschichten angetroffen haben, entfällt einer von mehreren potenziellen Nutzhorizonten und wir untersuchen nun die Verhältnisse der tiefer gelegenen sogenannten „Stuttgart-Formation“, die auch nutzbare Sandsteine beinhalten kann. Mal schauen, was die nächsten Meter zutage fördern.

Warum bohren Sie gerade auf dem TU-Campus?

Die Bohrung ist Teil eines Verbundprojektes, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Das Deutsche GeoForschungsZentrum, die Technische Universität Berlin mit dem Institut für Energietechnik und dem Fachbereich Angewandte Geowissenschaften sowie die Universität der Künste Berlin sind daran beteiligt. Im Projekt wird ein Energieversorgungskonzept mit saisonaler Wärme- und Kältespeicherung für Stadtquartiere entwickelt. Der TU-Campus mit seiner Mischung aus denkmalgeschützten und modernen Gebäuden ist ein repräsentatives Beispiel für die Herausforderung der Wende hin zu einer effizienten und nach Möglichkeit erneuerbaren Wärmebereitstellung. Daher passt die methodische Studie gerade hier und jetzt in die Zeit der Energiewende.

Sie sind Professor für „Geothermal Energy Systems“ an der TU Berlin. Profitieren auch Studierende von der Bohrung vor der Haustür?

Natürlich fließen die Ergebnisse der Bohrung in die Lehrveranstaltungen ein. Im Rahmen der Vorlesungsreihe „Geothermal Energy Systems“ bieten wir für Master-Studierende im Studiengang Geoingenieurwissenschaften/Ingenieurgeologie im Sommersemester 2015/16 die Veranstaltung „Aquiferspeicherbohrung in Berlin“ an. Sie hat gerade begonnen, am 20. April. Im Juli/August wird es einen Blockkurs dazu geben.

Wie geht es nach den Bohrarbeiten am Standort weiter?

Bis zum Herbst wird die operative Phase abgeschlossen sein. Die Ergebnisse liegen dann auf dem Tisch und es können weitere Entscheidungen getroffen werden. Geplant ist, danach die Bohrung zu verschließen und den ursprünglichen Zustand des Platzes wiederherzustellen.

Wird das Thema am GFZ weiterverfolgt?

Die urbane Wärmewende ist ein großes Thema am GFZ, da der Untergrund dabei immer wichtiger wird. Wir haben gerade im Rahmen der „Berliner Energietage“ ein Forum mit Entscheidungsträgern aus Industrie, Forschung und Politik gestaltet und die Herausforderungen einer Wärmewende für Berlin-Brandenburg diskutiert. Wir freuen uns, dass unsere Forschungsaktivitäten mitten in der Stadt großes öffentliches Interesse und positive Resonanz finden. Ich möchte an dieser Stelle allen Beteiligten für diese Möglichkeit danken.

Die Fragen stellten
Patricia Pätzold und Angela Spalek

 

Der aktuelle Stand der Bohrarbeiten auf der Seite des Projekts ATES Berlin:
www.gfz-potsdam.de/ates

Das Interview „Wirf keine Wärme weg“ mit dem stellvertretenden Projektleiter des Zwanzig20-Forums Wärmewende, Daniel Acksel, finden Sie auf der GFZ-Website:
www.gfz-potsdam.de


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