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TU Berlin

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Hauptstadt und Diktatur

Donnerstag, 25. August 2016

Medieninformation Nr. 131/2016

Städtebau in Berlin, Rom, Lissabon, Moskau und Madrid / Einladung zur Ausstellungseröffnung am 2. September 2016

Anlässlich des 70. Geburtstags von Harald Bodenschatz eröffnet der Werkbund Berlin die Ausstellung „Hauptstadt und Diktatur“ mit 20 Fotos des ehemaligen Professors für Planungs- und Architektursoziologie an der TU Berlin. Das gleichnamige Buch mit Beiträgen von Thomas Flierl, Tilman Harlander, Christian von Oppen und Max Welch Guerra wird zur Eröffnung vorliegen.

Wir möchten Sie zu dieser Veranstaltung herzlich einladen:

Ausstellungseröffnung
Zeit:
 2. September 2016, 19.00 Uhr
Ort:
 Werkbund Galerie, Goethestraße 13, 10623 Berlin

Die Ausstellung ist bis zum 30. September 2016, Montag bis Freitag, von 15.00 bis 18.00 Uhr zu sehen.

Prof. Dr. Harald Bodenschatz begann bereits in den 1980er Jahren den Städtebau europäischer Diktaturen zu untersuchen. Zunächst einmal ging es um die Zeit der NS-Herrschaft. Hinzu kam Anfang der 1990er Jahre die Periode der Sowjetunion unter Stalin, im folgenden Jahrzehnt das faschistische Italien. Als 2011 der Band „Städtebau unter Mussolini“ erschien, konnte als neuer Stand der Diskussion festgehalten werden, dass es zwischen diesen drei Diktaturen ein intensives Verhältnis des gezielten fachlichen Austausches, der stillschweigenden Nachahmung und der offenen Konkurrenz bestand.

Mit diesen Untersuchungen hat Harald Bodenschatz aber auch die Koordinaten der herkömmlichen international ausgerichteten Forschung durchbrochen. Während die angelsächsisch dominierte Planungshistoriographie zumeist nach Städtebau-Innovationen in den führenden kapitalistischen Ländern und ihrer Diffusion sucht, konfiguriert die Frage nach dem Städtebau der Diktaturen eine andere Geographie. Das englischsprachige Europa gerät in den Hintergrund, unterdessen werden auch fachlich als peripher erachtete Länder im Westen und Osten des Kontinents zum Gegenstand erhöhten Erkenntnisinteresses.

Harald Bodenschatz lehrte bis 2011 an der TU Berlin. Zurzeit leitet er das DFG-Projekt „Städtebau unter Franco und Salazar, Stadtproduktion iberischer Diktaturen im europäischen Kontext”, das im April 2014 startete und am Center for Metropolitan Studies der TU-Berlin angesiedelt ist.

Städtebau spielte eine bis heute unterschätzte Rolle für die europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts: Er diente der Legitimation der Herrschaft, der Produktion von Zustimmung, der Demonstration von Stärke, Effizienz und Schnelligkeit, er untersetzte die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung, er vermittelte das gesellschaftspolitische Programm im Inland wie Ausland, und er mobilisierte alte wie neue Fachleute.

In allen Diktaturen stand der Städtebau für die Hauptstadt an erster Stelle. Die Hauptstadt diente als Schaufenster nach Innen wie Außen. Hier konzentrierten sich die wichtigsten städtebaulichen Projekte und großen Planungen, hier ballten sich nicht nur die Institutionen der Diktatur, sondern auch die einflussreichsten Architekten und Städtebauer. Hier waren Änderungen der Rahmenbedingungen besonders schnell fühlbar. Die großen Pläne und Projekte in den Hauptstädten galten als Vorbild für das ganze Land. In der Hauptstadt wurde das gesellschaftspolitische Projekt einer Diktatur sichtbar gemacht, der Inhalt dieses Projekts wie auch die Fähigkeit, ein solches Projekt effektiv umzusetzen.

Mit dem Fall der Diktaturen war deren Städtebau nicht vom Tisch, im Gegenteil, er bewegt Europa bis heute. Diktatorischer Städtebau wurde zum Gegenstand von Strategien des baulichen wie medialen Umgangs – des Abrisses, der Transformation, der Rekonstruktion, des Vergessens, des Verdrängens, der Neuinterpretation wie der Verherrlichung. Der Städtebau der Diktaturen erfordert daher auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Verarbeitung des diktatorischen Städtebaus. Die aktuellen Diskussionen sind nolens volens immer in den aktuellen Stand der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Diktaturen eingebettet, sie spiegeln unsere zeitgenössische Kultur wider.

Die in der Ausstellung gezeigten Fotos folgen keiner strengen Systematik. Sie verweisen jedoch auf ein vielschichtiges Verständnis von Städtebau und Diktatur: Neben realisierten oder zerstörten städtebaulichen Formen sowie Gebäuden, Gebäudedetails und öffentlichen Räumen von städtebaulicher Bedeutung werden auch gesellschaftliche Programme, Projekte, Ausstellungen und Medien angesprochen, die dem Städtebau der Diktaturen dienten oder diesen befeuerten, ebenso Akteure und Adressaten, nicht zuletzt auch Wirkungen, Wertungen und bauliche wie künstlerische Umgangsformen bis heute. Dabei zeigen sich immer wieder internationale Zusammenhänge: Städtebau und Diktatur – das ist nicht nur und nicht in erster Linie ein nationales Thema. Die Bilder sprechen nicht immer für sich, sie verbergen oft ihre Hintergründe, die erst in Worten deutlicher werden. Alle Fotos sind in den letzten sieben Jahren im Kontext der Forschungen zum Städtebau in der stalinistischen Sowjetunion, im faschistischen Italien, im franquistischen Spanien, in Salazars Portugal und nicht zuletzt im nationalsozialistischen Deutschland entstanden.

„Hauptstadt und Diktatur“, Hg.: Deutscher Werkbund Berlin e.V., Verlag DOM publishers, 72 Seiten, 18 Euro

Weitere Informationen zu Prof. Dr. Harald Bodenschatz:
www.tu-berlin.de/?id=79869

sn

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Christian von Oppen
TU Berlin
Center für Metropolitan Studies
Tel.: 030/314-28400

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