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TU Berlin

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Menschen

Flug zu den Sternen

Freitag, 12. April 2013

Mert ist mit elf Jahren der jüngste Schülerstudent der TU Berlin

Herzlichen Glückwunsch: Soeben hat Mert erfolgreich die Abschlussprüfung in einer Biologieveranstaltung bestanden
Lupe

Charles F. Bolden, Jr., wird sich vielleicht wundern, wenn in einigen Jahren ein junger Deutscher vor ihm steht, seine Mitarbeit im Projekt „Mars-Expedition“ für das Jahr 2030 anbietet und ihn an sein Versprechen erinnert. „I’ll keep a place for you“, hatte der NASA-Chef dem damals zehnjährigen Mert versprochen, „ich halte dir einen Platz frei.“

Anlässlich von Boldens Vortrag über die „Eroberung der Sterne“ an der TU Berlin im Mai 2012 hatte Mert ihn keck auf Englisch gefragt: „Wann fliegen denn die Menschen zum Mars? Kann ich mitkommen?“ Es war keineswegs die neugierige Frage eines durchschnittlichen Zehnjährigen, sondern eine ernst gemeinte Vorabbewerbung des hochbegabten Jungen, der bereits begonnen hat, das Vorhaben „Marsflug“ langfristig vorzubereiten. Über Astrophysik weiß er sowieso schon das meiste, nun studiert er als jüngster Schülerstudent an der TU Berlin die Grundlagen der Biologie, denn: „Studium ist spannender als Schule“, sagt Mert. In diesem Semester beschäftigt er sich mit Umweltmikrobiologie.

„Mit vier Jahren konnte Mert lesen und schreiben, er konnte die Uhr, beschäftigte sich mit dem System Wetter, mit Physik, Mathematik, mit Astronomiewissen rund um unser Sonnensystem. Wir wussten kaum, wie wir ihn ausreichend beschäftigen sollten“, erklärt Merts Mutter Yvonne, dass es keineswegs leicht sei, ein hochbegabtes Kind mit einem festgestellten IQ von 150 adäquat mit Wissen zu versorgen. Auch die Lehrer bemerkten frühzeitig, dass der deutsch-türkische Junge aus Glienicke/Nordbahn in der ersten Klasse fehl am Platze war. Er übersprang Klassen, erhielt Geigen-, Klavier- und Oboenunterricht, ist in einem Schach-Club, mit dem er bereits Meisterschaften gewann, nahm viermal am „Jugend forscht“-Wettbewerb teil, wo er unter anderem mit intelligenten Spielrobotern erste, zweite und dritte Plätze belegte. Neuerdings darf Mert sogar in dem „Education-Programm“ der Berliner Philharmoniker mitspielen. Am 21. April wird sein erstes Konzert unter Leitung von Sir Simon Rattle stattfinden.

Der normale Schulunterricht füllt Mert nicht aus, seine Eltern haben ihn daher in einem Hochbegabten-Förderverein angemeldet, den er wöchentlich besucht und der Lern-, Workshop- und Exkursionsangebote für besonders begabte Kinder macht. „Dort habe ich viele Freunde“, sagt Mert. „In der Schule gibt es nämlich auch schon mal Kinder, die einen hänseln oder als Streber ansehen.“ Das alte Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern“ scheint auch hier zu greifen. In einer Studie haben Forscher kürzlich festgestellt, dass begabte Schülerinnen und Schüler in speziellen Hochbegabtenklassen motivierter lernen und bessere Ergebnisse erzielen. Ein Grund dafür sei unter anderem wahrscheinlich die größere soziale Anerkennung, so die Würzburger Forscher.

Ein Glücksfall war der Hochbegabten-Förderverein für Mert allerdings auch noch in anderer Hinsicht. Denn dort traf er Dr. Franz-Josef Schmitt, der am TU-Institut für Chemie im Fachgebiet Bioenergetik als Postdoc arbeitet. Franz-Josef Schmitt engagiert sich in dem Verein bereits seit sechs Jahren ehrenamtlich. „Wie kann man zu den Sternen fliegen?“ heißt einer seiner Experimentalworkshops. In Exkursionen führt er die Kinder unter anderem auch an die TU Berlin. Dort blickte Mert auch zum ersten Mal durch das Teleskop der Astrophysik und war begeistert. „Mert kenne ich schon länger, er ist tatsächlich der Stärkste in dem Kurs und hat bereits ein breites Wissen“, sagt Franz-Josef Schmitt. Deshalb machte der junge Wissenschaftler den wissbegierigen Jungen auch auf das Schülerstudium an der TU Berlin aufmerksam.

„Eine Untergrenze bezüglich des biologischen Alters gibt es für unser Schülerstudium nicht“, sagt Claudia Cifire, die für das Programm „Studieren ab 16“ an der TU Berlin zuständig ist. „Es orientiert sich eher an der erforderlichen 10. Klassenstufe.“ Da Mert erst in der 7. Klasse ist, habe man ein Gespräch mit der Mutter geführt, bevor seine Teilnahme bestätigt wurde. „So verfahren wir immer bei besonders jungen Interessenten“, so Claudia Cifire. „Eine Teilnahme macht schließlich nur Sinn, wenn wir eine für den schulischen Kenntnisstand geeignete Lehrveranstaltung finden, was unterhalb der zehnten Klasse schwierig ist.“ Tatsächlich fand sich aber eine Grundlagenveranstaltung, die auch Merts Interesse entspricht. „Mert hat zwei Einführungsveranstaltungen in die Biologie besucht – einmal die für Umwelttechniker und einmal die für Lebensmitteltechnologen“, sagt Prof. Dr. Ulrich Szewzyk, der die Veranstaltung leitet. „Er stellte Fragen, hat eine Klausur geschrieben, wirkte keineswegs überfordert und wird auch von den älteren Studierenden akzeptiert.“ Die Klausurergebnisse kann sich Mert für ein mögliches späteres Studium an der TU Berlin anrechnen lassen. „Ich werde sicherlich versuchen, Mert für ein Studium an der TU Berlin zu motivieren“, so Franz-Josef Schmitt. „Es wird ja nur noch wenige Jahre dauern, bis er die allgemeine Hochschulreife erwirbt.“

Tatsächlich könnte das schneller gehen als erwartet. Mert selbst zielt auf ein Abitur mit 15 Jahren. Und noch ein paar Jahre später wird man dann vielleicht auch schon über den Flug zum Mars reden können.

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Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 4/2013

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