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TU Berlin

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Vermischtes

Das zerbrechliche Erbe der Fototechnik

Freitag, 20. Januar 2012

Das Foto ist von dem Glasnegativ abgenommen und auf Fotopapier übertragen worden. Es lagerte seit 95 Jahren im Archiv
Lupe

Heute scheint normal, dass Picosatelliten mit einer Masse von nur einem Kilogramm - wie der an der TU Berlin entwickelte Minisatellit "BeeSat-1" - messend und beobachtend um die Erde kreisen. Aber diese Perspektive ist der Wissenschaft und der Forschung erst möglich, seitdem die Menschen das Fliegen gelernt haben, also seit etwas mehr als 100 Jahren. Im Nachlass des letzten Ordinarius des "Instituts für Angewandte Chemie, Fotochemie und Filmtechnik" an der TU Berlin, Prof. Dr. Albert Narath (1900-1974) befinden sich zwei Kartons mit belichteten fotografischen Platten. Sie belegen, dass bereits kurz nach 1900 am "Photographischen Laboratorium" der TH unter Leitung von Geheimrat Prof. Dr. Adolf Miethe (1862-1927) (TU intern 12/05) Versuche unternommen wurden, zunächst von Freiballons, später von Flugzeugen aus "Luftfotografien" zu machen. Die im Universitätsarchiv befindlichen Glasplatten haben eine Größe von 9 x 12 beziehungsweise 13 x 18 Zentimetern. Die Aufnahmen wurden mit einer Kamera der Internationalen Camera-Gesellschaft (ICA) aus Dresden im Mai 1917 von Offizieren der Seeflugstation Holtenau gemacht. Die Plattenumschläge belegen, dass es sich auch Professor Miethe nicht nehmen ließ, mit in die luftigen Höhen aufzusteigen, um von der alten Hansestadt Stralsund eine "Luftfotografie" anzufertigen. Er erkannte sofort die zivile und militärische Bedeutung dieser Technik und wertete seine Versuche in zwei Publikationen aus: "Photographische Aufnahmen vom Ballon aus" (1909) und "Die Photographie aus der Luft" (1916). Das zweite Werk musste wegen der raschen Entwicklung der Fototechnik und der rasanten Verbesserungen im Luftfahrzeugbau vollkommen überarbeitet werden. Mittels Dreifarbensynthese fertigte Miethe Farbfotos an. Das Verfahren zur Herstellung von stereoskopischen Bildern, also die Anmutung der plastischen Form des Gegenstandes war auch möglich. Von großer Bedeutung war die Belichtungszeit, die wegen der Lichtintensität gering sein musste. So betrug die Belichtungszeit bei den Aufnahmen von 1917 bereits 1/180 Sekunde. In Betracht gezogen werden musste auch die Eigenbewegung des Flugzeuges, um bei langer Belichtungszeit "Verwackelungen" zu vermeiden.

Weitere Beiträge aus der TU intern-Serie zu Nachlässen aus dem Universitätsarchiv:
www.tu-berlin.de/?id=101442

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 1/2012

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