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TU Berlin

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Energieeffizienz in einer Wüstenstadt

Montag, 18. August 2008

Medieninformation Nr. 208/2008

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert an der TU Berlin zwei Projekte zur Megacity-Forschung mit mehr als zwölf Millionen Euro

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen seiner Forschung für die nachhaltige Entwicklung der Megastädte von morgen die Förderung von zwei Projekten an der TU Berlin bewilligt.

Blick auf "New Town Hashtgerd". Die in der Wüste gelegene Stadt ist für 500.000 Einwohner konzipiert und wird zurzeit erbaut. Sie soll der 70 Kilometer entfernten Hauptstadt Teheran als Entlastungsstadt dienen.
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Für das Projekt „Urbane Wachstumszentren: Young Cities – Entwicklung  und Produktion energieeffizienter Stadtstrukturen für die Region Teheran-Karaj“ stellt das BMBF mehr als 6,2 Millionen Euro von 2008 bis 2013 zur Verfügung. In das Vorhaben „Urbane Landwirtschaft als integrierter Faktor einer klimaoptimierten Stadtentwicklung für Casablanca“ fließen  sechs Millionen Euro für den gleichen Zeitraum. Beide Projekte sind an der Fakultät VI Planen Bauen Umwelt der TU Berlin angesiedelt.

Forschungsprojekt: Urbane Wachstumszentren: Young Cities – Entwicklung und Produktion energieeffizienter Stadtstrukturen für die Region Teheran-Karaj

Die Region Teheran ist einer der am schnellsten wachsenden Ballungsräume Westasiens. In den vergangenen 50 Jahren hat sich Teheran von einer Stadt mit etwas über einer Million Einwohnern in eine Megacity-Region mit circa 13,4 Millionen Einwohnern entwickelt. Diese ungebremsten Urbanisierungsprozesse stellen die Region vor immense Herausforderungen wie Wohnungsmangel, Unterversorgung mit Infrastruktur, massive Schadstoffemissionen oder fehlende Ausstattung mit Grünflächen. Die komplexen Probleme werden zunehmend durch die Effekte des Klimawandels verschärft. Dabei ist die Region Täter und Opfer zugleich: Da gerade dort räumlich stark konzentriert Treibhausgase emittiert werden durch Verkehr, mangelhafte und ineffiziente Energiesysteme oder auch inadäquate Umsetzung von Gesetzen, wird sie in den kommenden Jahrzehnten maßgeblich unter eben diesen Folgen zu leiden haben.

Das Forschungsprojekt „Young Cities“ will anhand eines konkreten Beispiels in der Region exemplarisch aufzeigen, wie in diesem trockenen und heißen Klima eine Stadt entstehen kann, die deutlich weniger Energie verbraucht und Treibhausgase freisetzt als bislang neu gebaute Stadtteile im Iran.

Die Lösungsansätze entwickelt das Forscherteam, zu dem zwölf Fachgebiete der TU Berlin, aber auch außeruniversitäre Institute und Firmen gehören, zusammen mit den iranischen Partnern vom „Building and Housing Research Center“ und der „New Towns Development Corporation“ anhand konkreter Pilotprojekte. Diese werden in der „New Town Hashtgerd“ umgesetzt. „New Town Hashtgerd“, in der Wüste gelegen, entsteht zurzeit 70 Kilometer außerhalb von Teheran als Entlastungsstadt für 500.000 Einwohner. Neben kleinteiligen Pilotprojekten, beispielsweise im Wasser- und Abwasserbereich, werden Entwürfe für Wohngebäude und sogar ein ganzer Stadtteil in der neuen Stadt konzipiert.

Wichtig ist den Forschern dabei die bilaterale Lösungsentwicklung, Umsetzung und forscherische Begleitung, da nur so ein intensiver Wissenstransfer stattfinden könne, betonen Prof. Dr. Rudolf Schäfer, Projektleiter und Dekan der Fakultät VI Planen Bauen Umwelt der TU Berlin und die Projektkoordinatoren Dipl.-Ing. Sebastian Seelig und Dipl.-Ing. Florian Stellmacher. Auf der technischen und planerischen Seite lägen die angestrebten Innovationen vor allem in der interdisziplinären Vernetzung vieler klimarelevanter Handlungsfelder von Planung, Technik und Governance. Durch diese systematische Verknüpfung der technischen Systeme mit siedlungsstrukturellen Zielen sollen hohe energetische Effizienzsteigerungen erreicht werden. Langfristig sollen so exemplarische Lösungsvorschläge für eine energieeffiziente Stadt in semi-ariden Gebieten entwickelt werden, die auch in benachbarten Ländern umgesetzt werden können.

