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TU Berlin

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Vermischtes

Freude an theoretischer Physik

Donnerstag, 17. Februar 2011

Vier Nobelpreisträger gehörten zu den Schülern von Richard Becker

Die Physiker Wilhelm Westphal, Gustav Hertz und Richard Becker um 1930. Aus: Jost Lemmerich: Zur Geschichte der Physik an der TH Berlin-Charlottenburg, Berlin 1986
Lupe

Die „Roaring Twenties“ waren eine Zeit beschleunigter Modernisierung. Alles Herkömmliche wurde scharfer Kritik unterzogen. Auch die TH Berlin blieb davon nicht verschont. Die „Zeitschrift für technische Physik“ rügte 1921, dass die physikalisch-mathematischen Wissenschaften an den technischen Hochschulen den Status von Hilfswissenschaften hätten und dass diesen Fächern dort das Promotionsrecht versagt sei. Angesichts des Bedeutungszuwachses der modernen Physik in Theorie und Praxis sei dieser Zustand unhaltbar.

Die Kritik hatte Folgen. 1924 erkannten alle Hochschulen Physik und Mathematik als selbstständige Fächer mit der Möglichkeit des Diplom- und des Doktorexamens an. Die TH Berlin entwickelte sich zum führenden deutschen Zentrum der physikalischen Forschung mit dem umfassendsten Lehrangebot. Auch Kernphysik gehörte zu den Spezialgebieten am Berliner Institut. Diese Wende in Forschung und Lehre war vor allem drei Hochschullehrern zu verdanken: Gustav Hertz als Professor für experimentelle Physik, Wilhelm Westphal als Organisator des Physikpraktikums und Richard Becker, der 1926 – also vor 85 Jahren – als Professor des neu eingerichteten Lehrstuhls „Theoretische Physik“ an die TH Berlin kam.

Becker wurde am 3. Dezember 1887 in Hamburg geboren, studierte ab 1906 zunächst Zoologie und promovierte in diesem Fach. Der geniale theoretische Physiker Arnold Sommerfeld veranlasste ihn, zur Physik zu wechseln. Nach einer Assistentenzeit bei Fritz Haber in Berlin arbeitete Becker ab 1923 zunächst in der Sprengstoffindustrie und später in einem OSRAM-Forschungslaboratorium. Im Jahre 1922 habilitierte er sich an der Berliner Universität bei Max Planck. Nach kurzer Bewährung als Privatdozent an der Universität erfolgte 1926 Beckers Berufung an die TH Berlin. Hier konnte er sein pädagogisches Talent als Hochschullehrer entfalten. Seine hohe didaktische Begabung erleichterte seinen Studierenden die Einführung in die Kompliziertheit und Komplexität der theoretischen Physik. Seine Lehrbücher wurden von Generationen geschätzt. Zugleich verstand es Becker, seine Zuhörer zu motivieren. Er empfahl ihnen: „Treiben Sie das, was Ihnen Freude macht! Nur diese Art der Tätigkeit ist wahrhaft fruchtbar.“ Er förderte junge wissenschaftliche Talente und bemühte sich um intellektuelle und materielle Unterstützung. So half er dem ungarischen Migranten Eugene Paul Wigner (1902–1995), seine Forschungen in Berlin fortzusetzen, indem er ihm eine Assistentenstelle einräumte. 1963 erhielt Wigner den Physik-Nobelpreis. Neben dem Professorenkollegium verbesserte sich auch die Infrastruktur der TH. Sie erhielt den damals größten und modernsten Physiklesesaal. Die „Machtergreifung“ der Nazis zerstörte dieses Wissenschaftsmilieu. Physiker wie Hertz und Wigner wurden aus rassistischen Gründen vertrieben. Becker wurde nach Göttingen „zwangsversetzt“. Er nahm diese Berufung nur widerwillig an, da Max Born sein Göttinger Lehramt wegen seiner jüdischen Herkunft verlor. Nach 1945 bemühte sich Becker um Kontakt zu jenen Physikern, die nach 1933 die Heimat verlassen mussten. Sein Lebensmittelpunkt war von 1936 bis 1955 die Göttinger Universität.

Becker hatte einen großen Schülerkreis und beeinflusste durch wichtige Impulse neben Wigner drei weitere deutsche Physik-Nobelpreisträger: Wolfgang Paul (1989), Hans Georg Dehmelt (1989) und Herbert Krömer (2000). Richard Becker starb am 16. März 1955 in Bad Schwalbach. Sein Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof Göttingen.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 2/2011

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