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TU Berlin

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Menschen

Juden in der Habsburgermonarchie

Freitag, 17. Februar 2012

Preis für Dissertation des Forschungskollegs „Antisemitismus in Europa“

In den 35 Jahren von 1879 bis 1914, vom ersten Auftauchen des Begriffs „Antisemitismus“ als politisches Schlagwort bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, wurde das Phänomen der Judenfeindschaft zu einem zentralen Problem der europäischen Geschichte. Neun Doktoranden aus ganz Europa untersuchen in einem internationalen Forschungskolleg am TU-Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) erstmalig die Entstehung des europaweiten Antisemitismus. Nun ist die erste Doktorarbeit veröffentlicht und fand sofort solche Resonanz, dass sie bereits ausgezeichnet wurde. Anfang Dezember erhielt Tim Buchen den Förderpreis des Botschafters der Republik Polen für seine Dissertation „Antisemitismus in Galizien. Agitation, Gewalt und Politik gegen Juden in der Habsburgermonarchie um 1900“. „Gerade in den osteuropäischen Ländern herrscht großer Nachholbedarf in der Forschung“, erläutert Prof. Dr. Ulrich Wyrwa, der zusammen mit Prof. Dr. Werner Bergmann das Kolleg leitet und die Arbeit betreut hat. „So stießen unsere Doktoranden mitunter auf Unverständnis und Widerstände, als sie je ein Jahr in ihren Heimatländern Material sammelten.“

Tim Buchen beschreibt in seiner Dissertation ausführlich Konfliktsituationen, die zusammen mit mikrohistorischen Fallstudien belegen, dass Antisemitismus nur wenig mit Nationalismus zu tun hatte. Er stellte nicht die praktische Umsetzung einer neuen Ideologie dar. Vielmehr wurden etablierte antijüdische Vorstellungen im Alltag situativ genutzt, nicht um Juden aus der Lebens- und Konsumwelt auszuschließen, sondern um sich materielle Vorteile zu verschaffen. Es war eine Zeit der gesamtstaatlich vorgegebenen Massenpolitisierung, polnische, ukrainische und jüdische Nationsvorstellungen wandelten sich, die katholische Kirche öffnete sich für gesellschaftliche Organisation in einer Umwelt, die sich auch ökonomisch veränderte. Die Studie untersucht die sozialen Prozesse, in denen sich antisemitische Sinnstiftung, Gewalt gegen Juden und antijüdische Politik im Reichsrat vollzogen.

Der mit insgesamt 4000 Euro dotierte Preis wird jährlich nach dem Urteil einer internationalen Fachjury für Arbeiten zur polnischen Geschichte und Kultur sowie zu den deutsch-polnischen Beziehungen verliehen. Er wurde von der polnischen Botschaft und dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften 2008 ins Leben gerufen.
Dass das Thema des Forschungskollegs in Expertenkreisen für außerordentlich wichtig befunden wird, zeigt auch der jüngste Erfolg des ZfA. Die Einstein-Stiftung Berlin bewilligte im November 2011 das Nachfolgeprojekt, das die Weiterentwicklung des europäischen Antisemitismus bis hin zu hemmungsloser Gewaltpolitik und Holocaust in den Jahren nach 1914 betrachtet (siehe TU intern 12/11).

http://zfa.kgw.tu-berlin.de/projekte/europa.htm

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 2/2012

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