direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Innenansichten

„Sie wollen auch Deutsch lernen“

Donnerstag, 16. April 2015

Thorsten Roelcke über die Bedeutung von Deutsch als Fremdsprache für ausländische Studierende

Lupe
Professor Thorsten Roelcke hat neben seinem Fachgebiet auch die wissenschaftliche Leitung der Zentraleinrichtung Moderne Sprachen übernommen
Lupe
Almuth Schön
Lupe

Herr Professor Roelcke, es ist kein Geheimnis, dass Deutsch seine liebe Not hat, sich als Wissenschaftssprache zu behaupten. Seit vergangenem Jahr leiten Sie das Fachgebiet Deutsch als Fremdsprache, kurz DaF. Vor welchen Herausforderungen steht das Fach an einer Universität, wenn es seine Existenzberechtigung wahren soll?

Deutsch als Wissenschaftssprache steht zum Teil tatsächlich unter internationalem Druck – doch muss man differenzieren: Im naturwissenschaftlich-technischen Bereich hat sich das Englische mehr noch als in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen als Verkehrssprache weltweit durchgesetzt. Aber das ist kein Grund, zu kapitulieren. Ich möchte den bestehenden didaktischen Ansatz am Fachgebiet ausbauen, die Ausbildung von DaF-Lehrenden an den kommunikativen Erfordernissen verschiedener Fächer auszurichten. Im Wirtschaftsingenieurwesen wird letztlich etwas anderes gebraucht als in der Informatik. Im Mittelpunkt steht also die Konzentration auf eine sprachlich-kulturelle Ausbildung, die die spezifischen fachkommunikativen Kompetenzen gezielt stärkt, um später im Beruf erfolgreich sein zu können. Das ist innovativ, und darin sehe ich einen Standortvorteil der TU Berlin. Dieser Fokus wird künftig auch die Sprachausbildung an der Zentraleinrichtung Moderne Sprachen prägen, deren wissenschaftlicher Leiter ich ebenfalls bin und die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiert. Wir werden vermehrt fachspezifische fremdsprachliche Curricula entwickeln und unser Profil somit weiter stärken.

 

Die TU Berlin verfolgt das Ziel, in den kommenden fünf Jahren 50 Prozent ihrer Master-Studiengänge in Englisch anzubieten. Kollidiert das mit Ihrem Anspruch, Deutsch als Fach- und Fremdsprache für die internationalen Studierenden an der Uni zu stärken?

Könnte, muss aber nicht. Ich plädiere dafür, ebenso englische wie auch deutsche Lehrveranstaltungen anzubieten. Wir dürfen nicht übersehen, dass die ausländischen Studierenden sich bewusst für ein Studium in Deutschland entschieden haben, um eine weitere Sprache zu lernen. Ihnen die Sprachausbildung in Deutsch vorzuenthalten, hielte ich für problematisch.

 

Warum?

Deutsch ist ein wesentliches Fundament in verschiedenen Ingenieurwissenschaften, deren Fachgeschichte und wissenschaftliche Systematik von Deutschen auf Deutsch geprägt wurden. Auch zeigt sich im Ausland durchaus ein wachsendes Interesse an der deutschen Sprache. Die Tongji-Universität in Schanghai zum Beispiel strebt einen immensen Ausbau an Studienplätzen im Fach Deutsch als Fremdsprache an. Natürlich weiß man auch in China um die Bedeutung des Englischen in Wissenschaft und Beruf, aber die Chinesen sehen auch, dass Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt eine Frage der persönlichen Bildung und damit der intellektuellen Bereicherung ist. Zwar ist die berufliche Perspektive beim Spracherwerb ungleich wichtiger geworden als noch vor Jahren, deshalb setze ich auch auf die beschriebene Fachsprachenausbildung. Dennoch sollte das Erlernen einer Sprache mehr sein als nur ein Mittel zum beruflichen Erfolg. Von ausländischen Studierenden weiß ich, dass sie Deutsch nicht nur wegen des Berufes lernen, sondern auch wegen der deutschen Kultur. Gerade an einer Universität muss dieses Verlangen befördert werden.

