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TU Berlin

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Vater der israelischen Ingenieure

Montag, 28. Januar 2013

Max Kurrein war vor 80 Jahren einer der ersten von Hitler vertriebenen Wissenschaftler

Der Ingenieur Max Kurrein in seinem Arbeitszimmer im Technion Haifa
Lupe

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler. Danach ereignete sich in Deutschland Ungeheuerliches. Viele glaubten an eine „nationale Erhebung“. Doch tatsächlich wurden die staatsbürgerlichen Rechte von Menschen jüdischer Herkunft und von politisch Missliebigen aberkannt. Max Kurrein (1878–1967) gehörte zu jenen ersten Mitarbeitern der TH Berlin, die unmittelbar betroffen waren. Bereits Mitte Januar 1933 inszenierte die NSDAP-Landtagsfraktion eine „Große Anfrage“, in der unterstellt wurde, Kurrein habe als „jüdischer Professor“ und Gutachter in Patentrechtsfällen deutschen Firmen geschadet. Nach dem Verlust seiner Professur rettete schließlich 1934 die Berufung an das „Technion“ in Haifa, das damals unter britischem Mandat stand, Max Kurrein und seine Familie.

In Linz als Sohn eines Oberrabbiners geboren, wuchs er in Teplitz auf. Hier besuchte Max Kurrein das Humanistische Gymnasium. Nach der Matura „mit Auszeichnung“ begann er ein Ingenieurstudium an der Technischen Hochschule Prag. Mit 22 Jahren erwarb er das Ingenieurdiplom. In Prag promovierte er 1904 zum „Dr. techn.“. Anschließend arbeitete er als „chief designer“ in Birmingham. Danach leitete er in Düsseldorf eine Versuchsabteilung für Werkzeugmaschinen. 1911 wechselte Kurrein nach Berlin und wurde für 22 Jahre Mitarbeiter von Georg Schlesinger, dem Ordinarius für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetriebe an der Technischen Hochschule, der Vorgängerin der TU Berlin. Zunächst war Kurrein Assistent, später leitete er als Oberingenieur das Versuchsfeld für Werkzeugmaschinen. Nach der Habilitation begann seine Tätigkeit als Hochschullehrer. Doch 1915 wurde er zum österreichischen Militär einberufen und wirkte als Landsturm-Ingenieur bis Kriegsende in einer Wiener Kanonenfabrik. 1918 heiratete er Charlotte Blau (1894–1983), eine der ersten Physik-Studentinnen bei Max Planck. Das Paar bekam zwei Kinder. Kurrein, seit 1921 außerordentlicher Professor, widmete sich in Theorie und Praxis vor allem Fragen der Messtechnik und der Normung. Für ihn war der „wichtigste Teil der Werkzeugmacherei … das Messen und Kontrollieren der Werkzeuge bei der Herstellung und vor der Einlagerung“.

Von den mehr als 500 wissenschaftlichen Arbeiten, die am Schlesinger-Institut zwischen 1918 und 1933 für die „Werkstatttechnik“ geschrieben wurden, stammte ein Drittel aus seiner Feder. In den 1920er-Jahren bekam Kurrein vom Kultusministerium die Lizenz, als technischer Gutachter vor Gericht aufzutreten. Im Patentrechtsstreit der US-Firma „Gillette“ gegen den Neuköllner Ingenieur und Maschinenfabrikanten Alfred Schüßler fiel ihm die Gutachteraufgabe zu. Obgleich „Gillette“ in allen Instanzen Recht bekam, gab Schüßler nicht auf und unterstellte Kurrein Bestechlichkeit. Diese Vorwürfe wurden in weiteren Verfahren entkräftet. Doch noch vor Hitlers Machtantritt nahmen sich die Nazis der „Sache“ an und starteten eine Kampagne gegen ihn. Bald kippte die Stimmung. Kurrein wurde – wie auch Schlesinger – Opfer antisemitischer Lügen.

Im März 1933 erlebte er die Durchsuchung seiner Wohn- und Diensträume, im April kam er in „Schutzhaft“ und am 6. September 1933 erhielt er Lehrverbot. Kurrein folgte 1934 mit seiner Familie dem rettenden Ruf an das Haifaer Technion. Hier baute er die technologisch-industrielle Fakultät auf. Diese Pionierarbeit machte ihn zum „Vater der israelischen Ingenieure“. Emeritus wurde er 1958 und blieb – immer noch lehrend – Dekan der Maschinenbaufakultät. Max Kurrein starb am 8. August 1967, seine letzte Ruhe fand er in Haifa.

* Bildnachweis: Aus: Günter Spur, Wolfram Fischer (Hrsg.): Georg Schlesinger und die Wissenschaft vom Fabrikbetrieb, Hanser-Verlag, München, Wien 2000

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 1/2013

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Von 1997 bis 1999 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Projekt "Leben und Wirken jüdischer Betriebswissenschaftler der Technischen Hochschule zu Berlin: ein Beitrag zur Geschichte ingenieurwissenschaftlicher Lehre und Forschung in Deutschland und in der Emigration", das am Produktionstechnischen Zentrum der TU Berlin bearbeitet wurde. Daraus entstand das Buch, das diesem Artikel zugrunde liegt:

Günter Spur, Wolfram Fischer (Hrsg.)
Georg Schlesinger und die Wissenschaft vom Fabrikbetrieb.
Carl Hanser Verlag München, Wien, 2000

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