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TU Berlin

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1,3 Millionen US-Dollar Impfkosten

Montag, 22. Juli 2013

Medieninformation Nr. 158/2013

Die WHO hat Gebärmutterhalskrebs den Kampf angesagt. Doch wie teuer ist das? Der TU-Forscher Dr. med. Wilm Quentin hat es für eine Region in Tansania errechnet

Gesundheit kostet Geld. Im Fall von 50.290 Mädchen aus der Region Mwanza in Tansania sind es 1,3 Millionen US-Dollar. So viel Geld wird benötigt, um in drei Distrikten eine groß angelegte Impfaktion gegen humane Papillomviren (HPV) durchzuführen. Diese Zahlen hat Dr. med. Wilm Quentin gemeinsam mit Kollegen von der Londoner Hochschule für Hygiene und Tropenmedizin, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Nationalen Institut für Gesundheitsforschung in Tansania errechnet. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachgebiet „Management im Gesundheitswesen“ der TU Berlin ist hierfür zwei mal drei Wochen nach Tansania gereist.

Humane Papillomviren (HPV) werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und sind in 70 Prozent der Fälle dafür verantwortlich, wenn eine Frau an Gebärmutterhalskrebs erkrankt. 2008 waren dies weltweit etwa eine halbe Million, 275 000 starben – die meisten von ihnen in armen Ländern wie Tansania.

Die WHO empfiehlt den Regierungen daher, Routineimpfungen einzuführen. Diese stehen damit meist vor einem riesigen logistischen Problem und benötigen Wissenschaftler, die sie bei der Logistik unterstützen und ihnen helfen, die Kosten zu kalkulieren.

Wilm Quentin hat auf diesem Gebiet Erfahrung. In der Vergangenheit war der 33-Jährige auf verschiedenen Feldern der Gesundheitsökonomie aktiv und hat Studien zum Krankenhausmanagement, zu Kosten von HIV/AIDS-Erkrankungen oder Demenz publiziert.

„Es ist relativ einfach. Man muss einfach an alles denken“, sagt der junge Arzt und meint dies ernst. In seine Kalkulation musste er zum Beispiel Autos, Kühlschränke und Informationskampagnen einrechnen. Denn zu wissen, dass eine HPV-Impfdose fünf US-Dollar kostet und jedes der Mädchen dreimal geimpft werden muss, reicht bei weitem nicht aus. Der Wissenschaftler muss Gerüchten in der Bevölkerung wie „So eine Impfung macht unfruchtbar“ Gehör schenken und berücksichtigen, dass es Geld kostet, Eltern und Lehrer zu informieren, Radiokampagnen zu organisieren und religiöse Führer zu treffen. Er muss einkalkulieren, dass Krankenschwestern geschult werden müssen. Und dass sie in der Zeit, in der sie impfen, nicht ihren üblichen Verpflichtungen nachkommen können.

Für seine Schätzungen konnte Wilm Quentin ein Pilotprojekt begleiten, in dessen Rahmen zwischen August 2010 und Juli 2011 in 130 Schulen geimpft wurde. Häufig sitzen dort 60 Mädchen in einer Klasse. Um die Kosten für seine Schätzung möglich gering zu halten, musste der Forscher herausfinden, ob es günstiger ist, klassenweise zu impfen oder nach Alter. Dazu musste er wissen, mit wie viel Jahren die Mädchen den ersten Geschlechtsverkehr haben (mit 15/16 Jahren) und wie lange es dauert, ein Mädchen zu impfen (etwa zwei Minuten). Auch die Ärzte vor Ort haben Wilm Quentin bei seiner Arbeit unterstützt.

All dies und vieles mehr steckt hinter der Zahl, den 1,3 Millionen US-Dollar, die Quentin und sein Team im Online-Journal „BMC Medicine“ letztlich veröffentlicht haben. Er weiß, dass es eine politisch sensible Zahl ist. „Als ich meine Ergebnisse bei der WHO vorgestellt habe, gab es einige, die vor der Präsentation sehr angespannt waren.“ Sie hatten Angst, dass Gesundheit zu teuer werden könnte.

Weitere Informationen zur Studie:
http://www.biomedcentral.com/1741-7015/10/137

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Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Dr. Wilm Quentin
Fachgebiet Management im Gesundheitswesen
Institut für Technologie und Management der TU Berlin
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
Tel.: 314-22627

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