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Besser Bauen mit Zement, Kalk und Beton

Freitag, 26. Juli 2013

Vor dem Ersten Weltkrieg machte Max Gary die Materialprüfung zur Forschungsaufgabe

Max Garys Ruhestätte auf dem Dahlemer St.-Annen-Kirchhof
Lupe

Wer kennt nicht die Dahlemer Garystraße, die die Clayallee mit der Thielallee verbindet und an der sich auch der bekannte Henry-Ford-Bau mit der FU-Bibliothek befindet? Der Namensgeber Max Gary, Absolvent der Technischen Hochschule Berlin des Jahres 1884, hat seine familiären Wurzeln in Odessa. Der Geheime Regierungsrat Dr.-Ing. e. h. Max (Louis Wilhelm Richard) Gary war einer der ersten Ansiedler und der erste Vorsitzende der Freien Vereinigung Dahlemer Villenbesitzer. Bis zu seinem Tode vor neunzig Jahren wohnte er „Unter den Eichen 91“.

Nach seinem Studium war Max Gary bis 1889 Assistent an der damaligen Prüfungsstation für Baumaterialien, die damals der TH angeschlossen war. Aus ihr ging später die Mechanisch-Technische Versuchsanstalt hervor, deren Vorsteher Emil Paul Böhme (1838–1894), die bekannte „Böhmescheibe“ entwickelte, ein Prüfgerät zur Messung von Verschleißwiderständen in Werkstoffen. 1895 wurde Max Gary dessen Nachfolger.

Als Sohn eines Kaufmanns aus Odessa, der sich als Prokurist einer Handelsfirma im thüringischen Erfurt niedergelassen hatte, wurde Gary am 15. August 1859 nahe dem Flüsschen Gera geboren. Von 1881 bis 1884 studierte er Ingenieurwissenschaft und Architektur an der TH Berlin und war anschließend Assistent bei Professor Böhme. Danach arbeitete Gary bis 1891 als Aufsichtsbeamter bei der Steinbruch-Berufsgenossenschaft und wirkte zugleich bis 1895 als Schriftleiter der „Thonindustrie-Zeitung“. Im gleichen Jahr folgte er seinem Lehrer Professor Böhme in der Mechanisch-Technischen Versuchsanstalt als Leiter nach. Max Gary war studentisches Mitglied im Corps „Saxonia“ gewesen, dem auch Emil Paul Böhme angehörte. Garys 28 Amtsjahre galten als außerordentlich erfolgreiche Periode. Er baute die Abteilungen nach neuen Grundsätzen vorbildlich aus und verhalf ihnen durch seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Baustoffkunde, vor allem zur Mörtel- und Betontechnik, zu einem Ansehen, das damals – vor dem 1. Weltkrieg – national und international geschätzt wurde. 1917 erhielt Gary für seine Verdienste die Würde eines Dr.-Ing. e. h. von der TH Stuttgart verliehen. In unmittelbarer Nachbarschaft zu seiner Arbeitsstelle, dem Materialprüfungsamt, das an der damaligen Potsdamer Chaussee 97 stand (heute: Unter den Eichen 91), ließ Gary sich 1902/03 von dem Architekten Felix Lindhorst (1867–1955) eine repräsentative Villa errichten. Dort wohnte er zusammen mit der Kaufmannstochter Leopoldine Bahlsen, die er 1890 ehelichte, dem Sohn und den beiden Töchtern. Er regte an und führte viele Versuchseinrichtungen in die Materialprüfung ein. Besonderen Anteil nahm er an Neuregelungen der Normen für Zement, Kalk und andere Baustoffe. In dieser Zeit wurde Beton zu einem immer häufiger angewandten Baumaterial. Auch als Mensch war Gary bei seinen Kollegen sehr geschätzt. Er war ein glänzender Redner und verstand es – besonders durch seinen sonnigen Humor –, zu unterhalten und zu begeistern. Aber Gary war nicht nur ein guter Rhetoriker, sondern auch ein emsig Schreibender. Viel geehrt, starb er plötzlich – erst 63-jährig und noch mit vielen Plänen im Kopf – am 9. April 1923 in Dahlem. Seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen evangelischen St.-Annen-Kirchhof. Auch die „Villa Gary“ existiert noch und steht heute unter Denkmalschutz.

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz: www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 7/2013

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