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TU Berlin

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Pariser Lehrjahre

Montag, 14. Januar 2013

Medieninformation Nr. 4/2013

Buchpräsentation mit Podiumsdiskussion und Lesung am 28. Januar 2013 im Institut français Berlin

Vor 50 Jahren wurde mit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages die vermeintliche Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich beendet. Das Lexikon „Pariser Lehrjahre“ zur Ausbildung deutscher Künstler in Paris eines deutsch-französischen Forscherteams lenkt das Augenmerk auf die kulturellen Verflechtungen zwischen Deutschen und Franzosen im 19. Jahrhundert – jenseits nationaler Vorurteile.

Um Grenzen kümmerten sie sich nicht. Vielmehr gehörte es zum guten Ton, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Zu Hunderten gingen junge Künstlerinnen und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum zwischen 1793 und 1870 nach Paris, um sich in den schönen Künsten wie der Malerei, der Bildhauerei und der Zeichenkunst ausbilden zu lassen. Sie strebten an die Ecole des Beaux-Arts, jene berühmte Schule der schönen Künste, in die privaten Ateliers von Jacques-Louis David, Antoine-Jean Gros und später in die von Jean-Auguste-Dominique Ingres und Paul Delaroche und in den Louvre, der seit 1793 als Museum öffentlich zugänglich war und wo bedeutende Kunstwerke aus Europa nun erstmals an einem Ort ausgestellt wurden.

Eine deutsch-französische Forschergruppe unter der Leitung der beiden Kunsthistorikerinnen Bénédicte Savoy von der TU Berlin und France Nerlich von der Universität in Tours hat sich dieses in der Kunstgeschichte bislang kaum beachteten Phänomens der transnationalen Ausbildung mehrerer Künstlergenerationen im 19. Jahrhundert angenommen. In dem zweibändigen Nachschlagewerk „Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt“ werden bislang weitgehend unbekannte Daten und Fakten zum Aufenthalt und zur Lebenssituation, zur Ausbildung und zum künstlerischen Werk der Forschung zur Verfügung gestellt. Jedem Künstler und jeder Künstlerin ist in dem Lexikon ein Artikel gewidmet. Der erste Band, der die Periode zwischen 1793 und 1843 umfasst, ist jüngst bei de Gruyter erschienen.

Doch schon in der Einleitung machen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutlich, dass es ihnen neben der Dokumentation des Aufenthalts in all seinen Facetten noch um eine andere Dimension geht, die sich in den Pariser Lehrjahren spiegelt – die der „transnationalen Kunstproduktion im 19. Jahrhundert“. „Das 19. Jahrhundert wird stets als Jahrhundert der Nationalismen beschrieben, und tatsächlich verfestigte sich in der Kunstgeschichte jener Zeit die Idee der nationalen Schulen. Diese beiden Konstrukte stehen aber weitgehend im Widerspruch zur historischen Wirklichkeit, da sie die transnationale Dynamik in der Kunst sowie die manchmal schwer zu erfassende transnationale Mobilität der Künstler – besonders in deren Ausbildungszeit – nicht berücksichtigen“, sagt die Professorin Bénédicte Savoy. Die Tatsache, dass zwischen 1793 und 1870 mehrere Künstlergenerationen nach Paris pilgerten und von dort zu Studienaufenthalten nach Rom zogen, werfe die Frage auf, ob angesichts dieser transnationalen Erfahrungen die Vorstellung von nationalen Malschulen nicht hinterfragt werden müsse, zumindest verdecke sie die Komplexität des Kunstschaffens durch Vereinfachung und Vereinheitlichung, so die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Nina Struckmeyer und Lisa Hackmann. Für sie wie ihre französischen Kollegen eröffne die Beschäftigung mit den Pariser Lehrjahren deshalb weitreichende Perspektiven, die über die Frage der nationalen Kategorien der Kunstgeschichte hinausreichten. Nationale Etikettierungen, daran lassen die drei Wissenschaftlerinnen keinen Zweifel, werden der transnationalen Ausbildung der künstlerischen Jugend des 19. Jahrhunderts nicht gerecht.

Mit dem Lexikon „Pariser Lehrjahre“ lenkt das deutsch-französische Forscherteam den Fokus auf die tiefgehenden historischen kulturellen Verflechtungen zwischen Deutschen und Franzosen. Somit kann der Band anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages am 22. Januar 1963, der die vermeintliche deutsch-französische Erbfeindschaft beendete, auch als ein subtiler Kommentar zu diesem historischen Ereignis gelesen werden. „Die in den vergangenen 50 Jahren vollzogene Aussöhnung hat eine schöne Vorgeschichte“, sagt Bénédicte Savoy, die in Paris aufwuchs und studierte und nun in Berlin forscht und lehrt.

Als erstes kunsthistorisches Projekt wird die Erforschung der Ausbildung deutscher Maler in Paris gemeinsam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem französischen Pendant, der Agence Nationale de la Recherche (ANR), seit 2010 bis Ende 2014 gefördert. An die TU Berlin fließen von der DFG 611 200 Euro.

Anlässlich der Veröffentlichung des ersten Bandes der „Pariser Lehrjahre“ sowie der Gedenkfeiern zum 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages findet am 28. Januar 2013 im Institut français eine Buchpräsentation mit Podiumsdiskussion und Lesung statt. Anwesend werden sein: Andreas Beyer, Direktor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris, Sven Fund, Geschäftsführer des de Gruyter-Verlags, France Nerlich, Maître de conférences an der Université Francois-Rabelais Tours und Bénédicte Savoy, Professorin an der TU Berlin. Lesung mit Schauspieler Florian Lukas,  Moderation: Lisa Zeitz, Chefredakteurin der „Weltkunst" und „Kunst und Auktionen“.

Zeit:
am Montag, dem 28. Januar 2013, 19.00 bis 22.00 Uhr 
Ort:
Institut français Berlin, Salle Boris Vian, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin 

Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt. Der Eintritt ist frei.

Ausführlichere Informationen:
http://www.institutfrancais.de/berlin/agenda-610/agenda-1659/Debatten,631/pariser-lehrjahre-von-benedicte,24143.html?lang=de&theme=Rencontres

France Nerlich, Bénédicte Savoy (Hrsg.), Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt, Band 1: 1793 – 1843, Walter De Gruyter GmbH Berlin/Boston 2013, ISBN: 978-3-11-029057, 410 Seiten, 149,95 Euro

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Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:

Prof. Dr. Bénédicte Savoy
Fachgebiet Kunstgeschichte
Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik
Straße des 17. Juni 150/152
10623 Berlin
Tel.: 030/314-22233

Nina Struckmeyer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel.: 030/314-28685

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