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TU Berlin

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Forschung

Quo vadis, Uruguay?

Freitag, 16. Januar 2015

TU-Ökologen erforschen die Folgen des Nutzungswandels der Graslandschaften Südamerikas – zwei Millionen Euro vom BMBF

Das Ökologenteam will herausfinden, welche Auswirkungen die Aufforstungen mit Pinien auf die natürlichen Grasländer und die Viehwirtschaft haben und welche Risiken das für die Landwirte bereithält
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Ina Säumel sammelt Daten in Uruguay
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Während Fußballfans bei „Uruguay“ an Beißattacken und Romantiker an Gauchos zu Pferde denken, hat der Ökologe anderes im Sinn: das natürliche Grasland vor Ort. Denn das zählt zu den gefährdetsten Biomen weltweit. Doch von seiner Natürlichkeit ist nicht mehr viel übrig, gilt es doch als eine wichtige Landreserve für die landwirtschaftliche Produktion. Kein Wunder also, wenn allein die forstwirtschaftlich genutzte Fläche Uruguays mittlerweile 30-mal größer ist als vor 25 Jahren. Doch für diese Aufforstungen werden fast nur schnellwüchsige, nicht heimische Eukalyptus- und Pinus-Arten verwendet. Die ökologischen Folgen dieser Monokulturen sind allerdings kaum erforscht.

„Biodiversitätsforschung wird oft mit Artenschutz, der Etablierung von Schutzzonen für gefährdete Ökosysteme verbunden. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Biodiversitätspotenzial von Kulturlandschaften hingegen fehlen in Südamerika“, sagt Dr. Ina Säumel vom Fachgebiet Ökologische Wirkungsforschung und Ökotoxikologie von Prof. Dr. Stephan Pflugmacher Lima am Institut für Ökologie. Sie leitete die neue Nachwuchsforschungsgruppe „RuralFutures – Strategien für multifunktionelle, biodiverse und nachhaltig produktive Landschaften in forst- und landwirtschaftlich überprägten Grasländern in Uruguay“, die so bis 2019 zur landschaftsökologischen Grundlagenforschung beitragen wird. Mit der Unterstützung von deutschen und uruguayischen Forschungseinrichtungen, der uruguayischen Regierung, NGOs (Nichtregierungsorganisationen) sowie der Forst- und Landwirtschaft und einer Fördersumme von zwei Millionen Euro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ist das „RuralFutures“-Vorhaben für diese Aufgabe gut aufgestellt.

Das vorerst sechsköpfige Forscherteam wird ab März 2015 über Uruguay verteilt 30 Langzeit-Monitoring-Stationen einrichten, wo auf der Grundlage des Konzeptes der „Multifunktionalen und Nachhaltig Produktiven Landschaften“ die Folgen des Landnutzungswandels untersucht werden. „Zunächst wollen wir herausfinden, welche Auswirkungen die Aufforstungen auf die Grasländer haben“, erklärt die Ökologin. „Dann interessieren uns die Faktoren, die mit der Viehwirtschaft zusammenhängen. Also: Wie beeinflusst das Beweidungsmanagement die Aufforstung? Welche Risiken gibt es hierbei für Landwirte? Und natürlich: Wie kann so eine komplexe Kulturlandschaft biodiversitätsfreundlicher gestaltet werden?“ Aus den gesammelten Daten werden ein Monitoring- und Evaluierungssystem und eine Datenbank entwickelt, die auch nach dem Projektabschluss 2019 gepflegt werden – von Schülern uruguayischer Landschulen.

„Unser Projekt setzt auf neue Formen nachhaltiger Umweltbildung mittels der Methoden der sogenannten ,Citizen Science‘“, sagt Ina Säumel. „Wissenschaftliches Arbeiten mit Bioindikatoren wird dabei in den Bildungsplan von Grundschülern integriert. So lernen die Schüler, diese nicht nur zu messen, sondern auch kritisch zu bewerten.“ Wenn dies gelingt, wäre das „RuralFutures“-Projekt eine Rarität der Ökologie, denn Langzeitstudien werden heute nicht mehr finanziert.

Doch damit nicht genug: „Uns ist wichtig, dass wir am Ende unserer Untersuchung kein einfaches Greening-Programm diktieren, sondern unsere multifunktionellen Szenarien partizipativ mit allen Akteuren entwickeln“, so die ambitionierte Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe. Bleibt nur zu hoffen, dass die Uruguayer den Schritt von recht eindimensionalen hin zu multifunktionalen Produktionslandschaften wagen.

Katharina Severin, M. A.
Projektmanagerin Nachwuchsforschungsgruppe „RuralFutures“

"TU intern" Januar 2015

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