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TU Berlin

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90 Jahre Gesellschaft von Freunden der TU Berlin

Aus der Not geboren zum Wohl der Universität

Montag, 18. Juni 2012

Eine Annäherung an die Historie der „Freunde“ zum 90. Jubiläum

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Seit Jahrzehnten ist die „Gesellschaft von Freunden der TU Berlin“ für die Universität aktiv. Am 22. Juni 2012 feiert sie ihr 90. Jubiläum. Doch am Anfang stand eine Katastrophe. „Wo aber Gefahr ist“ – so ein Dichterwort –, „wächst das Rettende auch!“

Was war geschehen? November 1918 – die Weltkriegsniederlage brachte für Deutschland eine Zeit größter materieller Not. Das staatliche Finanzierungssystem brach zusammen und eine schleichende Geldentwertung begann. Auch Universitäten und Hochschulen waren „notleidend“. Auf Initiative Rudolf Rothes, Rektor und Mathematik-Professor der TH Berlin, der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, bildete sich im Dezember 1921 ein Ausschuss. Dessen Zweck war es, eine Gesellschaft zu gründen, die der TH moralisch und materiell in dieser Finanznot helfen sollte, den Hochschulbetrieb bestmöglich fortzuführen. Am 18. Januar 1922 – dem Jahrestag der Reichsgründung von 1871 – wurde Ernst von Borsig zum ersten Vorsitzenden gewählt. Am 22. Juni 1922 – also vor 90 Jahren – fand die erste Mitgliederversammlung der „Gesellschaft von Freunden der TH Berlin“ statt. Zu den ersten Mitgliedern gehörten neben Industriellen wie von Borsig auch Walther Rathenau, Franz Oppenheim, Hugo Stinnes sowie Akademiker und Hochschullehrer wie die Professoren Erwin Hilger, Friedrich Romberg, Georg Schlesinger und Walter Reichel. Im August 1922 hatte die Gesellschaft 332 Mitglieder, davon 139 fördernde. Das Vermögen belief sich auf fünf Millionen Mark Papiergeld. Allerdings begann im Januar 1923 die Hyperinflation, und das Vermögen schmolz bis August auf einen Gegenwert von fünf Goldmark oder einem Dollar. Damit gerieten die „Freunde“ selbst in Not. Zwei engagierte TH-Professoren – Friedrich Romberg, seit 1923 Geschäftsführer, und Ewald Hilger, seit 1926 Vorsitzender – schlugen einen erfolgreichen Sanierungskurs ein. Die Ausgaben wurden minimiert, bis ein Vermögensstock von 100 000 Reichsmark angesammelt war. Ab 1928 konnte die Gesellschaft ihrem satzungsmäßigen Ziel, Projekte der TH zu fördern, wieder nachkommen. So, wie das Gesellschaftskapital bis 1932, dem 10. Gründungsjubiläum, auf 179 000 Reichsmark anstieg, so wuchs auch der Freundeskreis auf 819 Mitglieder. Jährlich informierte eine Publikation über Vortragsabende mit bedeutenden Wissenschaftlern wie Prof. Götz Briefs, Prof. Georg Schlesinger oder dem Archäologen Daniel Krencker. Außerdem berichtete sie über die Beträge, die für Forschungszwecke, für die Studentenschaft oder für das akademische Fliegerkorps ausgegeben worden waren. Gefördert wurde unter anderem das Projekt des Elektronenmikroskops der Arbeitsgruppe um Ernst Ruska, der später dafür den Nobelpreis bekam. Alles schien bestens. Doch eine Veränderung war seit 1932 bemerkbar: Eine neue Frakturtypografie im Festredenteil begleitete den immer stärker werdenden deutschnationalen Ton. Hitlers Machtantritt ging nicht spurlos an der Gesellschaft der Freunde vorüber. Einige Namen von Menschen jüdischer Herkunft verschwanden. Und seit 1933 machte sich ein „unerklärlicher“ Rückgang an Mitgliedern bemerkbar. Heute kennen wir die Ursache – ein Teil der politisch und „rassisch“ Unliebsamen musste aus dem Gesellschaftsleben ausscheiden. Am 20. August 1934 starb Ewald Hilger, der „demokratische Aristokrat“, und damit siegte die rigorose Gleichschaltung auch der „Gesellschaft von Freunden“. Ihr Journal zeigte ein immer schizophrener werdendes Bild. Einerseits dominierten die Verfechter der NS-Wissenschaftsideologie, die Lobredner der „Wehrtechnischen Fakultät“ und der Synthese von Soldaten- und Technikertum. Andererseits versuchten einige Wissenschaftler und Ingenieure ihren Ruf, allein der Forschung verpflichtet zu sein, aufrechtzuerhalten. 1945 kam das Ende mit Schrecken. Die alte TH war tot und die „Gesellschaft von Freunden“ wurde von den Alliierten aufgelöst.

