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TU Berlin

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Der Erste Weltkrieg als Wendepunkt?

Dienstag, 05. August 2014

Medieninformation Nr. 151/2014

Ein Forschungskolleg untersucht die Entwicklung und Radikalisierung des Antisemitismus in Europa

Eine gravierende Folge der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, des Ersten Weltkriegs, war die Radikalisierung des Antisemitismus, die vor allem in Ostmittel- und Zentraleuropa zu beobachten war. In Deutschland hatten Kriegserfahrungen und Fronterlebnisse verhängnisvolle Wirkungen auf die Entstehung des Nationalsozialismus und die Ausprägung des nationalsozialistischen Antisemitismus. Ein internationales Forschungskolleg am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin versucht, die bisher kaum erörterten Fragen zu klären, inwiefern der Krieg diese Wirkung auf die europäischen Gesellschaften hervorgerufen hat, welche Unterschiede in den verschiedenen Ländern auszumachen sind oder ob der Krieg Katalysator von Entwicklungen war, die bereits im 19. Jahrhundert angelegt waren.

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Situation ambivalent. In den neuen Staaten, die aus dem Erbe der Habsburgermonarchie hervorgegangen waren, setzte, ebenso wie in Deutschland, zunächst ein Prozess einer Demokratisierung ein. Er kam zugleich den Juden zugute und brachte ihnen Rechte, die ihnen zuvor noch verweigert worden waren. Welche Entwicklung die neuen Demokratien nehmen würden, war zunächst noch offen.

In den Mittelmächten hatten die Kriegserfahrungen verheerende sozialmoralische Folgen. Sie führten zusammen mit der unverarbeiteten Niederlage und dem Revolutionserlebnis zu einer Radikalisierung des Antisemitismus. In den Westmächten hingegen schien sich die antisemitische Agitation eher zu legen. Anders wiederum war die Situation in Rumänien und Polen, die beide vom Ausgang des Krieges profitiert hatten. Rumänien, einer der großen Gewinner des Krieges, hatte sich schon vor dem Krieg durch einen extremen Antisemitismus ausgezeichnet, der nun in den erheblich vergrößerten Staat einging. Polen hatte das Problem, die drei zuvor dem Habsburgischen und Russischen Imperium sowie dem Deutschen Reich zugehörigen Landesteile zu einem neuen Nationalstaat zusammenzuführen. In diesem Kontext kam es zu extremen Formen antisemitischer Gewalt.

In dem Forschungskolleg „Der Erste Weltkrieg und die Konflikte der europäischen Nachkriegsordnung (1914-1923) oder Die Radikalisierung des Antisemitismus in Europa“ arbeiten internationale Stipendiaten an ihren Promotionsprojekten zu den Entwicklungen in Serbien/Jugoslawien, Polen, Ungarn, Frankreich, Russland und früher Sowjetunion, Rumänien, Belgien, der Weimarer Republik, Italien und Österreich. Zum Teil entstammen die Stipendiaten selbst diesen Ländern und werden jeweils in Zusammenarbeit mit Universitäten ihrer Heimatländer beziehungsweise ihren Heimatinstitutionen betreut. Außerdem entsteht eine Familienbiografie über die deutsch-französisch-jüdische Familie Frank, die über das Leo Baeck Fellowship Programm finanziert wird, sowie eine Gesamtdarstellung über die Entwicklungen in Europa, die vom wissenschaftlichen Leiter des Kollegs, Prof. Dr. Ulrich Wyrwa, erarbeitet wird.

Finanziert von der Berliner Einstein Stiftung – eine Arbeit wird von der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert – wird das Kolleg gemeinsam von den Professoren Werner Bergmann (TU Berlin) und Ulrich Wyrwa (TU Berlin/Universität Potsdam) in Zusammenarbeit mit den Professoren Jörg Baberowski (HU Berlin) und Uwe Puschner (FU Berlin) geleitet.

Das 1982 gegründete Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zählt zu den weltweit bedeutendsten Einrichtungen seiner Art. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die interdisziplinäre Grundlagenforschung zum Antisemitismus in seinen vielfältigen Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen in Vergangenheit und Gegenwart.

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Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Ulrich Wyrwa
Technische Universität Berlin
Fakultät I Geisteswissenschaften
Zentrum für Antisemitismusforschung
Tel.: 030/314-25851

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