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Der 11. September und seine sprachlichen Bilder

Donnerstag, 01. September 2011

Medieninformation Nr. 252/2011

Ein DFG-Projekt untersucht, wie geistige Vorstellungen von Terrorismus über Metaphern ausgedrückt werden

Der globale islamistische Terrorismus ist ein politisch brisantes Thema, das im öffentlichen Diskurs immer wieder intensiv erörtert wird. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 hat die Diskussion an Vehemenz zugenommen und das öffentliche Bewusstsein stärker für das Problem sensibiliert.

In dem Projekt „Aktuelle Konzeptualisierungen von Terrorismus – expliziert am Metapherngebrauch im öffentlichen Diskurs nach dem 11. September 2001“ untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Berlin, wie geistige Vorstellungen von Terrorismus über die Verwendung von Metaphern zum Ausdruck gebracht werden und wie diese im Hinblick auf das textuelle Emotions- und Überredungspotenzial (Persuasionspotenzial) zu charakterisieren sind. Grundlage ist ein umfangreicher Textkorpus von Artikeln der seriösen Presse und der Boulevardzeitungen zum öffentlichen Diskurs in Deutschland nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Das Vorhaben wird am Fachgebiet Allgemeine Linguistik unter Leitung von Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Terrorismus wird in den Medientexten oft über Metaphern charakterisiert, zum Beispiel „Terrorismus, eines der Krebsgeschwüre unseres Jahrhunderts“. Metaphern sind sprachliche Ausdrucksvarianten der übertragenen Bedeutung mit zum Teil ungewöhnlichen Konzeptkombinationen. Über die Relationen der metaphorisch kodierten Konzepte werden geistige Vorstellungen (Konzeptualisierungen) etabliert, in denen der jeweilige Gegenstand oder Sachverhalt auf spezifische Art betrachtet und evaluiert wird. So wird  zum Beispiel in der Aussage „Der 11. September war ein furchtbares Beispiel für einen höchst destruktiven Tumor“ der Terrorismus als Krebsgeschwür betrachtet, das die Merkmale „tödlich, unheilbar, unkalkulierbar“ aktiviert. Perspektivierung und Evaluierung besitzen dabei ein bestimmtes Emotionspotenzial zum Beispiel „beängstigend, abstoßend“ und implizieren häufig indirekte Handlungsaufforderungen wie „muss erforscht, muss besiegt werden“. Je nach metaphorisch ausgedrückter Perspektivierung und Argumentation wird das Phänomen des Terrorismus in manchen Medientexten dämonisiert, in anderen dagegen relativiert. Dadurch werden die Ängste und Sorgen der Leser entweder intensiviert oder beruhigt beziehungsweise in bestimmte Denk-, Deutungs- und Erklärungsmuster eingepasst. Metaphern sind somit genuiner Bestandteil des persuasiven, also des überredenden Potenzials von Texten.

Ein innovativ-integrativer Ansatz, der kognitions- und diskurslinguistische Methoden verbindet, gewährleistet dabei umfassende und valide Einblicke in die mediale Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema Terrorismus. Das Forschungsprojekt ist somit nicht nur von linguistischer, sondern auch von großer gesellschaftspolitischer Relevanz.

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Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel
Fachgebiet Allgemeine Linguistik
Institut für Sprache und Kommunikation
TU Berlin
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
Tel.: 00 972 26 710 525 (Jerusalem)

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