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Von Einstein zum Manhattan-Projekt

Freitag, 17. Februar 2012

Nobelpreisträger Eugene Paul Wigner setzte sich für die friedliche Nutzung des Atoms ein

Eugene Paul Wigner (r.) mit dem späteren Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg, 1928
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Sein Schicksal war – wie das vieler Wissenschaftler jüdischer Herkunft – außergewöhnlich. Das kleine Ungarn brachte im 20. Jahrhundert ungewöhnlich viele Genies hervor. Für die moderne Physik stehen Edward Teller, Leó Szilárd und Jenö Pál (Eugene Paul) Wigner. Alle drei sind in Budapest geboren, studierten in Deutschland und emigrierten nach 1933 in die USA. Der NS-Antisemitismus vertrieb viel wissenschaftliche Intelligenz aus der „Alten Welt“.

Wigner wurde am 17. 11. 1902 als Sohn eines Lederfabrikanten geboren. Nach dem Abitur wollte er Physik studieren, doch sein Vater versuchte ihm das auszureden: „Wie viele Physiker, glaubst Du, braucht Ungarn heute?“ Das Land war nach dem 1. Weltkrieg in einer katastrophalen Lage: Intoleranz und Repression herrschten, das geistige Klima war wenig kreativ. Zunächst nahm der junge Wigner ein Chemie-Studium in Budapest auf, wechselte aber bald an die TH Berlin. Nebenbei hörte er an der Berliner Universität Physik-Vorlesungen bei Walter Nernst, Max Planck und Albert Einstein. Außerdem nahm er persönlichen Kontakt zu Einstein und Leó Szilárd auf. Das intensivierte seine Beschäftigung mit der modernen Physik. Nach der Promotion im Fach Chemie kehrte er 1925 nach Budapest zurück, um als Ingenieur im väterlichen Betrieb zu arbeiten – ohne Hoffnung auf eine Wissenschaftlerkarriere. Doch dann geschah ein Wunder. Professor Richard Becker verschaffte ihm 1926 eine Hilfsassistentenstelle für Physik an der TH Berlin. Seit der Berufung von Gustav Hertz, Nobelpreisträger 1925, galt diese als eine der renommiertesten Hochschulen. Trotz Hungervergütung nahm Wigner das Angebot an und beschäftigte sich mit Fragen der Quantenmechanik. Er ging auch für ein Jahr nach Göttingen, wo Werner Heisenberg, der Begründer der Quantenmechanik, lehrte. 1928 habilitierte sich Wigner an der Berliner TH. 1930 wurde ihm eine befristete Halbzeit-Professur an der Universität Princeton angeboten. Gleichzeitig ernannte ihn die TH Berlin zum außerordentlichen Professor. So pendelte der 28-Jährige zwischen Princeton und Berlin hin und her. 1933 erschien sein Buch „Quantenmechanik und Gruppentheorie“. Dreißig Jahre später sollte er für diese Forschungen den Nobelpreis erhalten.

Der Grabstein Wigners in Princeton/USA
Der Grabstein Wigners in Princeton/USA
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Zugleich war 1933 Wigners Schicksalsjahr. Die Nazis warfen ihn wegen seiner jüdischen Herkunft aus der TH. Sich keine Illusionen über die Absichten und Ziele Hitlers machend, blieb er in den USA und wurde 1937 amerikanischer Staatsbürger. Nach einer Professur in Wisconsin kehrte er 1938 nach Princeton zurück, wo er auf dem Gebiet der Quantenmechanik und Kernphysik forschte. 1941 wandten sich Wigner, Teller und Szilárd an Einstein mit der Bitte, den US-Präsidenten Roosevelt vor einer möglichen deutschen Atombombe zu warnen. Mit Szilárd entwickelte er eine Theorie über nukleare Kettenreaktionen und arbeitete dem Manhattan-Projekt in Los Alamos zu. An der Universität Chicago war Wigner an der Entwicklung des Hanford-Reaktors beteiligt, der später das Plutonium für die Bombe lieferte. Nach dem Kriege setzte sich Wigner für die friedliche Nutzung des Atoms ein. 1963 erhielt er – wie erwähnt – zusammen mit J. Hans D. Jensen und Maria Goeppert-Mayer den Physik-Nobelpreis. Eugene Wigner starb am 1. 1. 1995 in Princeton, wo er auch seine letzte Ruhe fand. Heute trägt das Neue Physikgebäude der TU Berlin seinen Namen.

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 2/2012

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