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TU Berlin

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Vermischtes

Internet-Fasten für das Klima

Montag, 10. Februar 2020

Die nachhaltige digitale Transformation erfordert kritisches Verhalten aller und politische Gestaltung

Lupe

Die Digitalisierung bringt uns voran, vereinfacht die Kommunikation, das Wirtschaftsgeschehen, die Mobilität und viele weitere Aspekte des Lebens. Und sie dient auch der Unterhaltung. Doch das hat auch Auswirkungen auf das Klima. Das Streaming von Videos macht derzeit über 60 Prozent des täglichen weltweiten Datenvolumens aus. 2018 generierte der Konsum von Netflix, Google und Co. 300 Megatonnen CO2 – denn der benötigte Strom kommt keineswegs zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Und das Datenvolumen wächst weiter rasant. Tilman Santarius, Professor für „Sozial-ökologische Transformation und nachhaltige Digitalisierung“ am Einstein Center Digital Future (ECDF) an der TU Berlin sieht deutlichen Handlungsbedarf und schlägt ein zeitweiliges „Internet-Fasten“ vor, wenn wir das positive Potenzial der Digitalisierung nachhaltig und zukunftsfähig nutzen wollen.

Das Streaming von Videos hat zu einer enormen Datenexplosion geführt, und es wird erwartet, dass auch von dem zukünftig wachsenden Datenvolumen rund zwei Drittel auf das Konto des Streamings gehen. Auch konkurriert der hohe Stromver-brauch mit anderen Anwendungen. Im Jahr 2019 berechnete eine französische Studie, dass Streaming so viel CO2 verursa-che wie der weltweite Flugverkehr. Diese Berechnungen basieren auf Annahmen und mögen etwas zu hoch angelegt sein. Doch auch Kolleg*innen aus Bristol haben berechnet, dass allein YouTube weltweit mit zehn Megatonnen CO2 mehr Emis-sionen verursacht als Industriestädte wie Frankfurt oder Glasgow mit rund 700 000 Einwohner*innen. Und dabei ist bereits berücksichtigt, dass die Rechenzentren von Google zum Großteil mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Die neuen Initiativen, für Kurzstrecken möglichst auf Flüge zu verzichten, sind begrüßenswert – der Begriff „Flugscham“ macht der-zeit die Runde. Tatsächlich verursacht ein einziger transatlantischer Flug so viel CO2 wie Tausende Stunden Streaming.

Dennoch finde ich auch eine „Binge-Watching-Scham“ durchaus angebracht. Denn der mit Abstand größte Anteil des Stromverbrauchs beim Streaming fällt nicht in Googles, Amazons und Netflix’ Rechenzentren an, sondern beim Betrieb der Mobilfunknetzwerke und bei den Endgeräten. Entscheidend für die nachhaltige digitale Transformation ist also, dass Nutzer*innen ihren Konsum mäßigen und zudem nur noch grünen Strom beziehen und dass alle Nutzer*innen digitale Anwendungen bewusst und für gesellschaftlich sinnvolle Zwecke einsetzen. So gibt es ja sehr gute Videos, die auch nachhaltiges Verhalten fördern: Do-it-yourself-Anleitungen, wie man sein Smartphone oder seinen Rasenmäher selbst reparieren kann, Massive Open Online Courses für Bildungszwecke und vieles mehr. Eine völlige Abstinenz vom Streaming ist daher nicht nur unrealistisch, sondern unterbewertet auch dessen positive Potenziale. Eins ist jedoch klar: Rund um die Uhr, unterwegs und mobil immer mehr Spielfilme zum Zeitvertreib zu schauen, macht unsere Gesellschaft kaum zukunftsfähiger.

Wir brauchen daher neben einem kritischeren Verhalten der Nutzer*innen dringend mehr politische Gestaltung für die soziale und ökologische Transformation der Gesellschaft: Anreize zur beschleunigten Entwicklung wichtiger digitaler Anwendungen wie kommunaler Plattformen für multimodale Mobilität und Regulierungen wie Energie-Steuern, Verbrauchsstandards für Rechenzentren oder sogar eine Besteuerung von Datenströmen.

www.transformation.tu-berlin.de 
www.santarius.de 
www.nachhaltige-digitalisierung.de 

TU intern 1/2020, Tilman Santarius

Wie TU-Studierende es mit dem Streaming halten

Auf dem Weg zur Uni Musik hören oder zwischen den Vorlesungen ein YouTube-Video schauen: Digitale Streaming-Dienste sind bequem, praktisch und machen CDs und Blu-rays aus Plastik überflüssig. Doch der digitale Konsum via Netflix, Spotify und Co. verschlingt Unmengen an Strom. Was wissen TU-Studierende über die Klimaschädlichkeit des Online-Streamings und wie gestalten sie ihren Alltag nachhaltiger? „TU intern“ hat nachgefragt.

Luisa, 27, Human Factors (Master)

Lupe

Ich schaue vor allem Videos auf Netflix und YouTube. Dass Streaming dem Klima schadet, wusste ich nicht, überrascht mich aber auch nicht. Manche Dienste werben ja sogar damit, dass sie erneuerbare Energien nutzen. Ich versuche, nachhaltiger zu leben, indem ich das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel nutze und auf Flugreisen für Kurztrips verzichte. Auch Online-Shopping vermeide ich, wobei das schwierig ist, da viele Anbieter gar keine richtigen Stores mehr haben.

Anne-Sophie, 17, Verkehrswesen (Bachelor)

Lupe

Ich gehe lieber mit Freunden ins Kino oder schaue zu Hause eine DVD, als Filme online zu streamen. Der Konsequenzen für das Klima war ich mir nicht bewusst, eher dessen, dass digitale Medien viel Zeit verschlingen. Ab und zu nutze ich YouTube, um Musikvideos zu schauen oder mich über mein Hobby Eiskunstlauf zu informieren.

Floris, 28, Lehramt Arbeitslehre und Sport (Bachelor)

Lupe

Ich habe keinen Fernseher und bin daher auf Streaming-Dienste angewiesen, ich übertreibe es aber nicht. Am Tag sehe ich rund ein bis zwei Stunden Videos. Von der schlechten Klimabilanz des Streamings habe ich schon gehört und versuche deshalb, bewusst zu streamen. Zum Beispiel schaue ich nicht alles in höchster Qualität und Auflösung.

Nina, 22, Stadt- und Regionalplanung (Master)

Lupe

Musik ist mir extrem wichtig, und daher nutze ich Spotify und Co. sehr viel. Dass Streaming CO2-Emissionen verursacht, habe ich mir gedacht. Meinen Konsum hat es aber nicht sehr beeinflusst. Ich versuche, es durch Nachhaltigkeit in anderen Bereichen auszugleichen. Zum Beispiel nutze ich Technik, bis sie kaputtgeht, kaufe wenig neue Klamotten und mehr Bioprodukte. Aber wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ginge da noch mehr.

Friedrich, 20, Verkehrswesen (Bachelor)

Lupe

Freunde haben mir davon erzählt, wie klimaschädlich die Nutzung von Streaming-Diensten ist. Ich habe aber sowieso wenig Zeit dafür. Abends schaue ich auf YouTube ein paar Videos, aber Filme kann man sich auch in der Videothek holen. Wichtig ist mir vor allem, auf Flugreisen zu verzichten und beim Einkauf auf regionale Produkte zu achten.

TU intern 1/2020, Romina Becker

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