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TU Berlin

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Internationales

Richtig ausgebildet fürs eigene Land

Montag, 14. Juli 2008

Potenzial ausländischer Studierender besser für entwicklungspolitische Ziele nutzen

International
Zukünftige IT-Lehrerinnen und -Lehrer für Afghanistan mit Bachelorabschluss machen in Berlin ihren Master
Lupe

"Sie gehen nach dem Studium nach Kanada, in die USA oder in andere westliche Industrieländer. Damit ist das Potenzial der auf Kosten der deutschen Steuerzahler studierenden jungen Leute aus den armen Ländern Afrikas und teilweise auch Asiens für uns verloren, genauso wie für ihr eigenes Land", sagt Dr. Nazir Peroz.

"Das muss anders werden." Nazir Peroz ist Leiter des Zentrums für internationale und interkulturelle Kommunikation (ZiiK) der TU Berlin, angesiedelt an der Fakultät IV Elektrotechnik und Informatik. Schuld an dieser Situation sei nicht etwa das mangelnde Interesse der ausländischen Studierenden an Deutschland oder gar an ihren Heimatländern. Das Problem sind sowohl das deutsche Zuwanderungsgesetz, das es den Absolventen schwer macht, nach dem Studium in Deutschland zu bleiben, als auch die Tatsache, dass sie mit dem hier Gelernten in ihren eigenen Ländern kaum etwas anfangen können, weil dort die entsprechende Infrastruktur fehlt.

"Um dieses Potenzial für Deutschland zu retten - egal ob sie hier arbeiten oder, durch ihre jahrelange Beziehung zu uns, als Brückenpfeiler und Botschafter in ihren eigenen Ländern die Gemüter und die Märkte für Deutschland öffnen", so Peroz, "müssen wir ihnen sowohl hier ein spezifisches Curriculum bieten als auch, in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe und dem Auswärtigen Amt, Stipendien anbieten, die sie nach dem Studium darauf festlegen, ihr Wissen den Heimatländern zur Verfügung zu stellen. Auch andere Rückkehranreize wären denkbar. Gerade die Botschaften der Länder können Arbeitsplätze in den Herkunftsländern für ihr fachqualifiziertes Personal aus Deutschland organisieren."

Die Fakultät IV hat begonnen, solche Curricula zu entwickeln. Die TU Berlin - durch ihren hohen Ausländeranteil von rund 20 Prozent dafür prädestiniert - könne sich damit bundesweit ein einmaliges Profil schaffen, so Peroz. Sie würde damit die entwicklungspolitischen Ziele Deutschlands für diese Länder bedarfsgerecht und nachhaltig unterstützen.

Dass das funktionieren kann, weist die Fakultät IV derzeit durch ein ähnliches Projekt nach, das sich auf die Studierenden aus Afghanistan konzentriert. Mit Unterstützung der Weltbank wurden zwei Programme entwickelt: ein Bachelor in Afghanistan mit anschließendem Master in Deutschland. Wichtig bei der Gestaltung des Curriculums sei, dass der Kontakt zum Heimatland nicht abreißt. "Deshalb wurde ein im Heimatland zu absolvierendes Semesterprojekt integriert: in diesem Fall der Aufbau von IT-Technologie an verschiedenen Universitäten Afghanistans. Danach müssen die Studierenden dann wieder in Deutschland ihre Masterarbeit verteidigen." Vier Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter und sechs Tutorenstellen finanziert die Weltbank für dieses Projekt innerhalb der nächsten zwei Jahre. Die angepassten Curricula werden in Zusammenarbeit mit den hiesigen Fachvertretern erarbeitet, und zwar auf vier Spezialgebieten: Software-Engineering, Datenbank- und Informationssysteme, Betriebs- und Kommunikationssysteme sowie Informatik und Gesellschaft. Später sollen weitere hinzukommen. Die ersten 25 Bachelorabsolventen aus Afghanistan sind inzwischen hier eingetroffen und haben, nach zweimonatiger intensiver Vorbereitung in Kabul, im April mit der Masterausbildung an der TU Berlin begonnen. Die Kontakte insbesondere im Rahmen der verschiedenen Praxisprojekte, vor allem vom DAAD unterstützt, hat Nazir Peroz, selbst gebürtiger Afghane, seit vielen Jahren aufgebaut. Ein Konzept auch für andere "arme Länder", insbesondere afrikanische, liegt inzwischen vor.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 7/2008

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