Forschungsprojekt: Urbane Wachstumszentren: Urbane Landwirtschaft als integrierter Faktor einer klimaoptimierten Stadtentwicklung für Casablanca

Innerhalb von 30 Jahren, zwischen 1970 und 2003, ist die Bevölkerung Casablancas von 1,5 Millionen auf 3,6 Millionen Einwohner angestiegen. Damit steht auch die Entwicklung von Marokkos größter Hafenstadt für den weltweiten Prozess der Verstädterung besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Mit der Urbanisierung gehen ein enormer Energieverbrauch und damit die verstärkte Emission von Treibhausgasen und ein wachsender Landschaftsverbrauch einher. Nahm Casablanca 1907 eine Fläche von 50 Hektar ein, waren es im Jahr 2000 15.000 Hektar. Die Frage, wie städtische Ballungsräume und Megastädte angesichts ungebremsten Wachstums lebenswert gestaltet werden können, ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Vor diesem Hintergrund investiert das Bundesforschungsministerium in Lösungen zu dieser Problematik und fördert das Projekt „Urbane Landwirtschaft als integrierter Faktor einer klimaoptimierten Stadtentwicklung für Casablanca“. Das Projekt wird von Undine Giseke, Professorin für Landschaftsarchitektur/Freiraumplanung an der TU Berlin geleitet. Projektkoordinatorin ist Dipl.-Ing. Silvia Martin Han. Mit dieser Bewilligung wird bereits die zweite Phase des Projektes mit sechs Millionen Euro bis 2013 gefördert.

„Mit unseren Partnern wie zum Beispiel dem nationalen Institut für Raumplanung und Urbanistik in Rabat werden wir untersuchen, inwieweit urbane Landwirtschaft zu einer klimaoptimierten und nachhaltigen Stadtentwicklung und Landnutzung beitragen kann angesichts der Tatsache, dass sich ländliche und städtische Räume zunehmend verschränken“, so Undine Giseke. Unter urbaner Landwirtschaft wird dabei jegliche Form formeller (legaler) wie informeller (jenseits gesetzlicher Regelungen betriebener) landwirtschaftlicher Produktion innerhalb der Stadtregion verstanden. Eine andere zu untersuchende Frage ist, ob urbane Landwirtschaft auch einen relevanten Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung in einer Megacity leisten kann. Der Fokus auf die urbane Landwirtschaft als ein Faktor klimaoptimierter Entwicklung von Megastädten ist ein Novum bei der Erforschung urbaner Gestaltungsprozesse.

Eine energieeffiziente urbane Landwirtschaft soll jedoch nicht nur die Treibhausgasemissionen in der Region Casablanca minimieren. Vielmehr sollen die Ergebnisse des Projektes auch in andere regionale, nationale und internationale Zusammenhänge übertragen werden.

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Weitere Informationen zum „Young-Cities“-Projekt erteilen Ihnen gern:

Prof. Dr. Rudolf Schäfer
Dekan der Fakultät VI Planen Bauen Umwelt der TU Berlin
Fachgebiet Baurecht und Bauverwaltungslehre
Straße des 17. Juni 152
10623 Berlin
Tel.: 030/314-21829
Fax: 030/314-21826

Dipl.-Ing. Sebastian Seelig
Carnotstr. 1A
10587 Berlin
Tel.: 030/314-29901
Fax: 030/314-29903

Weitere Informationen zum Casablanca-Projekt erteilen Ihnen gern:

Prof. Dr. Undine Giseke
Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin
Fachgebiet Landschaftsarchitektur/Freiraumplanung
Straße des 17. Juni 145
10623 Berlin
Tel.: 030/314-28193

Dipl.-Ing. Silvia Martin Han
Tel.: 030/314-79649

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