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TU Berlin

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Vermischtes

Gastemperaturen und Spektralpyrometrie

Mittwoch, 04. April 2012

1944 erhielt Hermann Schmidt den weltweit ersten Lehrstuhl für Regelungstechnik

Die letzte Ruhestätte von Hermann Schmidt auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße ist nicht mehr erhalten
Lupe

Wenn heute von Kybernetik die Rede ist, denken alle an den US-amerikanischen Mathematiker Norbert Wiener. Er prägte 1948 das Wort „Cybernetics“. Doch es gibt auch einen „Berliner Ansatz“ der Kybernetik. Diese Idee, „Regelungstechnik“ genannt, geht auf Hermann Schmidt zurück.

Am 25. 11. 1944, die Gebäude der TH lagen in Trümmern, wurde Schmidt auf den weltweit ersten regelungstechnischen Lehrstuhl berufen. 50 Jahre später, auf einer Festveranstaltung der TU Berlin zum 100. Geburtstag der beiden „Väter“ der Kybernetik, wurde von der Gesellschaft für Pädagogik und Information der „Wiener-Schmidt-Preis“ für hervorragende Wissenschaftsleistungen gestiftet. Wer war Hermann Schmidt? Er wurde am 9. 12. 1894 in Hanau geboren. Nach dem Abitur studierte er Physik und Mathematik in Göttingen. Bereits nach einem Semester wurde er zum Militär einberufen, wo ihn der Weltkriegsbeginn überraschte. Erst 1919 demobilisiert, setzte er sein Studium in Göttingen unter anderem bei Max Born fort. Er schloss es 1923 mit der Dissertation ab. Auf Empfehlung von James Franck ging er an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung, Düsseldorf. Bis 1928 befasste er sich hier mit Problemen der Wärmestrahlung. Er publizierte erste Arbeiten über das Messen von Gastemperaturen und Spektralpyrometrie. Hier begann sein Interesse an Fragen der Messung und Steuerung technologischer Prozesse. 1929 habilitierte er sich an der TH Aachen im Fach Technische Physik. Von Oktober 1930 bis 1945 arbeite er als Referent im Reichspatentamt Berlin. Sein Fachgebiet für Patenterteilung lag auf dem Feld der Steuer- und Regelung technischer Prozesse. Er hielt als Dozent zusätzlich Vorlesungen in Aachen und ab 1935 an der TH Berlin. Durch die Patentamtsarbeit begriff er die fachübergreifende Bedeutung des Regelungs- beziehungsweise Rückkopplungsprinzips.

Fortan bestimmten diese Elemente der Kybernetik sein wissenschaftliches Denken. Schmidt wurde Promotor der „Allgemeinen Regelkunde“ oder „Regelkreislehre“. Sein Wirken veranlasste 1939 den Verein deutscher Ingenieure (VDI), einen Fachausschuss für Regelungstechnik zu gründen. Eine Pionierleistung jenes Ausschusses war die Schrift „Regelungstechnik: Begriffe und Bezeichnungen“, die zunächst 1940 und in der letzten Fassung im Oktober 1943 erschien. Ab 1943 hielt Schmidt erste regelungstechnische Vorlesungen. Nach 1945 interessierte sich die sowjetische Militärverwaltung für Schmidts Arbeiten und verpflichtete ihn, sein Wissen preiszugeben, sodass er sich unfreiwillig in der sowjetische Besatzungszone und Ostberlin aufhalten musste. 1951 kehrte der Ehemann und Familienvater in die Westsektoren, an die neue TU Berlin zurück. 1954 wurde er Professor ohne Lehrstuhl. Er war intensiv mit dem Ausbau seines „Berliner Ansatzes“ der Kybernetik befasst. Über seine Emeritierung hinaus arbeitete er an seinem Kybernetik-Buch. Als Hochschullehrer versuchte er, die Zuhörer von der Bedeutung der Kybernetik im anbrechenden EDV-Zeitalter zu überzeugen. Seinen Studierenden gegenüber gab sich Schmidt als bescheidener Lehrer, der mehr als Suchender denn als Wissender auftrat. Er starb – ohne sein geplantes Standardwerk zu vollenden – am 31. Mai 1968. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Berliner Waldfriedhof, Heerstraße. Das Grab existiert heute nicht mehr. Schmidts Nachlass befindet sich seit 1994 im TU-Archiv und harrt der Aufarbeitung (TU intern 7/11).

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 4/2012

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