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Angezettelt. Antisemitismus im Kleinformat

Mittwoch, 06. Mai 2015

Medieninformation Nr. 91/2015

Ab 10. Mai: Ausstellung über antisemitische Aufkleber und gesellschaftlichen Widerstand in Wiesbaden

Das Aktive Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte in Wiesbaden zeigt vom 10. Mai bis 25. Juli 2015 in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin zahlreiche Originale aus der Sammlung Wolfgang Haney. Die Ausstellung erzählt mit bisher weitgehend unbekannten Exponaten eine Alltagsgeschichte der Judenfeindschaft und der Gegenwehr vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute.

Sie klebten fast überall: Klebemarken, Aufkleber oder „Spuckis“. Seit dem späten 19. Jahrhundert gab es die kostengünstigen Sticker, und sie wurden von Beginn an gesammelt, getauscht und im öffentlichen Raum verbreitet. Als Möglichkeit der politischen Agitation erfreute sich das neue Medium bei Antisemiten bald großer Beliebtheit. Auf Briefkästen, Schaufenstern und Liebesbriefen, in Telefonzellen und S-Bahnhöfen begegneten die Menschen den judenfeindlichen Bildern und Parolen. Doch jüdische Organisationen und Vereine wehrten sich bald gegen diese Hetze und bekämpften öffentlich die antisemitische Propaganda. „War je ein großer Geist Antisemit?“, ließ der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens auf einen Klebezettel drucken.

Eröffnung
Die Eröffnung von „Angezettelt. Antisemitismus im Kleinformat“ findet am Sonntag, dem 10. Mai um 17 Uhr in der Bibliothek des Aktiven Museums, Spiegelgasse 9, Wiesbaden statt. Astrid Stephan, Stadtjugendpfarrerin und Mitglied des Vorstands des Aktiven Museums begrüßt die Gäste. Die Kuratorin der Ausstellung Dr. Isabel Enzenbach vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin führt in die Ausstellung ein. Musikalisch gerahmt wird der Abend von Prof. Konrad Löffelholz mit der Querflöte.

Altes Medium – neue Feindbilder
„Schöner leben ohne Schuldkult“ heißt es auf einem antisemitischen Aufkleber der Gegenwart. Die Leugnung des Holocaust, die Abwehr von Schuldanerkennung und Erinnerung sowie eine Täter-Opfer-Umkehr sind typische Formen des Antisemitismus nach Auschwitz.
Der Aufkleber als kleinformatiges Medium erfüllt auch in der Gegenwart wichtige Funktionen innerhalb der sozialen Kommunikation in rechtsradikalen Milieus. Heute wie damals wird die Zugehörigkeit bestimmter Gruppen zur deutschen Gesellschaft abgestritten und mit rassistischen Parolen werden Machtpositionen verteidigt. Das Spektrum der attackierten Gruppen hat sich infolge der Migrationsgeschichte nach 1945 allerdings erweitert und verlagert. Die ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt sowie die Vielfalt der Lebensformen in Deutschland werden infrage gestellt.

Die Ausstellung
Mehrere 100 Originalobjekte wie Klebezettel, Sammelalben, Beschwerdebriefe und historische Fotos bezeugen die antisemitische Propaganda und ihre Gegenwehr. Sie sind in sieben Themenräumen – von „Judenfeindliche Aufkleber“ über „Bilder und Botschaften“ bis zu „Sticker und Stigma heute“ – historisch eingerahmt und leiten den Besucher durch die Ausstellung. Kurzfilme und Bilderloops zeigen rechtsradikale Graffitis sowie Formen des modernen Widerstands und porträtieren den Sammler Wolfgang Haney.

Der Sammler
Wolfgang Haney wurde 1924 als Kind einer jüdischen Mutter in Berlin geboren. Er war im Nationalsozialismus unterschiedlichen Repressalien ausgesetzt, seine Mutter überlebte in einem Versteck. Nach 1945 studierte Wolfgang Haney an der Staatsbauschule. Bis zu seiner Pensionierung 1991 arbeitete er als Tiefbauingenieur. In den 1990er Jahren wurde er auf judenfeindliche Postkarten aufmerksam. Wolfgang Haney verfügt über eine einzigartige Spezialsammlung geld- und zeitgeschichtlicher Materialien zum Antisemitismus sowie zu den Konzentrationslagern und Gettos der NS-Zeit.

Partner
„Angezettelt“ wurde vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin in Zusammenarbeit mit dem Museum für Kommunikation Frankfurt entwickelt, die Gestaltung besorgte die Agentur hauser lacour. Erstmalig gezeigt wurde „Angezettelt“ 2014 im Museum für Kommunikation Frankfurt. Das Zentrum für Antisemitismusforschung entwickelte mit dem Studio Tonique in Frankfurt eine mobile Version, die erstmalig im Aktiven Museum Spiegelgasse Wiesbaden zu sehen ist.

Begleitprogramm
Die Jugendinitiative Spiegelbild bietet Führungen für Erwachsene, Schulklassen und Gruppen nach vorheriger Vereinbarung an.
Kontakt: Nicole Werner, Tel.: 0611/3608305, E-Mail: nicole.werner@spiegelbild.de [1]

Öffnungszeiten 
Donnerstag und Freitag 16–18 Uhr, Samstag 11–13 Uhr

Eintritt 
Der Eintritt ist frei.

Ort
Aktives Museum, Spiegelgasse 9, 65183 Wiesbaden

ehr

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Pressekontakt:

TU Berlin
Zentrum für Antisemitismusforschung
Dr. Isabel Enzenbach
Tel.: 030/314-79871
E-Mail-Anfrage [2]

Aktives Museum
Prof. Dr. Karlheinz Schneider
E-Mail-Anfrage [3]
www.am-spiegelgasse.de/willkommen-in-der-spiegelgasse/ausstellungen/aktuelle-ausstellungen
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