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TU Berlin

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„Als ‚zionistischer’ Agent in Stasi-Haft“

Montag, 18. Februar 2008

Medieninformation Nr. 35/2008

Einladung zu der Vortragsreihe „Lebenszeugnisse“

Die Gesprächsreihe mit Zeitzeugen findet als gemeinsame Veranstaltung des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin und des Literaturforums im Brecht-Haus statt. Vorgestellt werden - durch Lesung, Gespräche und Diskussionen - Autorinnen und Autoren, die Erinnerungen aus der jüdischen Lebenswelt publizieren. Die Themen reichen vom jüdischen Alltag und der Diskriminierung in der NS-Zeit über den Holocaust und das Exil bis hin zur Erfahrung des Überlebens und den Schwierigkeiten des Erinnerns.

Am 28. Februar 2008 diskutiert Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin, mit Anatol Rosenbaum. Wir laden Sie herzlich dazu ein und bitten Sie, in Ihrem Medium auf dieses Gespräch hinzuweisen. Bitte leiten Sie diese Information auch an Ihre Kultur-/Feuilletonredaktion weiter:

Zeit:
Donnerstag, 28. Februar 2008, 20.00 Uhr
Ort:
Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin
Eintritt:
5 Euro, ermäßigt 3 Euro; kein Kartenvorverkauf

Im Dezember 1968 wird der damals 29-jährige Ost-Berliner Kinderarzt Anatol Held verhaftet. Aufgrund der Denunziation eines westdeutschen Stasi-Spitzels flog er bei dem Versuch auf, in Prag an bundesrepublikanische Pässe zu gelangen, die ihm, seiner Frau und dem gemeinsamen fünfjährigen Sohn die Flucht in den Westen ermöglichen sollten. Stattdessen beginnt eine zweijährige Odyssee durch Gefängnisse der Staatssicherheit. In Berlin-Hohenschönhausen wird Held, der der Mitgliedschaft im israelischen Geheimdienst Mossad bezichtigt wird, dem für Spione gebildeten „Kommando X“ zugeteilt. Nach der Haftentlassung 1970 nimmt er seine Tätigkeit als Kinderarzt wieder auf. Fünf Jahre später wird er „freigekauft“ und siedelt nach West-Berlin über.

Dass Anatol Held, 1939 in Moskau geboren, aus einer jüdischen Familie stammt, erfährt er erst Anfang der 1960er Jahre. Seine Mutter Nelly, Tochter eines jüdischen Hamburger Holzfabrikanten, schloss sich in den 1920er Jahren der Hamburger KPD unter Ernst Thälmann an. Später gehörte sie zum Umfeld von Walter Ulbricht.

In seiner Autobiographie beschreibt der Autor Held die Strategien, die ihm dabei geholfen haben, die Stasi-Haft zu überstehen: Scheinanpassung und Selbstverleugnung, aber auch Witz, Auflehnung und Provokation. Eine besondere Rolle spielt die Hinwendung zum jüdischen Glauben, aus dem er Kraft schöpft. Im Jahre 2005 vollzieht Anatol Held schließlich den letzten Schritt seiner Identitätsfindung, als er wieder den Namen Rosenbaum annimmt, den seine Eltern 1930 abgelegt hatten.

Anatol Rosenbaum, Die DDR feiert Geburtstag und ich werde Kartoffelschäler. Als Arzt und „Agent“ im „Kommando X“ des MfS, Berlin, Lichtig Verlag, 2006

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Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Yasemin Shooman
Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin
Tel.: 030/314-25467, Fax: -21136

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