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Tubulenzforscher im Dialog

Donnerstag, 14. Juli 2011

Rudolf Wille engagierte sich für die demokratische Erneuerung der Hochschule

Grabstein von Rudolf und Gisela Wille
Rudolf und Gisela Wille sind auf dem Friedhof Alt-Schöneberg begraben. Die Plastik auf dem Stein ist die Miniaturisierung eines Kunstwerks von Prof. Erich F. Reuter, das sich heute in der Universitätsbibliothek vouTU- und UdK im VOLKSWAGEN-Haus befindet
Lupe

Am 22. August 2011 wäre Prof. Dr.-Ing. Rudolf Wille 100 Jahre alt geworden. Sein Leben war eng mit der Technischen Universität Berlin verbunden, der er über 30 Jahre lang angehörte. In seinen Fachgebieten Strömungstechnik und Turbulenzforschung hatte er sich einen internationalen Ruf erworben.

Wille wurde 1911 als Sohn eines Symphonie-Orchester-Cellisten in Kassel geboren, wo er das Abitur erwarb. Noch als Schüler machte er erste Erfahrungen beim Segelfliegen mit der Strömungsmechanik. Diese sollten in seinem Forscherleben eine große Rolle spielen. In München und Berlin studierte er Maschinenbau.

1935 wurde Wille Werkstudent am Institut für Technische Strömungsforschung der TH Berlin, das von Professor Hermann Föttinger (TU intern 2-3/07) geleitet wurde. Hier erwarb er sein Diplom und trat 1936 als Assistent in die Entwicklungsabteilung der Humboldt-Deutz-Motoren AG in Köln ein. Es folgten erste Veröffentlichungen und ein Lehrfilm über die Sichtbarmachung von Strömungen. Im Oktober 1939 wurde Wille Assistent bei Prof. Föttinger in Berlin. In seiner Dissertation befasste er sich mit Versuchen zum Spülvorgang von Zweitakt-Motoren. Ende 1942 verteidigte er den "Dr.-Ing" und blieb als Oberingenieur im Institut Föttingers. Wille blieb vom Wehrdienst verschont, weil am Institut Versuche im Auftrag der Rüstungsindustrie durchgeführt wurden, wie zum Beispiel 1944 die Prüfung von Brennkammern und Zerstäuberdüsen des Daimler-Benz-Luftstrahltriebwerks für Hochgeschwindigkeitsflugzeuge. Als im Mai 1945 der Krieg endete, schien die Lage an der TH aussichtslos. Die Gebäude waren zerstört und Professor Föttinger kam in den letzten Kriegstagen zu Tode. Doch Rudolf Wille engagierte sich in jenen Jahren für die demokratische Erneuerung der Hochschule. Dabei ging es ihm nicht nur um die Wiederherstellung der technisch-wissenschaftlichen Kompetenzen, sondern auch um ein Umdenken, das die Verantwortung des Ingenieurs schärft.

Wie nur ein Drittel der Dozentenschaft war Wille kein NSDAP-Mitglied. In den Aufbaujahren reiste er nach Frankreich und England, wo er Kontakte knüpfte und Anregungen für die eigene Arbeit sammelte. Sein Herz gehörte den Studierenden, die er zum Engagement im Studentenparlament ermunterte. Er diskutierte gern mit jungen Leuten im "Club der 33", der Studierende und Professoren direkt zusammenführte. Mit unermüdlichem Engagement wirkte Wille als Direktor des Instituts für Strömungstechnik, das seit 1954 "Hermann Föttinger Institut" (HFI) hieß und 1956 ein neues Institutsgebäude in der Müller-Breslau-Straße 8 erhielt. Neben dem HFI leitete er zugleich das Institut für Turbulenzforschung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL).

Rudolf Wille führte die Institute dank seiner großen persönlichen Autorität, aber er schätzte in der institutsinternen "Teestunde" zugleich den persönlichen Dialog mit allen Mitarbeitern. Mit der Chemikerin Dr. Gisela Heinrich (1922-2006) gründete Rudolf Wille eine Familie. Das Paar bekam drei Kinder, die gelegentlich wegen ihres attraktiven "Großvaters" bewundert wurden.

Als Rudolf Wille am 28. 12. 1973 plötzlich starb, verlor die TU Berlin einen bedeutenden Hochschullehrer und Ingenieur, der weltweit in seinem Fach tätig war. Seine letzte Ruhe fand der Forscher auf dem Friedhof Alt-Schöneberg in Berlin.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 7/2011

Im August 2011 erscheint eine Gedenkschrift zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Rudolf Wille, herausgegeben von Prof. Dr.-Ing. Hans Hermann Fernholz und Dipl.-Ing. Achim Leutz, Universitätsverlag TU Berlin, ISBN: 978-3-7983-2348-3. Die Schrift ist ab 1. 9. 2011 auch im Internet verfügbar.

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