TU Berlin

TUB-newsportaltui1110: Initialzündung für industrielle Revolution

Inhalt des Dokuments

zur Navigation

Vermischtes

Initialzündung für industrielle Revolution

Dienstag, 16. November 2010

Die Bergakademie, eine der Keimzellen der TU Berlin, wurde vor 240 Jahren gegründet

Carl Abraham Gerhard
Lupe

Vor 240 Jahren, am 1. November 1770, begann das erste Semester am "Berg- und hüttenmännischen Lehrinstitut" (Bergakademie) in Berlin. Damit begann auch die Vorgeschichte der TU Berlin, denn die Bergakademie ist eine ihrer Vorläufereinrichtungen.

An den Aufklärer und Gründer der Bergakademie Carl Abraham Gerhard erinnert eine Gedenktafel in der Neuen Grünstraße 27 in Berlin-Mitte
Lupe

Das Institut bezog zunächst Räume in der Akademie der Künste, die sich im Marstall, Unter den Linden, befanden. Lehrveranstaltungen für die 22 Hörer, darunter 15 Studierende oder Eleven, fanden in den Wohnungen der fünf berufenen Professoren statt. Mit diesem "Zwerginstitut" wurde die Gründung dieser Akademie zur Initialzündung für die industrielle Revolution in Preußen. Hier sollten Berg- und Hüttenbeamte ausgebildet werden, die das marode Berg-, Hütten- und Salinenwesen erneuern sollten, um eine funktionstüchtige Grundstoffindustrie zu schaffen. Kohle und Eisen gehörten zu den stofflichen Voraussetzungen der Industrialisierung. An den Bergrat Dr. Carl Abraham Gerhard (1738–1821) ging der Auftrag, den Lehrbetrieb zu organisieren und einen Lehrplan zu erstellen. Gerhard, ein studierter Mediziner, war Preußens größter Experte auf dem Feld der Mineralogie und Autor wichtiger Grundlagenwerke wie "Beiträge zur Chymie und Geschichte der Mineralogie". Nach dem Vorbild der sächsischen Bergakademie, die 1766 von Friedrich Anton von Heynitz (1725–1802) in Freiberg gegründet wurde, gestaltete Gerhard das Berliner Institut. Großen Wert legte er auf eine gründliche wissenschaftlich-systematische Ausbildung in fünf Semestern und einem Praxisjahr. Wichtig war, dass die Eleven lernten, "das allgemein Gültige von den lokalen Abänderungen zu unterscheiden und etwas Sicheres, Nützliches und Gutes zu schaffen". Von Anfang an unterrichteten hier bedeutende Berliner Gelehrte: der Botaniker Johann Gottlieb Gleditsch (1714–1786), der über Forstwirtschaft und Nachhaltigkeit las, sowie der Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1743–1817), der die Elemente Uran, Titan und Strontium entdeckte. Während Gerhards Verdienste auf wissenschaftlichem Gebiet lagen, wirkte von Heynitz, seit 1777 preußischer Staatsminister, Oberberghauptmann und bester Kenner der Bergwerkspraxis, als Promoter des Berg- und Hüttenwesens in Schlesien und anderen preußischen Landen. Er sorgte durch den Einsatz von Koks in der Eisenverhüttung für erhebliche Produktions- und Qualitätssteigerungen. Er setzte in einer Grube in Hettstedt 1785 die erste Dampfmaschine ein und reformierte in Westfalen – gemeinsam mit einem jungen Beamten namens Freiherr vom Stein – das dortige Bergbauwesen. Er sorgte auch dafür, dass die Bergakademie 1801 ein Domizil im Münzgebäude am Werderschen Markt erhielt, das sie sich bis 1836 mit der Bauakademie teilte. Im Gefolge der Heynitz’schen Wirtschaftspolitik erlebte die Bergakademie eine lang anhaltende Blüte. Nach einem kurzen Interregnum im funktionslos gewordenen alten Börsengebäude bezog sie 1878 einen neuen Gründerzeitpalast in der Invalidenstraße 44. Im Jahre 1916 wurde die traditionsreiche Bergakademie Teil der Technischen Hochschule Berlin. Ihr erstes dortiges Domizil war der Erweiterungsbau westlich vom heutigen Hauptgebäude. So wurde die Bergakademie – neben Gewerbe- und Bauakademie – eine weitere Keimzelle der TU Berlin.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 11/2010

Navigation

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe