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Der Vollender von Preußens Arkadien

Freitag, 11. Mai 2012

Wie August Stüler versuchte, königlich-dilettantische Ideen zu realisieren

Einst und jetzt: das Ehrengrab Friedrich August Stülers auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof
Lupe

Vor 150 Jahren, 1862, wurde der Architekt Friedrich August Stüler mit der Bauplanung einer Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel beauftragt. 1834 hatte ihn Peter Christian Beuth – auf Schinkels Wunsch – als „Lehrer fürs Entwerfen“ an der Bauakademie eingestellt. Zwar beendete Stüler 1842 zunächst seine Lehrtätigkeit, weil er das Großprojekt des „Neuen Museums“ zu realisieren hatte, blieb aber der Bauschule verbunden. Als Mitdirektor leitete er 1849 wichtige Reformen, wie die Abschaffung des Kollegzwangs, in der Architektenausbildung ein.

Lange Zeit galt Stüler als „Zwischenexistenz“: Den Modernen war er zu ornamental, den Vertretern des Historismus zu nüchtern. Als „Schinkel-Epigone“ einst verkannt, gilt er heute als einer der bedeutendsten Baumeister nach Karl Friedrich Schinkel. Stüler, am 28. 1. 1800 in Mühlhausen geboren, entstammte einem protestantischen Pfarrhaus. Früh zeigten sich seine mathematischen und zeichnerischen Talente. Nach Beendigung des Gymnasiums 1817 bildete er sich bei einem älteren Bruder in Erfurt gründlicher in Vermessungstechnik und Mathematik aus. Hier lernte er Johann August Roebling, den später berühmten amerikanischen Hängebrückenbauer, kennen. Beide nahmen 1818 ihr Bauakademie-Studium in Berlin auf. Hier nahm auch Stülers lebenslange Freundschaft zu Eduard Knoblauch ihren Anfang. Dieser spätere Architekt entwarf die Neue Berliner Synagoge, die Stüler baulich vollendete.

Nach der Feldmesserprüfung begannen 1820 einige praktische Jahre, in denen Stüler Bauerfahrung sammelte und auch denkmalpflegerische Aufgaben – wie in Schulpforta – übernahm. Später setzte er sein Studium in Berlin fort, das er 1826 bravourös mit der Baumeisterprüfung beendete und so Schinkels Aufmerksamkeit erwarb. Zusammen mit 17 Studenten gründete Stüler 1824 den legendären Berliner Architektenverein, ein Bildungs- und Dialogforum für junge Baumeister. Als „Meisterschüler“ arbeitete Stüler eineinhalb Jahre mit Schinkel am Bau des Prinz-Karl-Palais am Wilhelmsplatz. Danach begab sich Stüler mit Knoblauch auf eine Bildungsreise nach Italien. Dieses Formen-, Farben- und Stilerlebnis prägte sein architektonisches Lebenswerk. Nach seiner Rückkehr erfolgte in Berlin seine Ernennung zum Hofbaurat.

Stülers eigentlich große Schaffensperiode begann mit der Regentschaft Friedrich Wilhelms IV. Nach dem plötzlichen Tod Schinkels erhielt Stüler den Titel „Architekt des Königs“. 20 Jahre versuchte er nunmehr die Architekturfantasien des königlichen Dilettanten in gebaute Realität zu verwandeln. Wie sein Mentor wurde auch Stüler ein Workaholic. Zu seinen Meisterwerken gehörten das Neue Museum am Kupfergraben, das eine ingenieurtechnische Großtat war, die Orangerie in Potsdam, die Kuppel des Berliner Schlosses, zahlreiche Kirchen – wie die Matthäuskirche am Kulturforum oder die Potsdamer Friedenskirche. Aber Stüler baute auch in Frankfurt am Main, Stockholm, Budapest, St. Petersburg. Seiner Familie, der Ehefrau und den sechs Kindern, die er sehr liebte, konnte Stüler nur wenig Muße widmen. Am 18. 3. 1865 – unterwegs zu einer Akademiesitzung – starb er an einem Gehirnschlag. Stülers Grab, ein Ehrengrab, befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 5/2012

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