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TU Berlin

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Wem gehört 5G? Das Wettrennen um Patente

Dienstag, 02. April 2019

Medieninformation Nr. 55/2019

Der Bund hat an der TU Berlin ein Gutachten zur Patentsituation bei 5G-Technologien in Auftrag gegeben

Lupe

Deutschland soll zum Leitmarkt für 5G-Netze und -Anwendungen werden. So will es der Bund. Doch das kann teuer für die deutsche Wirtschaft werden. Denn für die wichtige Technologie dahinter wurden in den vergangenen Jahren bereits Tausende von Patenten angemeldet – im Ausland. So ist die Frage, wie weit die Technologien bereits mit Patenen behaftet sind – und wer die Inhaber sind – für Deutschland von zentraler industriepolitischer Bedeutung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat daher an das Konsortium von IPlytics GmbH und dem Fachgebiet Innovationsökonomie der TU Berlin ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die aktuelle Situation bei 5G-Patenten analysieren soll. Darin sollen ebenfalls die Entwicklungen bei marktrelevanten 5G-Patenten und deren Auswirkungen auf die Mobilfunk- und Industrieunternehmen als Lizenznehmer prognostiziert werden. Leiter des TU-Teams ist Prof. Dr. Knut Blind, der das Fachgebiet Innovationsökonomie an der Fakultät VII Wirtschaft und Management der TU Berlin leitet.

„Riesige Datenmengen praktisch in Echtzeit von Gerät zu Gerät übertragen zu können, ist vor allem für industrielle Anwendungen ein großer Sprung nach vorn. So wird der Mobilfunkstandard 5G, der voraussichtlich ab 2020 verfügbar sein wird, als Schlüsseltechnologie der digitalen Transformation betrachtet. Diese bietet für Wirtschaft und Verwaltung enorme Innovations- und Wertschöpfungspotenziale“, sagt Knut Blind. „Und der Countdown für das Wettrennen um das superschnelle Internet läuft nicht erst, seit die Bundesnetzagentur nun das Bieterverfahren um die Frequenzen eröffnet hat.“ Technisches Know-how ist in Deutschland in höchster Qualität vorhanden. Bei den wissenschaftlichen Publikationen dazu nimmt Deutschland hinter China und den USA den dritten Platz ein. „Wenn wir jedoch die derzeitige Patentsituation betrachten, haben wir allen Grund, nervös zu sein, mit Blick auf die Chancen, ganz vorne mitzuspielen“, so Professor Blind.

Jeder 5G-Anwender muss patentbehaftete Technologien nutzen –
die Lizenzgebühren fließen ins Ausland

Das geplante Gutachten ist Teil der „5G-Strategie für Deutschland: Eine Offensive für die Entwicklung Deutschlands zum Leitmarkt für 5G-Netze und -Anwendungen“ des Bundes. Der TU-Wirtschaftswissenschaftler, der auch mit dem Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS affiliiert ist, hat den Zuschlag für die Erstellung des Gutachtens zusammen mit dem Start-Up „IPlytics“ bekommen, das aus seinem Fachgebiet hervorgegangen ist. Das Start-Up baute seine Geschäftsidee auf der Tatsache auf, dass die Patentsituation ein existenziell wichtiger wirtschaftlicher Faktor in der Industrie ist. „IPlytics“ hat ein Analyse-Tool entwickelt, das alle öffentlichen Datenquellen zu Patenten zusammenfasst. Auf der dazugehörigen Plattform können Unternehmen zu Patenten recherchieren. Und ein erster Blick auf die Datenlage muss deutsche Unternehmen aufmerken lassen. „Jeder, der 5G künftig anwenden will, in Industrie oder Mobilfunk, muss auf die patentbehafteten Technologien zurückgreifen, das heißt, es fallen teure Lizenzgebühren an – die ins Ausland abfließen“, sagt Tim Pohlmann, IPlytics-Geschäftsführer, und er erklärt auch, warum. „Die Patent-Eigner werden die künftigen Technologie- und Marktführer sein, denn anders als die 3G- und 4G-Patente, die sich nur auf die Mobilfunk-Industrie bezogen, betrifft 5G die Vernetzung im gesamten Internet der Dinge.“ Die Patentanmelder der letzten Jahre zum Thema 5G heißen Samsung Electronics, Ericsson oder Huawei. Es ist kein einziges deutsches Unternehmen dabei. „Dabei werden die Automobil-Konzerne, ein Standbein der deutschen Industrie, die ersten sein, die umfassend auf die 5G-Technologien angewiesen sein werden“, stellen Pohlmann und Blind fest. Sie müssen Fahrzeuge miteinander vernetzen, Verkehrswege und Gebäude mit vernetzten Verkehrszeichen und Antennen ausstatten, um Daten über das Internet und in der Cloud zu managen.

Gründungsförderung in Millionenhöhe

Auch eine weitere Zahl aus Pohlmanns Untersuchungen zeigt, dass die Investitionen deutscher Firmen in die Entwicklung der 5G-Standards derzeit noch hinterherhinken. 2018 schickte der chinesische Konzern Huawei hochqualifizierte Mitarbeiter*innen zu rund 2000 wichtigen internationalen Meetings, auf denen die neuen Standards diskutiert und entwickelt werden. Dann folgen weitere, vor allem asiatische Konzerne. Der größte deutsche Anbieter taucht erst auf Platz 20 in dieser Statistik auf, mit rund 270 Meetings. Wie wichtig der Industrie gleichwohl die wettbewerbs- und standortspezifischen Rahmenbedingungen von Lizensierungen und Patenten sind, zeigt auch die jüngste Entwicklung. Das TU-Start-Up hat nicht nur bereits zahlreiche bekannte Konzerne als Unternehmenskunden, sondern auch soeben eine Gründungsförderung für sein weiteres Wachstum im siebenstelligen Bereich erhalten. 

pp

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Knut Blind
TU Berlin
Institut für Technologie und Management
Fachgebiet Innovationsökonomie
Tel.: 030/314-76638

www.inno.tu-berlin.de
www.iplytics.com

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