direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Das Interview als bunte Kugel

Freitag, 24. November 2017

Medieninformation Nr. 205/2017

Neue Technologien für die geisteswissenschaftliche Forschung

Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Anne Luther entwickelte „The Entity Mapper“, eine Software, die geisteswissenschaftliche Daten sichtbar macht.
Lupe

Es sieht aus wie ein Computer-Spiel: Bunte Kugeln, kleine und große, bewegen sich auf dem Bildschirm hin und her. Sie sind durch Linien vielfältig miteinander verbunden. Doch es handelt sich um ein Werkzeug für Geisteswissenschaftler. Hinter jeder Kugel verbirgt sich ein Datensatz: Informationen wie Interviews, Notizen, Fotos und Filme aus Feldforschungen geisteswissenschaftlicher Projekte. Die Software „Entity Mapper“ ist Vorreiter für neue digitale Werkzeuge, die entwickelt werden, um einen innovativen Schwerpunkt in den Digital Humanities an der TU Berlin zu setzen.   

Entwickelt hat die Software die Kulturwissenschaftlerin Dr. Anne Luther, die an dem umfangreichen TU-Verbundprojekt „translocations“ der Leibniz-Preisträgerin und Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy assoziiert ist, das sich mit der Erforschung der Herkunft von Kunst- und Kulturgegenständen beschäftigt.

„The Entity Mapper‘ ist ein Analyse-Werkzeug, eine Software, mit der Geisteswissenschaftler nun visuell interagieren können, um neue Erkenntnisse ihrer Forschung in voller Komplexität darstellen und auch austauschen zu können“, sagt Anne Luther. „Um den Austausch zwischen den Forschenden zu gewährleisten, war mir von vornherein wichtig, dass es eine Open Source-Software werden musste.“  

„The Entity Mapper“ ist Vorreiter für die interdisziplinäre Entwicklung weiterer methodischer Werkzeuge, mit denen man die Verlagerungen durch Kriege, Verkäufe oder koloniale Übernahmen, also Translokationen von Kulturgütern, digital erschließen kann. So können zum Beispiel Zeitstrahlen erstellt werden, die Verschiebung von Grenzen sichtbar gemacht werden, was wiederum erlaub die internationale Verlagerung von Kulturgütern zu verfolgen, die Inhalt des gesamten Clusters ist. Die Entwicklung des innovativen Schwerpunkts der Digital Humanities an der TU Berlin wird dabei gefördert durch die Vernetzung mit dem mediaLab an der SciencesPo in Paris und dem Center for Data Arts in New York.

Digitales „Erweckungserlebnis“ in den USA

 „Ich gehöre zur Generation der ‚Digital Natives‘“, erklärt Anne Luther, selbst Geisteswissenschaftlerin, die Anfänge ihrer Ideen, „und mir fehlten in meiner Wissenschaft neue Technologien und digitale Werkzeuge für die Analyse, Visualisierung und die interdisziplinäre Vernetzung der komplexen Daten, die unsere Feldforschung in den Kunst- und Kulturwissenschaften, den Sozialwissenschaften, der Geschichte, der Psychologie und anderen Disziplinen liefert.“

Nach ihrem Studium in Deutschland und England promovierte sie am Central Saint Martins College of Art and Design, der University of the Arts in London. Während ihrer Feldforschung über den New Yorker Kunstmarkt erhielt sie ein Forschungsstipendium am Center for Data Arts, The New School, in New York im Bereich ‚Software Engineering and Design‘. „Was ich dort vorfand, war wie ein Erweckungserlebnis“, sagt sie. Die Forschung in den USA sei in der Technologieentwicklung für die Visualisierung von digitalen Daten ein etabliertes und innovatives Feld. „Als man mich fragte, welches Produkt ich entwickeln möchte, war mir sofort klar: Eine Software zur Visualisierung und Analyse von qualitativen Daten, wie Interviews, Transkripte, Bilder oder Videos.  So entstand ‚The Entitiy Mapper‘“.  
 
Gemeinsam mit dem Programmierer Noah Pedrini und der Designerin Ann Yi begann sie, eine Software zur Visualisierung qualitativer Daten aus der Feldforschung über den Kunstmarkt zu konzipieren. „Wichtig war mir von Anfang an, dass Forscherinnen und Forscher aus aller Welt Zugriff auf den Quellcode der Software haben sollten, um global und interdisziplinär kooperieren und Zusammenhänge herstellen zu können, die ohne die neue Visualisierungssoftware gar nicht zutage kommen. So habe ich mich für ein Open Source-Programm entschlossen.“ Die von Anne Luther entwickelte Software visualisiert Datensätze, die mit der Software „Atlas.ti“ zuvor analysiert wurden, die der qualitativen Analyse von Text-, Grafik, Audio und Video-Daten dient und von einem TU-Alumnus, Prof. Dr. Thomas Muhr entwickelt wurde. Eine bekannte und leicht zugängliche Software als Grundlage zu benutzen, war Anne Luther ebenfalls wichtig, um möglichst vielen Forschenden die Möglichkeit zu geben, sich ohne Hürden in das Netzwerk einbringen zu können.

Anne Luther wird in den kommenden Monaten in New York am Forschungszentrum Center for Data Arts an der New School weiterforschen, um von dort aus die Kooperation mit dem „translocation“ Cluster am Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne an der TU Berlin weiter voranzutreiben.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=V407KGazq1M

pp

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Dr. Anne Luther
Center for Data Arts – The New School
Tel.: +1 917 525 8720


anneluther.info

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.