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TU Berlin

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Avantgarde – Diffamierung – Welterbe? Bauten der Moderne in Russland und Deutschland

Montag, 13. August 2007

Medieninformation Nr. 177/2007

Ausstellung im Schinkel-Zentrum der TU Berlin

Seit 2004 besteht im Rahmen der Städtepartnerschaft von Moskau und Berlin ein "Denkmal-Dialog". Mit Seminaren zum Thema "Erhaltung der Avantgarde in Moskau und Berlin" trafen sich im Jahre 2004 Fachvertreter in Moskau und 2005 in Berlin. Anlässlich des alljährlichen Internationalen Denkmaltages (World Monument Day) am 18. April führten verschiedene internationale Organisationen und die Stadt Moskau 2006 die Konferenz "Heritage at Risk. Preservation of 20th Century Architecture and World Heritage" in Moskau durch. Die Aktivitäten werden im Jahre 2007 mit mehreren Veranstaltungen, zwei Ausstellungen und einer Filmreihe zur Russischen Avantgarde in Berlin fortgesetzt.

Eine Ausstellung zeigt das Schinkel-Zentrum für Architektur, Stadtforschung und Denkmalpflege in der Zeit vom 7. September bis zum 5. Oktober 2007 unter dem Titel "Avantgarde – Diffamierung – Welterbe? Bauten der Moderne in Russland und Deutschland" in der TU Berlin. Wir laden Sie herzlich zur Ausstellungseröffnung mit Filmvorführung ein und bitten Sie, in Ihrem Medium auf diese Veranstaltung hinzuweisen. Bitte leiten Sie diese Information auch an Ihre Kultur-/Feuilletonredaktion weiter:

Zeit:
am Freitag, dem 7. September 2007, 19.00 Uhr
Ort:
Forum im Architekturgebäude der TU Berlin, 
Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin

In der sozialen und künstlerischen Aufbruchstimmung nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Sturz der Monarchien bestand ein reger Austausch zwischen avantgardistischen Künstlern und Architekten der beiden jungen republikanischen Staaten. Programmatische Kunstpositionen und Kunstwerke von Wassili Kandinsky, Naum Gabo, El Lissitzky, Kasimir Malevich oder Vladimir Tatlin inspirierten nach 1918 Bau- und Bildkünstler in Deutschland. Die Blütezeit dieser kompromisslosen Moderne war auf beiden Seiten nur von kurzer Dauer. Ihre kühnen Entwürfe und gebauten Visionen kamen einer ästhetischen Revolution gleich, die mit der Weltwirtschaftskrise und dem Machantritt des Nationalsozialismus in Deutschland ein frühes Ende nahm. Russische Strömungen der Avantgarde-Architektur kamen fast gleichzeitig unter der stalinistischen Doktrin des "Sozialistischen Realismus" zum Erliegen - mit ihnen auch die modernen Projekte deutscher Emigranten in der UdSSR. Aus heutiger Sicht lösten die Bauten der Avantgarde in der Sowjetunion bzw. der Moderne in Europa in kürzester Zeit eine Revolutionierung der bestehenden Bautraditionen und die Entwicklung einer innovativen Ästhetik aus. Sie legten im Hinblick auf Konstruktion und Materialien den Grundstein für unsere heutige Bautechnik.

Die Rehabilitierung avantgardistischer und moderner Architekturleistungen, wie sie in Deutschland und Russland im mittleren Drittel des 20. Jahrhunderts weitgehend verfemt waren, hat in der internationalen Fachwelt bereits mit dem Europäischen Denkmalschutzjahr 1975 eingesetzt. Seitdem sind in vielen Ländern Bauwerke und Architekturensembles der Zwischenkriegsmoderne als Denkmale gesetzlich geschützt und sogar vorbildlich restauriert worden. Architektur-Ikonen der Avantgarde wie das Haus Tugendhat in Brünn (1928-30) von Ludwig Mies van der Rohe in Tschechien und das Haus Schröder in Utrecht (1923-1924) von Gerrit Rietveld in den Niederlanden oder die Bauhausstätten in Weimar und Dessau sowie die Zeche Zollverein in Deutschland sind inzwischen sogar als Monumente der Modernen Bewegung in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen worden. Beispiele aus Russland, das nach 1917 als Mutterland der architektonischen Avantgarde gelten durfte und dessen progressive Baukünstler international Aufmerksamkeit erregten, sind auf dieser Liste noch nicht vertreten. Die für die Ausstellung ausgewählten Beispielbauten aus Deutschland und Russland verdeutlichen deren Qualität, zeigen aber gleichzeitig auch ihre Gefährdung durch Umbauten oder Vernachlässigung. Es werden ebenso erfolgreiche und denkmalgerechte Sanierungen vorgestellt.

Die Kuratorin Dr. Anke Zalivako stellt die Entstehung der Wanderausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bauhaus Dessau und dem A. V. Schtschusev Architekturmuseum Moskau erarbeitet wurde, vor. Begleitet wird die Eröffnung von einer Filmreihe, die unter dem Motto "Gefeiert, gefährdet, gefilmt – Denkmale der sowjetischen Moderne" steht, und eine Auswahl von russischen Dokumentarfilmen mit englischer Übersetzung des Moskauer Zentrums für zeitgenössische Architektur (CSA) zeigt. Die Filme setzen sich mit prominenten, jedoch akut gefährdeten Denkmalen des 20. Jahrhunderts aus der ehemaligen Sowjetunion auseinander. Dr. Irina Korobjina, Direktorin des Moskauer Architekturzentrums und Redakteurin der Filmreihe, sowie Irina Yurna, Programmdirektorin für Kultur und Medien der Ford Stiftung in Moskau, die die Produktion förderte, sind persönlich anwesend. Die Ausstellung wird unterstützt durch die Wüstenrot-Stiftung.

Die Ausstellung ist vom 8. September bis zum 15. Oktober 2007, dienstags bis freitags in der Zeit von 14.00 bis 20.00 Uhr, und am Samstag von 14.00 bis 18.00 Uhr zu besichtigen. Eine Finissage findet am Montag, den 15. Oktober 2007, um 19 Uhr statt.

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Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Dr. Ulrike Laible
Schinkel-Zentrum für Architektur, Stadtforschung und Denkmalpflege TU Berlin

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