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Meister der Experimentierkunst

Freitag, 12. Oktober 2012

Mit seinen Untersuchungen bestätigte Heinrich Rubens die neue Physik

Das Grab von Heinrich Rubens auf dem St.-Matthäus-Kirchhof
Lupe

Für die Physik begann das 20. Jahrhundert mit einem Paukenschlag. 1900 verkündete Max Planck die Quantentheorie und sprengte das System der klassischen Physik. Heinrich Rubens, von 1896 bis 1906 Professor der TH Berlin, gehörte zu den Wegbereitern der neuen Physik, weil er sie experimentell bestätigte. 1907 wurde dieser Meister der Experimentierkunst Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, als erster Forscher, der „nur“ von einer Technischen Hochschule kam. Doch zu seinen Schülern gehörten bedeutende Physiker und Nobelpreisträger.

1865 wurde Rubens als Sohn eines jüdischen Juweliers in Darmstadt geboren. Später konvertierte er zum Protestantismus. Nach dem Abitur begann er 1884 Elektrotechnik an den Technischen Hochschulen Darmstadt und Berlin zu studieren. 1886 wechselte er zum Physikstudium an die Berliner, später an die Straßburger Universität, wo er Schüler von August Kundt wurde. 1888 ging Hermann Helmholtz als Präsident zur neuen Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR), und Kundt „erbte“ den Physik-Lehrstuhl in Berlin. Rubens folgte seinem Lehrer, promovierte 1889 und habilitierte sich 1892 ohne Habilitationsschrift. Ihn qualifizierte ein Artikel über infrarote Strahlen in der Zeitschrift „Annalen der Physik“, der sogar beim „Reichskanzler der Physik“ Helmholtz Aufsehen erregte. Die Infrarotspektroskopie wurde Rubens' Forschungs- und Experimentierfeld. Nach einer sechsjährigen Assistenzzeit an der Berliner Universität wechselte Rubens 1896 zur TH Berlin. Dort wurde er 1900 Ordinarius und begann 1904 als Direktor das neue Physikalische Institut einzurichten. Wegen dessen noch mangelhafter Ausstattung verlegte er seine Experimentierarbeit an das benachbarte PTR-Laboratorium. Hier konstruierte und verbesserte er Präzisionsmessgeräte. Als „Gastwissenschaftler“ an der PTR führte er wiederholt Experimente zur Bestätigung der Quantentheorie durch. Rubens war mit Marie Hirschfeld (1875–1941) verheiratet, Sohn Ernst Berthold kam 1900 zur Welt. Nach zehn Jahren Lehr-, Forschungs- und experimenteller Tätigkeit an der TH kehrte Rubens 1906 als Ordinarius und Direktor an das legendäre Physikinstitut der Berliner Universität zurück. Die Methode der Reststrahlung machte seinen Namen international bekannt. Als Institutsdirektor führte er das wöchentliche „Kolloquium“, einen „unsterblichen Verdienst“ von Gustav Magnus, wieder ein. Auf diesen für alle offenen Meetings wurden allgemeine Fragen der Physik und die neueste Fachliteratur diskutiert. Der Rubens-Schüler Gustav Hertz etablierte diese Tradition 1927 an der TH Berlin. Ein anderer Schüler, Wilhelm Westphal, berichtet über Rubens' Musikleidenschaft; auf dem Weg zu den Vorlesungen habe er Beethoven'sche Melodien gepfiffen und gesungen. In seinen Experimentalvorlesungen rief jeder gelungene Versuch bei Rubens eine kindliche Freude hervor. Mit sentimentaler Liebe hing er an schönen alten physikalischen Apparaten und Instrumenten, die er hingebungsvoll pflegte. Im Juli 1922 starb Rubens – erst 57-jährig – an Leukämie. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin. Seine Ehefrau, sie beging 1941 am Tag der Einführung des Judensterns Selbstmord, ruht an seiner Seite. Das Doppelgrab ist heute ein Berliner Ehrengrab.

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2012

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