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TU Berlin

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Der „Papst der Fahrzeugsicherheit“

Montag, 18. Juni 2012

Zwei Drittel weniger Verkehrstote in 25 Jahren „Unfallforschung vor Ort“

Die Grabstätte Hermann Appels auf dem Waldfriedhof Berlin-Dahlem
Lupe

Vor zehn Jahren, am 18. Juli 2002, starb Prof. Dr.-Ing. Hermann Appel. Er war von 1972 bis 1998 ordentlicher Professor im Fachbereich Kraftfahrzeugwesen an der TU Berlin und galt als der „Papst der Fahrzeugsicherheit“. Seiner Unfallforschung ist es zu verdanken, dass die Zahl der Verkehrstoten in 25 Jahren um zwei Drittel reduziert werden konnte. Im September jährt sich zum 40. Mal der Beginn seiner Lehr- und Forschungstätigkeit in Berlin. Im Dezember wäre er 80 Jahre alt geworden.

Appel wurde am 21. 12. 1932 in Lüneburg geboren. Nach einer Lehre als Maschinenschlosser begann er ein Maschinenbau-Studium an der TH Braunschweig. Nach einer fünfjährigen Assistentenzeit promovierte er 1965 mit einer Arbeit über Baustatik. Danach arbeitete er als Berechnungsingenieur in einer Braunschweiger Firma, wechselte bald zur Rheinstahl-Hanomag AG nach Hannover, wo er als Abteilungsleiter für „Technische Berechnungen“ die aufkommende moderne Computertechnik einführte. Ab 1969 war Appel leitender Forschungsmitarbeiter bei der Volkswagen AG, wo er sich vor allem der Struktursicherheit von Pkws widmete. Im September 1972 übernahm Hermann Appel die Professur für Kraftfahrzeugwesen an der TU Berlin. Er war ein Mann, der gern neue, unerprobte Wege ging. So wirkte er auf seinem Forschungsgebiet äußerst innovativ. Er knüpfte an Arbeiten seines Vorgängers Ernst Fiala an und baute mit der Medizinischen Hochschule Hannover die „Unfallforschung vor Ort“ auf, die immer noch internationale Reputation genießt. Er vertiefte die Forschungen auf dem Gebiet der Biomechanik und Fahrzeugsicherheit. Hierfür ließ er moderne Crash-Anlagen errichten. Später wurden mittels Computersimulation Unfallhergänge analysiert. Aber Professor Appel interessierte sich zugleich für ökologische, verkehrspolitische und soziale Fragen. Für ihn waren die Probleme komplex und ihre Lösungen erforderten eine umfassende Betrachtungsweise, die die Schranken des Spezialistentums überschreiten sollte. Er erweiterte sein Arbeitsgebiet um weitere Forschungsfelder wie Schadstoffemissionsminderung, alternative Antriebssysteme oder computergestütztes Entwerfen. Etwa 250 Veröffentlichungen, Bücher und Zeitschriftenartikel dokumentieren Appels Forschungstätigkeit. Darüber hinaus hat er Hunderte Diplomarbeiten und über 40 Promotionen betreut. Aber er war zugleich Pionier auf dem schwierigen Feld der unmittelbaren Verbindung von Forschung und Wirtschaftspraxis. So gehörte er 1983 zu den Mitgründern der „Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr“ (IAV) GmbH. Dieses An-Institut wuchs zu einem mittelständischen Unternehmen mit 1200 Beschäftigten heran und finanzierte sich allein durch Aufträge aus der Industrie. Viele Studierende wurden hier für ihre spätere Entwicklungstätigkeit in der Praxis qualifiziert.

Hermann Appel erhielt neben dem Bundesverdienstkreuz viele nationale und internationale Auszeichnungen. Nach seiner Emeritierung 1998 arbeitete und forschte er in der IAV weiter. Seine Lebensleistung war gigantisch; er arbeitete gern und viel – bis an die Grenze des gesundheitlich Verträglichen. Am 18. Juli 2002 starb Appel 69-jährig in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Berlin-Dahlem.

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 6/2012

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