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Rundumerneuerung des Schienenverkehrs in Europa

Mittwoch, 02. November 2016

Medieninformation Nr. 175/2016

In dem EU-Programm „Shift2Rail“ ist das TU-Fachgebiet Schienenfahrzeuge in drei Projekten vertreten. Mit „Shift2Rail“ soll der Wechsel von der Straße auf die Schiene vorangetrieben werden

Sechs Millionen Deutsche leiden unter dem Lärm des Eisenbahnverkehrs. „Lärm“, sagt der Schienenfahrzeugexperte Prof. Dr. Markus Hecht, „ist das Umweltproblem Nummer 1 des Schienenverkehrs.“ Das neue Forschungsprojekt DESTINATE nimmt sich dieser Problematik unter vielen Aspekten an und hat zum Ziel, kosteneffiziente Maßnahmen zur Minderung des Bahnlärms zu erforschen.

Das Projekt DESTINATE gehört wie die Projekte DYNAFREIGHT und INNOWAG zu dem großen Verbund „Shift2Rail“. Das wiederum ist Teil des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020. „Shift2Rail“ will die Marktposition europäischer Schienenfahrzeughersteller durch eine verbesserte Qualität stärken. Leisere, komfortablere und zuverlässigere Züge sollen von europäischen Unternehmen entwickelt und auf einer europaweiten innovativen Schienennetzinfrastruktur betrieben werden. Auf diese Weise soll der Schienenverkehr zunehmend zu einer attraktiven Alternative angesichts wachsenden Personen- und Güterverkehrs werden und der Wechsel von der Straße auf die Schiene gelingen.

DESTINATE ist ein Verbundprojekt von acht Partnern aus sechs europäischen Ländern. Koordiniert wird es von Jenny Böhm am Fachgebiet Schienenfahrzeuge unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Hecht. Die Untersuchungen, die innerhalb des Projektes an seinem Fachgebiet durchgeführt werden, sind Messungen des Luft– und Körperschalls in Straßenbahnen. Unter dem Körperschall sind die Schwingungen von Bauteilen zu verstehen.

Die Messungen nehmen die TU-Wissenschaftler in Straßenbahnen im spanischen Valencia vor. Ihre erhobenen Daten sind die Grundlage für dreidimensionale Lärmkarten, die an der ETH Zürich erstellt werden. Die Lärm- und Schallaufnahmen sollen dazu führen, dass Straßenbahnen im Inneren so konstruiert werden, dass sie leiser sind. Mehr als 200.000 Euro hat Markus Hecht für die zweijährigen Forschungen eingeworben.

Ein zweites Vorhaben, an dem sein Fachgebiet beteiligt ist, ist DYNAFREIGHT. Ziel dieses Projektes ist es, innovative technische Lösungen zu finden, um die bei sehr langen Zügen auftretenden Längsschwingungen zu reduzieren, wobei der Fokus der Forschung auf langen Güterzügen liegt. „Züge von etwa 1,5 Kilometer Länge sind kostengünstiger als kurze Züge, aber sie haben mit dem Problem der Längsschwingungen bei einem Bremsvorgang zu kämpfen“, erklärt Markus Hecht. Diese Längsschwingungen können zum Zerreißen der Kupplungen und damit zum Auseinanderbrechen der Züge führen. Mit Hilfe eines am TU-Fachgebiet entwickelten Simulationsprogrammes wollen Markus Hecht und sein Team das Phänomen der Längsschwingungen untersuchen. Die unterschiedlichsten Bremsaktionen können mit dem Programm durchgespielt und schließlich Aussagen darüber getroffen werden, an welchen Stellen des Zuges und wie die Bremskräfte wirken. Am Ende des Projektes wollen die TU-Wissenschaftler in der Lage sein, Empfehlungen zu geben für Konstruktionen im pneumatischen und mechanischen Bereich, um die Längsschwingungen zu minimieren. „Auseinandergerissene Züge blockieren die Strecken. Solche Havarien müssen unbedingt verhindert werden, führen sie doch zu einer Beeinträchtigung des Personen- und Güterverkehrs mit dem leidigen Problem der Verspätungen“, so Hecht. Zwei Jahre werden die Arbeiten am Fachgebiet von Markus Hecht mit mehr als 110.000 Euro gefördert. Involviert sind zehn Partner aus sechs EU-Ländern.

Mit einem innerbetrieblichen Problem des Güterverkehrs beschäftigt sich das Vorhaben INNOWAG. Zu den elf Partnern aus sieben EU-Ländern gehört auch das TU-Fachgebiet Schienenfahrzeuge. In INNOWAG sollen neuartige Überwachungs- und vorbeugende Instandhaltungslösungen entwickelt werden mit dem Ziel, die Stillstandzeiten von Güterzügen signifikant zu verringern.

Ursache für die viel zu langen Stillstandzeiten sind die notwendigen, aber bislang zeitraubenden Überprüfungen der Waggons auf ihre Betriebssicherheit und Verkehrstauglichkeit durch den Wagenmeister. Diese technische Kontrolle nimmt vor jeder Abfahrt bis zu vier Stunden in Anspruch. Hecht will diese Überprüfungen automatisieren und auf 20 Minuten verkürzen. Sensoren, die an jedem Waggon installiert werden, sollen die notwendigen Daten für eine technische Überwachung auch im fahrenden Zustand liefern. Das Problem: Ein Güterzug verfügt über keine elektrische Energie. Batterien müssen in jedem Waggon eingebaut werden, um die Sensoren betreiben zu können. Auch stellt die Übertragung der gemessenen Daten eine Herausforderung dar. „Eigentlich“, so Hecht, „ist eine Übertragung nur per Funk denkbar.“ Zu der in den USA praktizierten Methode, die Güterwagen quasi zu röntgen, hat Hechts Sensor-Methode den Vorteil, spezifischere Informationen zu gewinnen zum Beispiel hinsichtlich Achsenbrüchen oder Entgleisungsvorhersagen. INNOWAG hat eine Laufzeit von 30 Monaten und wird an der TU Berlin mit circa 180.000 Euro gefördert.

Prof. Dr. Markus Hecht bei der Anhörung zum Verkehrslärm im EU-Verkehrsausschuss am 11. Oktober 2016 um 16:23:53 Uhr in Brüssel:
http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20161004IPR45481/committee-on-transport-and-tourism-meeting-1110206- (pm)

sn

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Markus Hecht
TU Berlin
Fachgebiet Schienenfahrzeuge
Tel.: 030/314- 25150

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