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TU Berlin

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Vermischtes

Abenteuer zwischen Orient und Okzident

Montag, 12. Juli 2010

Walter Andrae baute das Ischtartor im Pergamonmuseum wieder auf

Das nachgebaute Ischtar-Tor im Berliner Pergamonmuseum
Lupe

"Er grub Assur aus. Er richtete die Vorderasiatische Abteilung der Staatlichen Museen ein." So fasste der Archäologe, Architekt und Hochschullehrer Walter Andrae seine Vita selbst kurz zusammen. Er lehrte Baugeschichte an der TH beziehungsweise TU Berlin von 1923 bis 1951, zunächst als Privatdozent, dann als außerordentlicher Professor und seit 1946 als Ordinarius.

Zu seinem Lebenswerk gehört die Rekonstruktion der Ausgrabungsobjekte von Babylon und Assur im Pergamonmuseum. Andraes Leben verlief als Abenteuer zwischen Orient und Oxzident. Geboren am 18. Februar 1875 in Anger bei Leipzig als Sohn eines Eisenbahningenieurs, besuchte er die Fürstenschule in Grimma, wo er Ostern 1893 das Abitur ablegte. Schon als Pennäler fiel sein Zeichentalent auf, das er zunächst an Lehrerkarikaturen einübte. Dem Militärdienst folgte von 1894 bis 1898 ein Architekturstudium an der TH Dresden.

Zu seinen akademischen Lehrern gehörten der Kunstgeschichtsprofessor Cornelius Gurlitt und der Architekt Paul Wallot. Bei Letzterem erwarb er den Abschluss als Diplomingenieur. Auch sein Zeichentalent konnte er in Dresden mittels der Jugendstilmaler Otto Greiner und Max Klinder weiterentwickeln. Eine glänzende Beamtenlaufbahn als Regierungsbauführer lag vor ihm. Doch Andrae entschied sich für das Abenteuer und bewarb sich bei Robert Koldewey (1855–1925), einem der bekanntesten Archäologen und Ausgräber seiner Zeit, für eine Expedition in den Orient. Sein Zeichentalent half ihm, die 16 Mitbewerber hinter sich zu lassen. Zu jener Zeit war die altorientalische Archäologie ein Prestigeobjekt des jungen Reiches und wurde vom Kaiser gefördert. Koldeweys Ruf als exzellenter Archäologe basierte auf seinen wissenschaftlichen Grabungsmethoden. Mit ihm reiste der junge Andrae zunächst nach Baalbek, wo neue Grabungen erkundet werden sollten. Danach ging es auf Karawanenwegen nach Bagdad. In dessen Nähe legte die Expedition am Königshügel die Überreste von Babylon frei. Andrae war absoluter Anfänger, und sein Chef schrieb über ihn: "Ich habe hier einen harmlosen Jüngling bei mir, der kann nicht einmal ein Stemmloch von einem Wolfloch unterscheiden – aber er malt und zeichnet entzückend."

So ging Andrae nach dem Prinzip "Learning by doing" ans Werk. Nach vier Jahren war aus dem Lehrling ein Meister geworden. Er bekam die Aufgabe, die Grabungen in Assur zu leiten. Diese waren 1914 abgeschlossen. Während seiner "Heimaturlaube" 1908 promovierte er in Berlin zum Dr.-Ing. Im Juli 1914 heiratete er in Villach. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Das Paar hatte keine Flitterwochen, stattdessen musste der Bräutigam in den Weltkrieg ziehen, den er zunächst an der Westfront und später bei der Orientarmee überlebte. 1921 wurde Andrae Kustor der Vorderasiensammlung der Berliner Museen und erfuhr, dass seine Ausgrabungskisten von den Kriegsgegnern beschlagnahmt wurden. Nach der Habilitation 1923 an der TH Berlin lehrte er bis 1951 als Hochschullehrer Baugeschichte. Seit 1927 – inzwischen hatte er die verschollenen Ausgrabungsobjekte für das neue Pergamonmuseum gesichert und leitete als Direktor die Rekonstruktion des Ischtartores mit der babylonischen Prachtstraße. Andrae starb am 28. 7. 1956 als hochgeehrter Pionier moderner Ausgrabungstechniken. Sein Nachlass ist weitgehend unaufgearbeitet.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 7/2010

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