TU Berlin

TUB-newsportaltui0513: Viele Wege führen in die Zukunft

Inhalt des Dokuments

zur Navigation

Vermischtes

Viele Wege führen in die Zukunft

Freitag, 17. Mai 2013

An dem Zukunftsforscher Robert Jungk schieden sich die Geister

Robert Jungk und seine Ehefrau fanden ihre letzte Ruhe auf dem Jüdischen Friedhof in Salzburg
Lupe

Er war Berliner und Weltbürger. Zwei seiner Bücher, "Die Zukunft hat schon begonnen" (1952) und "Heller als tausend Sonnen" (1956), wurden Bestseller. Wirklich prominent aber machte ihn das Buch "Der Atomstaat" (1977). Mit dem späteren Zukunftsforscher Norbert Müllert entwickelte er 1981 die Theorie und Praxis der "Zukunftswerkstätten". Müllert gehörte zu seinen begeisterten Studenten an der TU Berlin. Am 11. Mai 2013 wäre Robert Jungk 100 Jahre alt geworden.

Zunächst schien der Ruhm des Zukunftsforschers Robert Jungk hierzulande selbst keine Zukunft zu haben. Im angelsächsischen Raum galt er dagegen als Pionier der "future studies". Doch inzwischen erwachte auch hier neues Interesse an Leben und Werk des Wissenschaftsjournalisten. 1913 in eine Theater- und Filmfamilie hineingeboren, fiel seine Jugend in die "Goldenen Zwanziger", in denen Berlin ein Experimentierfeld der Moderne war. Bereits als Schüler lernte Jungk im deutsch-jüdischen Wanderverein das Diskutieren und entdeckte seine Liebe zur Natur. Früh interessierte er sich für die Filmkunst sowie, angeregt durch den "rasenden Reporter" Egon Erwin Kisch für kritischen und aufklärenden Journalismus. 1932 begann er ein Philosophie-Studium an der Berliner Universität, engagierte sich gegen die Nazis, wurde am Tag des Reichstagsbrandes verhaftet, kam frei und ging ins Pariser Exil. Von 1933 bis 1935 studierte er an der Sorbonne Psychologie und Soziologie und arbeitetete für Filmprojekte von Georg Wilhelm Pabst und Max Ophüls. 1936 kam er illegal nach Deutschland zurück, um Kontakt zu Widerstandsgruppen aufzunehmen. Später setzte er seine kritische Pressedienstarbeit in Prag fort. Hier begann seine Freundschaft mit dem Künstler Peter Weiss. 1944 promovierte Jungk in Zürich über Pressefreiheit in der Schweiz. Unter Pseudonym verfasste er Artikel über das "Dritte Reich" für die Züricher "Weltwoche". Das brachte ihm eine mehrmonatige Internierung ein. Nach Kriegsende berichtete er als Korrespondent der "Weltwoche" über den Nürnberger Prozess. Im September 1946 sandte ihn die Zeitung erstmals in die USA. Hier fand er sein Lebensthema: die Ambivalenz der modernen Wissenschafts- und Technologieentwicklung, wie sie exemplarisch bei Nuklearenergie und Kernwaffen zu beobachten war, und die damit zusammenhängende Frage nach der Verantwortung des Wissenschaftlers.

1949 heiratete Jungk in Washington Ruth Suschitzky. Sohn Peter Stephan wurde 1952 geboren, und Jungks erster Bestseller "Die Zukunft hat schon begonnen" erschien. Darin warnte er vor einem unkritischen Technikoptimismus und forderte eine Technikfolgenabschätzung. Mit "Heller als tausend Sonnen" wollte Jungk die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, dass mit der Nukleartechnologie unvorhersehbare Gefahren verbunden seien. Ende der 50er-Jahre kehrte er nach Europa zurück und engagierte sich für Abrüstung in der Anti-AtomBewegung. Er gründete 1964 in Wien sein "Institut für Zukunftsforschung". Seine Art der Prognostik sollte der Früherkennung von Fehlentwicklungen dienen. Die erste Vorlesung als Honorarprofessor an der TU Berlin zum Thema Zukunftsforschung hielt Jungk 1968. Er blieb bis 1975 und war Kuratoriumsmitglied des außeruniversitären Zentrums Berlin für Zukunftsforschung (ZBZ), das Prof. Heinz Hermann Koelle, Leiter des TU-Instituts für Raumfahrttechnik, 1968 gründete. Dann erschien das umstrittene Buch "Der Atomstaat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit" (1977), an dem sich internationale Geister schieden. Er selbst nannte sich einmal einen "Agitator fürs Überleben". 1986 eröffnete der Bücherfreund die "Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen" in Salzburg. Zu den vielen Ehrungen, die ihm zuteilwurden, gehörte der "Alternative Nobelpreis" (1986). Robert Jungk starb am 14. 7. 1994. Sein Grab, ein Ehrengrab der Stadt Salzburg, befindet sich auf dem dortigen Jüdischen Friedhof.

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 5/2013

Die Serie "Orte der Erinnerung" im Netz: www.tu-berlin.de/?id=1577

"Zukunft gewinnen"

Zum 100. Geburtstag des verstorbenen Zukunftsforschers Robert Jungk erinnert ein Symposium von 27 Organisationen am 22. Mai 2013 an das Wirken Jungks in der Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung sowie als Vordenker der Zukunftsforschung.
Zeit: Mittwoch, 22. 5. 2013, 9.30 bis 22.00 Uhr
Ort: Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen, Hiroshimastraße 12–16, 10785 Berlin
www.boell.de/calendar

Navigation

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe