TU Berlin

TUB-newsportaltui0411: Hochschularchiv

Page Content

to Navigation

There is no English translation for this web page.

Vermischtes

Hochschularchiv

Das klassische Weltbild wankt

Dienstag, 05. April 2011

Archive sind Magazine des kollektiven Gedächtnisses. Im Universitätsarchiv der TU Berlin schlummern viele Schätze, von denen wir in loser Folge einige interessante vorstellen.

Joseph Petzoldt
Lupe

Der älteste handschriftliche Nachlass stammt von Prof. Dr. Joseph Petzoldt (1862–1929). Damit befinden wir uns mitten in der Ära des bedeutendsten Paradigmenwechsels im 20. Jahrhundert. Dieser Nachlass führt uns quasi als archivierte Denkwerkstatt den Prozess der Aneignung jenes Umbruchs durch einen Zeitgenossen vor. Von 1904 bis 1929 ist Petzoldt „nebenberuflicher“ Privatdozent und 1922 außerordentlicher Professor für Philosophie an der TH Berlin. Im Hauptberuf unterrichtet er am Kant-Gymnasium in Spandau. Bereits seit seiner Gymnasialzeit interessiert sich Petzoldt für philosophische Fragen, besonders für die Konsequenzen der Darwin?schen Evolutionstheorie. Während seines Studiums wird er mit Theorien von Richard Avenarius und des Physikers Ernst Mach bekannt. Er ist Zeitzeuge der Jahre zwischen 1895 und 1905. Die Röntgenstrahlen werden entdeckt, das Phänomen der Radioaktivität durch Marie Curie beschrieben und schließlich formuliert Albert Einstein die Spezielle Relativitätstheorie. Die moderne Physik bringt das klassische Weltbild mit der Absolutheit von Raum und Zeit zum Einsturz. Einsteins Formel E = mc2 setzt die Möglichkeit der Verwandlung von Masse in Energie und umgekehrt voraus. Das alles hat auch umstürzende Folgen für die zeitgenössische Philosophie. Eine moderne Philosophie, diese Erkenntnis bricht sich auch bei Joseph Petzoldt Bahn, muss sich diesem neuen Wissen der Physik stellen. Das Zeitalter der Spekulation ist vorbei, die Philosophie kann nur noch Dienerin der Wissenschaft sein. 1904/05 beginnt Petzoldt mit Vorlesungen zu philosophischen Fragen der Naturwissenschaften an der TH Berlin. Folgerichtig fällt sein Blick auch auf Einsteins Relativitätstheorie, die er philosophisch begreifen will. Sie wird der Fokus, um den sein Philosophieren der nächsten zwanzig Jahre kreist.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 4/2011

Navigation

Quick Access

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe