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TU Berlin

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Smartphones: Lieber up to date als länger haltbar?

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Medieninformation Nr. 259/2019

Lange Haltbarkeit wird zwar als Kaufargument angegeben – aber dann nicht ausgenutzt, so eine Studie der TU Berlin

Gründe für den Neukauf eines Smartphones
Lupe

Mit zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken zählen jedes Jahr Smartphones, Haushaltsgeräte oder Elektronikartikel. Vor allem bei Geschenken aus dem Entertainmentsektor oder der Informations- und Kommunikationstechnologie ersetzt das neue Gerät dabei ein noch funktionsfähiges Gerät. Der Kauf ist nicht aus der Notwendigkeit begründet, ein funktionierendes Gerät zu benutzen, sondern daraus, sich und seinen Liebsten etwas Gutes zu tun. Da ist das Neueste vom Neuen gerade gut genug. Welchen Einfluss Konsumgewohnheiten auf die Überlebensdauer der Geräte haben, wie wichtig lange Haltbarkeit von Gebrauchsgegenständen im Vergleich zum neuesten technischen Stand ist und welche Rolle die Reparatur von Geräten spielt, damit hat sich eine aktuelle Umfrage beschäftigt. Durchgeführt wurde diese Studie von der TU Berlin und dem Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration unter der Leitung von Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben, Fachgebiet Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung in der Elektronik. Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage wurden 1000 Personen ab 18 Jahren in persönlichen Interviews befragt. 

„Grund für den Neukauf ist in vielen Fällen nicht das kaputte Altgerät: 67 Prozent der Befragten kaufen ein neues Smartphone und 35 Prozent eine neue Waschmaschine, obwohl das alte Gerät noch funktioniert. Vor allem bei Smartphones gibt es den starken Wunsch, immer up to date zu sein, und die Verlockung vieler neuer Angebote“, so Melanie Jaeger-Erben. Der Nachteil: Moderne Elektronikgeräte werden mit einem hohen Einsatz von Ressourcen und einem erheblichen Ausstoß von Emissionen hergestellt. Je länger sie leben, desto eher rechtfertigen sich diese ökologischen Kosten, desto besser ist die Ökobilanz eines Geräts. Werden Konsument*innen nach ihren Einstellungen und Absichten gefragt, so gibt es durchaus Anlass zur Hoffnung für die Ökobilanz, denn Geräte möglichst lange zu nutzen, ist sozial absolut erwünscht.

„Mit 67 Prozent fühlt sich das Gros der Bevölkerung verpflichtet, Geräte möglichst lange zu nutzen. 73 Prozent wollen damit einen Beitrag zur Umwelt leisten und 57 Prozent der Befragten hält Langlebigkeit von Geräten für einen wichtigen gesellschaftlichen Wert“, so die Wissenschaftlerin. Einen kleinen Trend in Richtung längerer Nutzung konnten die Wissenschaftler*innen auch feststellen: So zeigt ein Vergleich mit einer Befragung der TU Berlin von 2017, dass sich die Nutzungsdauer von Smartphones leicht erhöht haben. Wurde ein Smartphone in 2017 noch im Schnitt 2,3 Jahre genutzt sind es nun 2,7 Jahre. „Aber: In der materiellen Kultur unserer Gesellschaft hat Neuheit einen hohen Wert“, weiß Melanie Jaeger-Erben. Ein Trend, der in der Forschung als „Newism“ bezeichnet wird. „Viele halten den rasanten Technologiewandel für unvermeidlich und durch die neuesten Geräte können Menschen zeigen, dass sie mithalten können. Diese Orientierung wird durch strukturelle Erleichterungen für den Neukauf und Hemmnisse für die Verlängerung der Nutzung noch verstärkt.“ Der Kontext der Handlung und strukturelle Bedingungen entfalten hier einen großen Einfluss: Welche Handlungsweisen werden erleichtert, welche erschwert? Ein neues Smartphone ist beispielsweise bei 37 Prozent der Befragten als Teil eines Vertrags mit dem Netzbetreiber zur Verfügung gestellt worden, ein Drittel hat sich durch ein günstiges Angebot zum Neukauf motivieren lassen.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft noch eine große Lücke. Geräte lange zu behalten und zu nutzen, kann als soziale Norm bezeichnet werden, die aber persönlich noch nicht häufig genug umgesetzt wird. Als vorläufiges Fazit betont Melanie Jaeger-Erben: „Um einen nachhaltigeren Konsum von Elektronikgeräten zu fördern, braucht es keine Appelle an das Gewissen oder Verantwortungsgefühl. Vielmehr gilt es, die Handlungskosten für längere Nutzungsdauern zu verringern. Die Erleichterung von Reparatur sowie bessere und praktischere Möglichkeiten der Pflege und Wartung sind zwei Möglichkeiten unter vielen, Hemmnisse abzubauen und die Wertschätzung des Gebrauchten zu erleichtern.“
 
Mehr Informationen: https://challengeobsolescence.info/en/2019/12/11/nutzungsdauern-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit-erste-ergebnisse-einer-neuen-oha-befragung/

kj

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben
TU Berlin
Fachgebiet Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung in der Elektronik
Tel.: 030 46403 206

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