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TU Berlin

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Innenansichten

Befreiung aus dem Schattendasein

Montag, 19. November 2012

TU-Bildungsmanagerin entwickelt zusammen mit dem VDI einen Modulkatalog für den technischen Schulunterricht

Schüler beim naturwissenschaftlich-technischen Unterricht in der Lise-Meitner-Oberschule
Lupe

Unsere Zivilisation ist eine technische geworden. Die Technik durchdringt fast alle Lebensbereiche: Medizin, Energie, Umwelt, aber auch Kunst und Kultur. Die jungen Menschen müssen heute nicht nur damit umgehen können, sie sind es auch, die schon jetzt und in Zukunft politisch darüber abstimmen, welchen Weg die Gesellschaft weiter geht. „Dazu ist Sachkenntnis erforderlich“, sagt Dipl.-Ing. Siegfried Brandt, Vorstandsmitglied und ehemaliger Vorsitzender des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des Vereins Deutscher Ingenieure e.V. (VDI), „wir brauchen also dringend technische Bildung schon in der Schule!“ Doch der schulische Technikunterricht führt bundesweit ein Schattendasein, es fehlen ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer sowie Rahmenpläne, die Licht ins Dunkel bringen.

Abhilfe verspricht ein Modulkatalog für den technischen Schulunterricht, den die ehemalige TU-Studentin Antje Romeike im Rahmen ihrer Master-Arbeit im TU-Master-Studiengang Bildungswissenschaft, der bis 2010 Bildungsmanagement hieß, im Auftrag des VDI entwickelt hat. Er soll nun von der Senatsverwaltung für Jugend, Bildung und Wissenschaft veröffentlicht und an den Schulen verteilt werden. Wissenschaftlich betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Angela Ittel, Leiterin des TU-Fachgebiets Pädagogische Psychologie am Institut für Erziehungswissenschaft, Fakultät I Geisteswissenschaften.

In den letzten Jahren sei der technische und naturwissenschaftliche Unterricht dramatisch reduziert worden, kritisierte der VDI in einer Studie. Es fehle auch eine bundesweit harmonisierte Bildungspolitik, schon um Mobilität zu unterstützen, auch zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg. Was die schulische Technikbildung angeht, zeigt die bundesrepublikanische Schullandschaft einen bunten Flickenteppich: An Gymnasien existiert lediglich in Mecklenburg-Vorpommern ein eigenständiges Fach Technik für die 5. und 6. Klasse, an Gesamtschulen nur in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen bis zur Sekundarstufe II. In Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein gibt es in keiner Klassenstufe und keinem Schultyp ein eigenständiges Fach Technik. Immerhin hatte die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung unter Senator E. Jürgen Zöllner die Einführung des Faches „Wirtschaft – Arbeit – Technik – WAT“ für die Berliner Integrierten Sekundarschulen beschlossen. Dieses ist aber noch nicht mit entsprechenden Curricula und Handreichungen für die Lehrerschaft hinterlegt. Diese Lücke will der Modulkatalog von Antje Romeike füllen. Er bietet Übungen, Arbeitsblätter und Unterrichtsideen zum Thema „Regenerative Energien“ für Lehrerinnen und Lehrer. „Sowohl mit dem Berliner Senat als auch mit dem Brandenburger Bildungsministerium haben wir Kooperationsvereinbarungen geschlossen und unsere Unterstützung der Schulen zugesagt“, so Siegfried Brandt. „Denn so gut gemeint und hoch qualifiziert viele außerschulische Aktivitäten auch sind, sie dürfen nicht dazu dienen, die Schulverwaltung von der Verantwortung zu entlasten, Konzepte für qualifizierten Unterricht zu entwickeln.

Fünf Kompetenzziele für den Technikunterricht

Auch die Lehrerbildung muss in diesem Fach forciert werden.“ Oft nämlich werden technische Themen aus Mangel an Fachlehrkräften auch von fachfremden Lehrern unterrichtet. Um das Thema jedoch in die Schulen zu bekommen, bedarf es neben dem technischen Know-how auch eines pädagogischen Konzeptes. So kam es zu der intensiven Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Psychologie der TU Berlin und zur Entwicklung des Modulkataloges von Antje Romeike. „Auf diese Weise bleibt der Kooperationsvertrag kein Papiertiger“, freut sich der Ingenieur Siegfried Brandt, „wir haben ihn mit Leben gefüllt.“ Der Modulkatalog unterstützt auch ein Konzept, das unter anderem fünf Kompetenzziele für einen technikorientierten Unterricht präzisiert: Technik verstehen (Zielorientierung und Funktionen, Begriffe, Strukturen, Prinzipien der Technik kennen und anwenden), Technik konstruieren und herstellen (planen, entwerfen, fertigen, testen), Technik nutzen (Lösungen auswählen, fach- und sicherheitsgerecht anwenden, entsorgen), Technik bewerten (Einschätzungen unter historischer, ökologischer, wirtschaftlicher, sozialer sowie humaner Perspektive), Technik kommunizieren (Informationen sach-, fach- und zielgruppengerecht erschließen und austauschen). Diese Kompetenzen sollen eingebettet werden in die Handlungsfelder „Arbeit und Produktion“, „Bauen und Wohnen“, „Transport und Verkehr“, „Versorgung und Entsorgung“, „Information und Kommunikation“, „Haushalt und Freizeit“.

„Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit dem VDI,“ so Angela Ittel. Sie stellt den gesellschaftspsychologischen Aspekt dar: „Denn um technische Bildung in den Schulen fest zu verankern, muss sich ihr Ansehen so wandeln, dass die Erlangung dieser Kompetenzen überhaupt erstrebenswert ist, parallel zum humanistischen Bildungsideal.“ Die Jugend sei nicht „per se“ technikfeindlich, führt sie aus. „Doch Technik ist zunehmend hoch spezialisiert, sie eilt uns voraus und die Gesellschaft ist nicht so schnell, ihre Entwicklungen angemessen zu kommunizieren und Multiplikatoren auszubilden.“ Doch Eile ist geboten. „Aktuell fehlen etwa 70 000 Ingenieure in Deutschland, damit gehen der deutschen Wirtschaft etwa acht Milliarden Euro an Wertschöpfung jährlich verloren“, rechnet Brandt vor.

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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