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Am 11. Mai 1949 gründete sich die „Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e.V.“. Sie widmete sich jetzt verstärkt der geistigen Verelendung während der NS-Zeit und hatte ein neues Programm, das sich im Titel ihrer neuen Publikation „Humanismus und Technik“ widerspiegelte. Das Journal erschien von 1953 bis 1997. Es enthält den fortgesetzten Dialog darüber, was die „Technische Universität“ in einer demokratischen Gesellschaft bestimmt. Während der Studentenrevolte 1967/1968 konnte beispielsweise Ewald Graßmann, Geschäftsführer der Gesellschaft, vermittelnd wirken. Die moderne Massenuniversität erweiterte dann die Aufgaben der „Gesellschaft von Freunden“ mannigfaltig und das 75. Jubiläum 1997 galt als „dritte Gründung“. Seitdem verstärkt sich auch die Kommunikation mit der Industrie. Zahlreiche Preise, die für herausragende Leistungen vergeben werden, werden heute durch Spenden der Wirtschaft finanziert. Im 21. Jahrhundert ist die „Gesellschaft von Freunden e.V.“ ein Akteur, der zum Nutzen der TU Berlin Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Medien zusammenführt.

www.freunde.tu-berlin.de

 

Mittlerweile haben die „Freunde“ acht „Think-Thank“-Veranstaltungen mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft organisiert (links). Hochrangige Gäste wie der Direktor des Frankfurter Max-Planck-Instituts für Hirnforschung, Prof. Dr. Wolf Singer (Mitte),
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Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 6/2012

Preise der „Freunde“

Preis für vorbildliche Lehre
4000 Euro, seit 2010 jährlich verliehen zur Förderung neuer Ideen und Erfolge in der Lehre

BDO-Preis
3000 Euro, seit 1990 (Hamburger BDO Deutsche Warentreuhand AG) für exzellente Arbeiten in der Betriebswirtschaftslehre verliehen

Drees & Sommer Preis
2500 Euro, seit 1999 (Drees & Sommer AG, Stuttgart) für hervorragende Studien- und Forschungsleistungen auf den Gebieten der Projektentwicklung sowie des Projekt- und Facility-Managements an der TU Berlin verliehen

Philotherm-Preis
seit 1992 (Philotherm-Stiftung), jährlich verliehen für überdurchschnittliche Prüfungsleistungen von Studierenden im Fachgebiet Thermodynamik

Preis der Franzke'schen Stiftung
3000 Euro (Franzke'sche Stiftung), alle zwei Jahre verliehen für eine herausragende Dissertation, die geistes- und sozialwissenschaftliches mit natur- und technikwissenschaftlichem Denken verbindet

Dr.-Ing. Ernst Trapp Preis
5000 Euro (Trapp Construction International GmbH), für herausragende Diplomarbeiten im Bau- und Wirtschaftsingenieurwesen (Bau)

Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 6/2012

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