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TU Berlin

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Riss in der Ordnung

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Medieninformation Nr. 177/2017

Tourismusforschung über das Reisen als Privileg bis zum modernen Massentourismus

Billigflieger bringen heute Millionen Touristen in alle Welt. Das Reisen ist, zumindest für die Menschen in den Industrieländern, zur Selbstverständlichkeit geworden. Wie sich das Reisen von antiken Wanderungen über das Reisen als Privileg der Betuchten bis hin zum Massentourismus entwickelte hat, erforscht Prof. Dr. Hasso Spode, Historiker und Leiter des historischen Archivs zum Tourismus der TU Berlin (HAT), das mehr als 600 Regalmeter an gedruckten und ungedruckten Materialien zum Thema umfasst und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Das Phänomen „Reisen“ ist schon seit Jahrhunderten Thema auch in der Literatur. Von den „Brot und Spielen“ der Antike, über das „süße“ Nichtstun adeliger Gesellschaften und die systematische „Kraft durch Freude“-Bewegung im Nationalsozialismus bin hin zum Massentourismus unserer Zeit. Der Aufstieg des Massentourismus begann 1911, als in Berlin die erste Touristikmesse der Welt ihre Pforten öffnete. Freilich blieb das Reisen zum Vergnügen noch lange das Privileg der Betuchten. 1960 erschien die erste Doktorarbeit zum Tourismus, heute hat der massenhafte Facebook-Post die Ansichtskarte ersetzt.

Tourismusforscher Prof. Dr. Hasso Spode, Leiter des weltweit einzigartigen Historischen Archivs zum Tourismus (HAT) an der TU Berlin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung des Tourismus und ist Herausgeber mehrerer Fachzeitschriften zum Thema. Wie sich der Begriff „Freizeit“ im Laufe der Zeit wandelte – nämlich von der antiken Muße über den Gegenbegriff zur kapitalistisch-industriellen Arbeit bis zum Ausdruck der heutigen Freizeit- und Spaßgesellschaft – das hat Hasso Spode in seiner neuen Publikation „Riss in der Ordnung – Freizeit und Freizeitforschung aus historischer Sicht“ ausführlich dargestellt.

Sein Fazit: Freizeit ist ein Riss in der Ordnung von Zeit und Raum, ein Fest, ein Spiel, eine Auszeit. Freizeit sei, soziologisch gesehen, als Erstes nicht zum Adel gekommen, sondern zu den Unterschichten. Im langen Übergangsprozess vom Mittelalter zur Moderne wurden Spiel und Fest Schritt um Schritt säkularisiert, pazifiziert, technisiert, kommerzialisiert und bürokratisiert. Die Verwendung der „freien Zeit“ war und ist dabei ein Kampfplatz der moralischen Deutungshoheit über das „rechte Leben“ – heute regiert von den „Götzen“ Gesundheit, Nachhaltigkeit und Sicherheit.

Das Tourismusarchiv der TU Berlin (HAT) wird gemeinsam vom Center for Metropolitan Studies und dem Zentrum für Technik und Gesellschaft der TU Berlin getragen und von der Willy-Scharnow-Stiftung für Touristik, Frankfurt a.M., kofinanziert. Es ist für Interessierte nach Vereinbarung geöffnet:

TU Berlin
Tourismusarchiv
Hardenbergstraße 16–18
10623 Berlin
hist-soz.de/hat/archiv.html
 
Hasso Spode
Riss in der Ordnung – Freizeit und Freizeitforschung aus historischer Sicht (in: Resonanzen: Freizeiten, Wien 2017)

pp

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Hasso Spode
TU Berlin
Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik
Center for Metropolitan Studies
Tel.: 030/314-28329

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