direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Ideen gegen den Ärztemangel in Brandenburg

Dienstag, 13. April 2010

Medieninformation Nr. 110/2010

Sabine Troppens von der TU Berlin hat sich mit Angebot und Nachfrage in der ambulanten ärztlichen Versorgung in Brandenburg beschäftigt

Wer in den ländlichen Regionen Brandenburgs krank wird und auf ärztliche Hilfe angewiesen ist, hat bereits heute das Problem, dass es häufig vor Ort keinen Arzt gibt. Die Prognosen für die kommenden Jahre zeichnen ein noch dramatischeres Bild, denn die Brandenburger Bevölkerung wird bis zum Jahr 2030 um ca. 14 Prozent sinken, was langfristig auch zum Rückgang von Anbietern ärztlicher Leistungen führt.

Die Altersstruktur der derzeit tätigen Ärzte führt aber bereits viel früher zu hohen Altersabgängen und somit zu einem Engpass des Angebots an ärztlicher Versorgung. Dazu kommt, dass das vorhandene Arbeitskräftepotenzial in Brandenburg zudem kaum Reserven bietet: Den Niederlassungsmöglichkeiten insbesondere für Hausärzte steht eine geringe Zahl arbeitsloser Ärzte, geringe Nachwuchszahlen, eine hohe durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche und bis vor Kurzem noch eine deutlich schlechtere Honorierung als bei Kollegen in alten Bundesländern gegenüber.

Was lässt sich tun, um dem zunehmenden Ärztemangel und den damit verbundenen Folgen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Brandenburg entgegenzuwirken?

Mit dieser Frage hat sich Sabine Troppens in ihrer Diplomarbeit beschäftigt, die sie am Fachgebiet Finanzwissenschaft und Gesundheitsökonomie der TU Berlin bei Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke geschrieben hat. „Angebot und Nachfrage in der ärztlichen Versorgung aus theoretischer und empirischer Sicht am Beispiel des Landes Brandenburg“ ist der Titel ihrer Untersuchung, in der sie konkrete Maßnahmen benennt, wie sich die hausärztliche Primärversorgung und ambulante Pflege gerade in den Regionen, die weiter von Berlin entfernt sind, stärken lässt.

Ein Manko erkennt sie im Fehlen einer medizinischen Fakultät im Land Brandenburg. Würde an einer brandenburgischen Universität das Medizinstudium möglich sein, würde dies zum einen die Gesamtzahl der Studienplätze für Humanmedizin in Deutschland erhöhen und zum anderen das noch hohe Bewerberinteresse am Medizinstudium sowie im Speziellen den Regionalbezug Brandenburger Abiturienten ausschöpfen. Sabine Troppens stellt fest, dass die Öffentlichkeitsarbeit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Brandenburg auch um die Zielgruppe der Brandenburger Abiturienten erweitert werden sollte und bereits in Schulen über Fördermöglichkeiten während der ärztlichen Aus- und Fortbildung bis hin zur Niederlassung informieren sollte. Darüber hinaus fordert sie eine gezielte Ansprache und Förderung von Frauen. Gleichzeitig sollte die ärztliche Aus- und Weiterbildung in Brandenburg mittels Kooperationen verstärkt auch international ausgerichtet und damit für Medizinstudenten attraktiv gestaltet sein.

Auch bei der Förderung von niedergelassenen Ärzten schlägt sie eine veränderte Prioritätensetzung zugunsten satellitenhafter Elemente wie Zweigpraxen und „mobile Praxen“ vor. Zurzeit wird die Zweigpraxis finanziell durch die geringere Höhe der gewährten Investitionszuschüsse gegenüber der Niederlassung in einer Praxis benachteiligt. Eine Lösung könnten auch Fahrtkostenzuschüsse sein, um zum Pendeln bereite Ärzten einen Anreiz zum Betreiben einer Zweigpraxis zu geben. Verbunden sein sollte dies mit der Abkehr von der Residenzpflicht, so dass der Arbeits- nicht zwangsweise auch den Wohnort festlegt.

Eine weitere Lösung könnte neben der Einrichtung von „mobilen Praxen“, die das Land abfahren, im flächendeckenden Einsatz von Telemedizin auch im Rahmen innovativer integrierter Versorgungsmodelle liegen, wie es in Modellprojekten bereits geschieht.

„Im Hinblick auf Wanderungs- und Demografieprognosen werden Kommunen noch stärker untereinander, aber auch (inter-)national im Wettbewerb um Anbieter medizinischer Versorgung stehen. Durch schnelle Integration der Telemedizin und einer „mobilen Praxis“ in die Regelversorgung, aber auch durch eine gezielte Frauenförderung und international ausgerichtete Weiterbildungen sollte das Land Brandenburg verstärkt als Innovations-, Investitions- und Nachwuchsförderer auftreten. Damit gelingt ein Beitrag zur Etablierung der Marke ‚HealthCapital Berlin-Brandenburg‘“, fasst Sabine Troppens zusammen.

Zurzeit arbeitet Sabine Troppens als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Finanzwissenschaft und Gesundheitsökonomie der TU Berlin bei Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke.
Mit ihrer Diplomarbeit hat sie in Fachkreisen bereits Aufsehen erregt und wurde Anfang des Jahres mit dem 2. Platz des deutschlandweit ausgeschriebenen BKK (Betriebskrankenkassen)-Innovationspreises Gesundheit 2009 ausgezeichnet.

4.690 Zeichen / bk

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Dipl.-Ing. Sabine Troppens
Fachgebiet Finanzwissenschaft und Gesundheitsökonomie der TU Berlin
Tel.: 030/314 29 419

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.