 

Das erklärt Ihre Arbeit an einem Kulturwörterbuch „Deutsch als Fremdsprache“?

Ja, dieses Kulturwörterbuch wird ein neuartiges Wörterbuch sein, das jenen Wortschatz führt, der für die deutsche Bildung und Kultur prägend ist – wie zum Beispiel Aufklärung, Bürgertum, Freiheit, Muttertag, Wald, Weihnachten. Wir werden deren kulturelle Bedeutung erklären und den historischen Hintergrund, aus dem sie erwachsen ist. In einem folgenden Schritt soll eine ganze Reihe zweisprachiger Kulturwörterbücher entstehen, als Erstes das deutsch-chinesische. Diese werden keine bloße Eins-zu-eins-Übersetzung sein. Vielmehr sollen sich darin die kulturellen Unterschiede spiegeln.

 

Können Sie das an einem Beispiel erklären?

Der Freiheitsbegriff zum Beispiel ist im deutschen Kontext ein anderer als im chinesischen. Wasser ist in der arabischen Kultur viel wichtiger als in unserer. Diese Differenzen werden im Wörterbuch erklärt. Innovativ wird das Kulturwörterbuch aber nicht nur hinsichtlich des ausgewählten Wortschatzes und dessen Erläuterung sein, sondern auch hinsichtlich seiner technischen Umsetzung. Es wird ausschließlich elektronisch zugänglich sein. So kann es sukzessive um andere Sprachen erweitert werden. Und mir schwebt vor, die Stichwörter mit Lerneinheiten zu verlinken.

Das Interview führte Sybille Nitsche

 

40 Jahre moderne Sprachen

„Deutsch und Englisch sind heute Lehr- und Studiersprachen, nicht nur an der TU Berlin. Hier brauchen Studierende außer allgemeinsprachlichen Fähigkeiten zunehmend auch fachsprachliche Kompetenzen, um an Lehre und Forschung adäquat zu partizipieren“, erklärt Dr. Almut Schön. Sie leitet die Zentraleinrichtung Moderne Sprachen (ZEMS) an der TU Berlin, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiert und aus diesem Anlass zu Festakt, Workshops und einer Feier mit Musik aus aller Welt einlädt. „Die ZEMS unterstützt die Internationalisierung der TU Berlin in einem wesentlichen Feld“, erläutert Almut Schön (Foto). „Ohne gute Sprachkenntnisse sind weder der erfolgreiche Studienabschluss noch internationale Forschung denkbar. Zudem spielen auf dem heutigen Arbeitsmarkt neben Englisch und Deutsch auch weitere Sprachkompetenzen eine wichtige Rolle.“ Die ZEMS bietet daher Spanisch, Französisch, Chinesisch, Russisch, Italienisch, Portugiesisch und Schwedisch an, speziell in „Deutsch als Fremdsprache“ auch in maßgeschneiderten Kursen. Rund 2000 Studierende nutzten das Angebot im Wintersemester 2014/15. Die Workshops des Jubiläums richten sich an Sprachlehrkräfte an Universitäten und ranken sich thematisch um Fragen wie „Was ist guter universitärer Fremdsprachenunterricht?“, „Wie können Neue Medien eingesetzt werden?“ oder „Wie wird selbstständiges Lernen im universitären Sprachunterricht gefördert?“. Am Festakt nehmen unter anderem die TU-Vizepräsidentin für Internationales und Lehrerbildung, Prof. Dr. Angela Ittel, sowie der ehemalige Vizepräsident der Zhejiang-Universität Hangzhou, Prof. Dr. Fan Jieping, teil.

Zeit: 24. April 2015, 10–18 Uhr
Ort: Hardenbergstraße 16–18, 10623 Berlin

www.zems.tu-berlin.de

"TU intern" April 2015

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.