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TU Berlin

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Vermischtes

Borsigs Aufstieg – ein Start-up-Märchen

Freitag, 13. Juli 2012

Mit 117 000 Schrauben begann die Karriere des „Lokomotivenkönigs“

Borsigs Grabmal auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin
Lupe

Die Geschichte der Firma August Borsig war ein biedermeierliches Start-up-Märchen. Am 22. Juli 1837 – vor 175 Jahren – fand der erste Eisenguss auf dem Gelände Chausseestraße/Ecke Torstraße statt. Als Borsig den Sprung in die Selbstständigkeit wagte, beflügelten ihn Erfindergeist, Konstruktionstalent, Wagemut, aber auch ein Schuldenberg. Fünf Jahre später feierte Berlin ihn als „Lokomotivenkönig“. Sein Aufstieg war atemberaubend. Noch heute hat der Name „Borsig“ einen guten Klang.

Als Kind einer Handwerkerfamilie wurde er am 23. Juni 1804 in Breslau geboren. Mit 15 Jahren ging er bei einem Zimmermann in die Lehre und besuchte parallel die Kunst- und Bauhandwerksschule, um auch architektonisches Wissen zu erwerben. Seine Leistungen brachten ihm schließlich ein Stipendium für das legendäre Berliner Gewerbeinstitut ein, wo Peter Christian Beuth ein strenges Regiment führte. Der junge Borsig legte sich mit dem Direktor wegen der Lehrinhalte an und ging ab. Erbost rief ihm Beuth nach, er werde es nie zu etwas bringen. Doch er sollte Unrecht behalten. Borsig vertiefte sein praktisches Wissen über Zukunftstechnologien wie Eisenverarbeitung und Maschinenbau. Seit 1825 war er Mitarbeiter und bald „Faktor“ (Betriebsleiter) bei der Eisen- und Maschinenfirma Franz Anton Egells in der Chausseestraße. 1828 heiratete er aus Liebe – nicht wegen der Mitgift – die Küstertochter Louise Praschl. 1829 wurde Sohn Albert geboren. Seine Absicht, Unternehmer zu werden, gab Borsig nicht auf. Als sein Vertrag mit Egells ablief, erwarb er ein Firmengrundstück vor dem Oranienburger Tor, von den Berlinern später „Feuerland“ getauft, und eröffnete 1837 seine Eisen- und Maschinenbaufirma. Da er sich hoch verschuldet hatte, nahm er jeden Auftrag an. Er begann mit dem Guss von 117 000 Schrauben für die Berlin-Potsdamer Eisenbahn. Das Engagement für diese neue Verkehrstechnologie ebnete den Weg zum Berliner Lokomotivenkönig. Anfangs reparierte er nur die aus den USA und England stammenden Loks. Er analysierte ihre Konstruktion, verbesserte sie und erwarb Patente. Am 24. Juli 1841 ging er ein Wagnis ein: Er initiierte eine Wettfahrt zwischen seiner ersten Lok „Borsig“ und der des englischen Marktführers Stephenson. Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten gewann Borsig mit einem sensationellen Zehn-Minuten-Vorsprung – und konnte anschließend zur Lokomotiven-Massenproduktion übergehen. Diese spannende Wettfahrt ist auch eine der Schlüsselszenen des zum Jubiläumsjahr im Jaron-Verlag erschienenen Romans „Der König vom Feuerland“, in dem der bekannte Krimiautor Horst Bosetzky, vielen auch unter dem Kürzel „-ky“ bekannt, den rasanten unternehmerischen Aufstieg des berühmten Maschinenbauers im industriell aufstrebenden Berlin des 19. Jahrhunderts literarisch umgesetzt hat.

Und auch Beuth war wieder in Borsigs Leben getreten. Auf der Berliner Gewerbeausstellung 1844 erhielt seine 24. Lok „Beuth“ eine Goldmedaille. Der Streit war längst beigelegt und der einstige Gegner schätzte die Firma Borsig als Musterunternehmen. Obwohl der Lokomotivenbau das Kerngeschäft war, blieb seine Produktionspalette breit: Borsig konstruierte die Pumpenanlage für die Fontänen von Sanssouci, die noch heute in einer „falschen“ maurischen Moschee anzuschauen sind, er baute die Kuppelkonstruktionen für die Potsdamer Nikolaikirche und für das Berliner Schloss. Im März 1854 konnte Firma Borsig ihre 500. Lok feiern, und der Chef hatte weitere große Pläne. Er trieb den Ausbau der neuen Fabrik-, Wohn- und Gartenanlagen in Moabit voran und eröffnete eine schlesische Dependance. Doch plötzlich, am 6. Juli 1854, ereilte ihn der Tod. 100 000 Berliner säumten seinen letzten Weg. Borsigs Nachfahren entwickelten die Firma weiter, noch heute ist der Name Programm im Maschinenbau – doch sie ist längst in anderen Händen. An August Borsig erinnert jedoch ein imposantes Grabmal auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in der Chausseestraße – vis-à-vis dem Ort, wo er sich seine „Königswürde“ erarbeitete.

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 7/2012

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