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Die Eroberung der Rasenkante

Mittwoch, 23. Januar 2008

Medieninformation Nr. 12/2008

Der amerikanische Stadthistoriker Kenneth Jackson zu Gast am Center for Metropolitan Studies der TU Berlin

Man kennt sie aus unzähligen Hollywoodfilmen: die amerikanischen Suburbs mit ihren makellosen Rasenkanten und überdimensionierten Dreifachgaragen. Die Häuser gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Zum Einkaufen fährt man mit riesigen Autos in pieksaubere Einkaufszentren und zum Arbeiten in verspiegelte und vollklimatisierte Office Parks. Wenn man einmal von den chronisch glücklichen Filmfamilien absieht, zeigen solche Bilder doch ein gutes Stück Alltagsleben der amerikanischen Mittelschicht. Viele Stunden am Tag verbringt man dort im Auto. Kein Laden und kein Spielplatz sind zu Fuß erreichbar. Öffentliche Verkehrsmittel existieren nicht. Die alten Stadtzentren sind weit entfernt und haben für die meisten Vorortbewohner keine Bedeutung.

Wie ähnlich die Situation in Deutschland, und doch ganz anders. Auch hier zu Lande lebt seit den 1960er Jahren ein Großteil der Städter in durchgrünten Vororten. Doch es gibt kleine Läden, Kneipen und eine vergleichsweise dichte Siedlungsstruktur. Neben Einfamilienhäusern finden sich Reihenhäuser, Wohnblocks und Kleingartensiedlungen. Anders als in Amerika sind auch Mietwohnungen nicht verpönt. Und am wichtigsten: durch Busse und S-Bahnen  sind die Vororte eng an die Innenstädte angebunden.

Wie es zu dieser unterschiedlichen Entwicklung kam, erforscht seit vielen Jahren Kenneth Jackson, Professor für Stadtgeschichte an der Columbia-Universität in New York, der im Januar am Center for Metropolitan Studies der TU Berlin zu Gast ist. Sein bekanntestes Werk "Crabgrass Frontier - the Suburbanization of the United States" erschien bereits 1985.

Wir laden Sie daher herzlich ein zum Vortrag

Kenneth Jackson: "The Lure of Suburbia and the Problem of Sustainability - Patterns of Metropolitan Growth in the United States and Germany in the Automotive Era"
Zeit:
am Donnerstag, dem 31. Januar 2008, 19 Uhr
Ort:
TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, Raum H 1035

In seinem Buch erläutert Jackson die Entwicklungsgeschichte amerikanischer Vororte von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Der Titel verbindet zwei uramerikanische Konzepte: die Grenze zum unbekannten Westen (frontier), die als Herausforderung für Entdecker, Eroberer und Siedler lange das Selbstverständnis der amerikanischen Nation bestimmte, und den peinlich genau geschnittenen Zierrasen (crabgrass), der für viele Vorortbewohner bis heute Ordnung und Sicherheit suggeriert. Für Jackson sind es in erster Linie kulturelle Eigenheiten, die die Entwicklung der amerikanischen Zierrasensiedlungen bewirkten und das Leben in den USA in ähnlich grundlegender Weise prägten wie einst die Besiedlung der Berge und Prärien. Solche kulturellen Dispositionen, so der Stadtforscher, hätten sich in Deutschland ganz anders herausgebildet.

Die Zukunft von "Suburbia" ist ungewiss. Dass der Lebensstil in den Vororten zunehmend sowohl in Deutschland als auch in den USA in Bedrängnis gerät, zeigt sich nicht nur in karikierenden Filmen wie American Beauty und Magnolia, sondern auch in ganz realen Problemen. Die Verknappung von Grund und Boden erschwert neue Erschließungen. Die räumlichen Entfernungen tragen zur Fragmentierung der Gesellschaft bei. Der Anstieg der Benzinpreise macht lange Wege unattraktiv.

Wird man sich in Amerika also besinnen und die zersiedelten Landschaften in nachhaltige Städte umbauen? Und wenn ja, wie werden diese Städte aussehen? Oder sind amerikanische Vororte vielmehr das Modell, das in einigen Jahrzehnten auch in Deutschland das Wohnumfeld einer - freilich kleiner werdenden - Zahl von Privilegierten bestimmt? Diese und andere Fragen wird Professor Jackson in einer öffentlichen Lesung an der TU Berlin behandeln.

Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei. Anmeldung erbeten unter:

3.723 Zeichen / pp

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Florian Urban
Technische Universität Berlin
Center for Metropolitan Studies
Tel.: 030 / 314-28409

www.metropolitanstudies.de

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