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Der Architekt des Neuen Bauens

Montag, 19. November 2012

Hans Scharoun: Visionär einer urbanen, sozialen und menschenfreundlichen Stadt

Das Berliner Ehrengrab für Hans Scharoun auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof
Lupe

Professor der TU Berlin und Ehrenbürger der Stadt Berlin - diese ehrenvolle Mischung umschreibt treffend Leben und Werk von Hans Scharoun. Am 25. 11. 1972 - vor vierzig Jahren - hat sich sein Leben vollendet. Zu seinen prägnantesten Bauten gehören im Nachkriegs-Berlin die Philharmonie und die Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße. "Ein selbstständiger Architekt soll sich nicht von Sensationen, sondern von Reflexionen leiten lassen" war das Motto seines Lebens.

Am 20. September 1893 als Sohn eines Brauereibesitzers in Bremen geboren, wuchs er in Bremerhaven auf, erwarb das Abitur am dortigen Humanistischen Gymnasium. 1912 kam er nach Berlin, um Architektur an der TH Charlottenburg zu studieren. Mit Kriegsausbruch 1914 endete das Studium und er ging in einem Militärbaukommando zum Wiederaufbau ins kriegsbeschädigte Ostpreußen, wo er nach Kriegsende als freier Architekt tätig war. 1923 beteiligte er sich an der Internationalen Architekturausstellung im Weimarer Bauhaus, 1925 ging er als Professor an die Akademie für Kunst und Kunstgewerbe nach Breslau, wo er bis 1932 blieb. Später nannte er diese Zeit seine "fruchtbarsten Jahre".

Scharoun gehörte zur Generation des "Neuen Bauens", wie Walter Gropius, Bruno Taut, Erich Mendelsohn und Hugo Häring, die durch schwungvolle Dynamik und ein neues Material- und Umweltverständnis auffielen. Ab 1926 gehörte er zur progressiven Architektenvereinigung "Der Ring", zu der auch Ludwig Mies van der Rohe, Max und Bruno Taut zählten. Scharoun war einer der Baumeister der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, die - hart umstritten - als Durchbruch der Moderne galt. In den letzten Republikjahren entwarf und baute er viele Häuser in Groß-Berlin, unter anderem die Siemenssiedlung in Jungfernheide. 1932 wurde Berlin endgültig seine Heimat. Doch mit Beginn der NS-Zeit galt das "Neue Bauen" als "undeutsch". Hans Scharoun blieb dennoch und baute vor allem moderne Einfamilienhäuser für Privatleute - auch für die späteren TU-Kollegen, die Gartenarchitekten Hermann Mattern und Herta Hammerbacher.

Nach Kriegsende ernannte ihn die sowjetische Militärverwaltung zum ersten Nachkriegs-Stadtbaurat von Groß-Berlin. Als Mitglied des "Planungskollektivs" entwarf er - gestützt auf Erfahrungen des "Neuen Bauens" und auf die Vision einer urbanen, sozialen und menschenfreundlichen Stadt - Neubaupläne für Berlin, die auch im kriegsbeschädigten Stadtschloss als Ausstellung "Berlin plant" gezeigt wurden. Obgleich radikal und modern, fanden Scharouns Pläne im Berlin des beginnenden Kalten Krieges keine Zustimmung. So engagierte er sich für die Neugestaltung des Lehrbetriebs an der TU Berlin und hatte von 1947 bis 1958 den Lehrstuhl für Städtebau inne. Übrigens wurden seine Entwürfe der "Laubenganghäuser" in der Ostberliner Karl-Marx-Allee neben den Zuckerbäckerbauten von Hermann Henselmann realisiert. Nach seiner Emeritierung prägte er noch viele Jahre die Architektur in West-Berlin. Als erster Präsident und späterer Ehrenpräsident der Akademie der Künste engagierte er sich zugleich kulturpolitisch. Weltweit anerkannt, mit Ehrentiteln, Orden und Auszeichnungen geehrt, starb Hans Scharoun am 25. 11. 1972. Sein Grab, ein Berliner Ehrengrab, befindet sich auf dem Waldfriedhof in Zehlendorf.

Die Serie "Orte der Erinnerung" im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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