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Der Vollender der klassischen Baustatik

Montag, 09. Mai 2011

Optimierung des Eisenbrückenbaus war die Leidenschaft von Heinrich Müller-Breslau

Die Glas-Stahl-Konstruktion des Mittelmeerhauses im Botanischen Garten Berlin sucht noch heute ihresgleichen
Lupe

Optimierung des Eisenbrückenbaus war die Leidenschaft von Heinrich Müller-Breslau
Heinrich Müller-Breslau gehört neben Adolf Slaby und Alois Riedler zu den „Großen Drei“ der TH Berlin um 1900. Sie stritten vehement für die Gleichberechtigung der Ingenieurwissenschaften und erzielten 1899 mit der Verleihung des Promotionsrechts an technische Hochschulen durch den Kaiser einen großen Erfolg.

Müller-Breslau hat den Eisenbahnbrückenbau vom Handwerk zur Wissenschaft weiterentwickelt. 1913 „erbte“ er Slabys Sitz der TH im Preußischen Herrenhaus, einer der beiden Kammern der preußischen Legislative, heute Sitz des Bundesrates. Er gilt heute als Vollender der klassischen Baustatik und Begründer der wissenschaftlichen Grundlagen des konstruktiven Ingenieurbaus. Als Heinrich Müller wurde er am 13. Mai 1851 in Breslau geboren. Später fügte er den Geburtsort seinem Namen bei. Nach dem Abitur nahm er 1870/71 als Fahnenjunker eines Pionier-Bataillons am Krieg gegen Frankreich teil. Danach studierte er bis 1875 Ingenieurwissenschaft an der Berliner Bauakademie und hörte „nebenbei“ an der Universität Vorlesungen der berühmtesten Mathematiker wie Karl Weierstraß und anderer. Schon als Student bereitete er Baueleven aufs gefürchtete Examen vor. Seither wurden die Statik des Eisenbrückenbaus und ihre Optimierung seine Leidenschaft. In den 1870er-Jahren beschleunigte sich der Ausbau der deutschen Infrastruktur. Brückenbau war kein Staatsmonopol mehr, was ein weites Betätigungsfeld für Ingenieure schuf. Müller-Breslau eröffnete ein Büro als Zivilingenieur. Zugleich erforschte er weiter die theoretischen Grundlagen seines Fachs und publizierte die Resultate in vielen Schriften. Schließlich erschien 1907 sein theoretisches Hauptwerk „Graphische Statik der Baukonstruktion“, woraufhin er 1883 an die TH Hannover berufen wurde – zunächst als Dozent, ab 1885 als Professor. Nach dem Tod Professor Emil Winklers in Berlin (TU intern 6/09) wurde Müller-Breslau 1888 dessen Nachfolger an der TH Berlin. Hier erwarb er sich seinen internationalen Ruf als Theoretiker und Praktiker. Seit 1894 stand er mit Graf Ferdinand von Zeppelin, dem Konstrukteur der gleichnamigen Luftschiffe, in Kontakt und schlug aerodynamische Verbesserungen der Luftschiffform und der Steifigkeit vor. Die Vielfalt und Einzigartigkeit der Stahlkonstruktionen Müller-Breslaus erregen noch heute Respekt. Im Berliner Botanischen Garten sind sein Tropen- und Subtropenhaus als wahre Glas-Kathedralen zu bewundern. Sie gehören nach über hundert Jahren zu den größten Stahl-Glas-Konstruktionen der Welt. Ihr Konstrukteur starb am 22. 04. 1925. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Wilmersdorf. Seit 2009 existiert das Grab nicht mehr.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 5/2011

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